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Nordkorea

Donald Trump und Kim Jong-Un: Männerfreundschaft am Scheideweg

  • vonMirko Schmid
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Donald Trump und Kim Jong-Un hegen Sympathien füreinander. In den USA spekuliert man eifrig über die Zukunft der Freundschaft nach der Abwahl des US-Präsidenten.

Washington D.C. / Pjöngjang - Es ist kein Zufall, dass Kim Jong-Un sich bisher nicht überwinden wollte, Joe Biden zu dessen Wahl zum nächsten Präsidenten der USA zu gratulieren. Im Gegensatz zu Chinas Präsident Xi Jinping schweigt sich Kim weiter aus.

Damit nicht genug: Den Staatsmedien hat der Enkelsohn des Staatsgründers Kim Il-Sung untersagt, vom Wahlsieg des Demokraten zu berichten. Die Gründe hinter diesem „Boykott“ liegen auf der Hand. Zum einen hatte Joe Biden im Wahlkampf mehrfach angekündigt, mit harter Hand gegenüber Nordkorea zu regieren. Zum anderen steht Kim loyal hinter seinem „Männerfreund“ Donald Trump.

Kim Jong-Un und und Donald Trump: Die beiden „starken Männer“ verbindet eine „Männerfreundschaft“.

Donald Trump könnte nach seiner Amtszeit als Präsident weiter mit Kim Jong-Un in Nordkorea verhandeln

So ist es zu erklären, dass die Linie der „Volksrepublik“ Nordkorea auffällig vom Verhalten Chinas, des einzigen echten Verbündeten der Kim-Dynastie auf der Weltbühne, abweicht. Nun wird in den US-Medien und politischen Kreisen der USA heftig darüber spekuliert, welche Rolle Donald Trump auch nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus in der diplomatischen Beziehung zwischen Nordkorea und den USA spielen wird. Kim Jong-Un hält große Stücke auf den scheidenden Präsidenten, war dieser doch der erste amtierende Staatschef der USA, der dem kommunistischen Regime vor Ort seine Aufwartung machte.

Die Spekulationen darüber, welche Rolle Donald Trump in der zukünftigen Beziehung zwischen den USA und Nordkorea spielen könnte sind vielfältig. Eine der Theorien besagt, dass Trump sich als eine Art Nebenpräsident aufspielen könnte, der vorbei am gewählten Präsidenten Joe Biden und ohne demokratisch legitimiertes Mandat weiter mit Kim Jong-Un „verhandelt“. Zwar hätten solche Gespräche keine faktische Legitimation, doch sowohl Trump als auch Kim gelten als Meister der Selbstinszenierung - eine umfassende Berichterstattung über solche bilateralen Gespräche wäre ihnen sicher.

Nordkorea: Donald Trump und Kim Jong-Un haben beide ein Interesse an einer Zusammenarbeit

Ein Vertreter dieser Theorie ist Nicholas Eberstadt, langjähriger Asienexperte am American Enterprise Institute. Gegenüber dem Onlinemagazin „The Daily Beast“ sagt Eberstadt: „Donald Trump und Kim Jong-Un haben ein beidseitiges Interesse an gemeinsamen Konferenzen, nachdem Trump aus dem Amt des Präsidenten geschieden ist. Für Kim wäre ein Treffen mit Trump die Chance, die USA vor sich herzutreiben.“ Und auch für Trump wäre der Anreiz laut Eberstadt gegeben: „Sein Ziel ist es, in der Öffentlichkeit zu bleiben und Joe Biden zu brüskieren.“

Machthaber der Volksrepublik Nordkorea
Kim Il-Sung1948 bis 1994
Kim Jong-Il1994 bis 2011
Kim Jong-UnSeit 2011

Joseph Yun, erfahrener Diplomat und von 2016 bis 2018 Unterhändler der USA in Nordkorea sieht darin sogar eine Chance: „Ich verstehe nicht, warum die Biden-Administration das nicht verstehen und anerkennen sollte. Dies