US-Wahl 2020

Trump sinniert über den Fall einer Niederlage: „Vielleicht muss ich das Land verlassen“

  • Delia Friess
    vonDelia Friess
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  • Mirko Schmid
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Für Donald Trump geht es in Florida um alles oder nichts – rechnerisch hat er kaum Chancen auf eine Wiederwahl, wenn er im Sonnenstaat verliert. Jetzt sinniert Trump über den Fall einer Niederlage.

  • In Florida, einem der wichtigsten Swing States, liefern sich Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen.
  • Joe Biden vergleicht rechte Extremisten mit ISIS. Donald Trump sinniert über Zeit nach der Wahl.
  • Alle Infos zu den Wahlen in den USA am 3. November finden Sie in den News zur Wahl 2020.

Update vom Samstag, 17.10.2020, 9.35 Uhr: Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat kurz vor der US-Präsidentschaftswahl den Unwillen von Amtsinhaber Donald Trump bei der Verurteilung weißer, rassistischer Gruppierungen „erstaunlich“ genannt. Diese seien „inländische Terroristen“, so Biden. Er bezog sich dabei auf einen kürzlich bekannt gewordenen Plan von mutmaßlichen Extremisten, die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, zu entführen.

Joe Biden äußert sich über Extremisten, die die Entführung von Gouverneurin geplant haben sollen

Biden stand bei seiner Rede neben Gretchen Whitmer, die als scharfe Kritikerin von Donald Trump gilt. In der vergangenen Woche waren 13 Extremisten festgenommen worden, die mutmaßlich eine Entführung Whitmers geplant haben sollen, um einen „Bürgerkrieg“ anzuzetteln.
„Das ist ein Verhalten, das Sie von Isis erwarten würden“, sagte Biden. Es müsse jeden US-Amerikaner schockieren. „Das Versäumnis, diese Leute zu verurteilen, ist erstaunlich“, sagte Biden außerdem.
Nachdem die geplante Entführung der Gouverneurin bekannt wurde, twitterte Trump: „Statt danke zu sagen“ für die erfolgreiche Arbeit des FBI, „behandelt sie mich wie einen weißen Rassisten“.

US-Wahl 2020: Donald Trump sinniert über den Fall einer Wahlniederlage

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida warnte Trump wieder vor der Wahl Joe Bidens. Diese würde „Kommunismus“ und eine „Flut“ krimineller Migranten zur Folge haben. Der US-Präsident warf seinem Herausforderer zudem auch wieder vor, dass dessen Familie „korrupt“ und „ein kriminelles Unternehmen“ sei.

US-Präsident Donald Trump beleidigt den demokratischen Kandidaten Joe Biden. (Symbolbild)

Donald Trump: Beleidigungen von US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden

Trump nennt Joe Biden häufig den „schläfrigen Joe“ und bezeichnet ihn seit Wochen abwechselnd als altersdement, korrupt, China-freundlich, Polizei-feindlich oder als „Marionette der radikalen Linken“.

US-Präsident Donald Trump liegt weniger als drei Wochen vor der Wahl in Umfragen teils deutlich hinter Joe Biden: In landesweiten Erhebungen hat der Amtsinhaber im Schnitt einen Rückstand von zehn Prozentpunkten. Auch in besonders wichtigen Schlüsselstaaten wie Pennsylvania und Wisconsin liegt Trump hinter dem Demokraten.
Bei einer weiteren Wahlkampfveranstaltung in Macon im Bundesstaat Georgia sprach Trump auch über eine mögliche Niederlage bei der Wahl. „Können Sie sich vorstellen, dass ich verliere? Was werde ich tun?“, so Trump. „Ich werde mich nicht so gut fühlen. Vielleicht muss ich das Land verlassen. Ich weiß es nicht.“

Erstmeldung vom Freitag, den 16.10.2020, 22.30 Uhr: US-Präsident Donald Trump verstärkt seine Wahlkampfaktivitäten im heiß umkämpften Swing State Florida. Nachdem der Präsident bereits sein „Town-Hall“-Meeting nach Miami gelegt hatte, will er am Freitag (16.10.2020) im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung am Ocala International Airport im Marion County sprechen. Bereits am Montag (12.10.2020) hatte er seinen ersten öffentlichen Wahlkampfauftritt vor der US-Wahl nach seiner kurzen Corona-Pause in Sanford, Florida absolviert.

Donald Trump bei seiner Ankunft in Florida am 15. Oktober 2020

Donald Trump muss in Florida gewinnen, will er eine realistische Wiederwahlchance haben

Das Kalkül ist klar: Wahlbeobachter in den USA sind sich weitestgehend einig darin, dass Trump Florida mit seinen 29 Wahlmännern für sich gewinnen muss, will er eine rechnerische Chance haben, wiedergewählt zu werden. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einem „do or die“-Staat für Trump: Alles oder nichts.

Christy Jergens, eine Sprecherin des Gesundheitsamtes von Florida, mahnt unterdessen eindringlich an, die Corona-Richtlinien einzuhalten. Die Besucher*innen der Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Florida sollen zu Hause bleiben, wenn sie sich krank fühlen, die Abstandsregeln einhalten und eine Maske tragen, so Jergens. Wer zur Risikogruppe gehöre, solle zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen treffen, um eine Infektion mit Corona zu verhindern. Matt Grow, Direktor des Flughafens bei Ocala, betont, dass alleine Trumps Wahlkampfteam die Verantwortung für Vorkehrungen vor Ort trage. Weder der Flughafen noch die Stadt hätten mit den Organisatoren um Präsident Trump im Vorfeld Gespräche über die Hygienemaßnahmen geführt.

Florida gilt als größter Swing State, doch auch die Republikaner-Hochburg Texas wackelt

Ocala hatte zuletzt die Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie verschärft und Ladenbesitzer aufgefordert, Schilder aufzuhängen, die Kund*innen auf die Maskenpflicht hinweisen. Obwohl Geldbußen mit der Verordnung zur Maskenpflicht verbunden waren, betonte Ocalas Bürgermeister Kent Giunn, dass eine Missachtung der Maskenpflicht keine Geldstrafe nach sich ziehen würde. Der Republikaner und Trump-Unterstützer Giunn hatte kürzlich angekündigt, selbst für Florida für den US-Kongress kandidieren zu wollen. Zuletzt war Donald Trump am 3. Oktober 2020 in Ocala, um sich mit geladenen Gästen im zugangsbeschränkten und nur für Anwohner und geladene Gäste offenen Wohngebiet „The Villages“ zu treffen.

„Traditionell sind wir der größte Swing-Staat“, erklärt Aubrey Jewett, Professor für Politikwissenschaft an der University of Central Florida, die Relevanz seines Bundesstaates im US-Wahlkampf. „Ich schränke das ein wenig ein, weil in den letzten drei oder vier Wochen einige Umfragen Texas als umkämpften Swing State gesehen haben. Das glaube ich aber erst, wenn ich es sehe.“ Derzeit liegt Joe Biden in Florida in den meisten Umfragen leicht - im Schnitt mit 48 zu 45 Prozent - vorn, es könnte aber auf jede Wählerstimme ankommen. Während Biden bei weiblichen Wahlberechtigten in Florida mit 56 zu 39 Prozent einen klaren Vorsprung in den Umfragen hat, liegt Trump umgekehrt mit 56 zu 37 Prozent bei weißen Wählern klar vorn.

Donald Trump liegt in Florida nur bei weißen Wählern vorn, Frauen, Schwarze und Latinos bevorzugen Joe Biden

Besonders zu denken wird Donald Trump der Vorsprung des Demokraten Joe Biden bei hispanischen Wählern geben. Umfragen unter den „Latinos“ ergeben, dass Joe Biden bei der in Florida wahlentscheidend wichtigen Bevölkerungsgruppe mit fast 57 zu 37 Prozent führt. Schwarze Wähler in Florida sind für Trump nahezu unerreichbar - hier führt Biden mit stattlichen 86 Prozent, gerade einmal 7 Prozent der schwarzen Befragten gibt an, das Kreuz beim amtierenden Präsidenten machen zu wollen. Inwieweit Donald Trumps Schmeicheleien gegenüber dem rechtsextremen Verschwöungskult QAnon in Florida Einfluss auf die Wahl nehmen, ist noch nicht in Umfragen erfasst. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © BRENDAN SMIALOWSKI

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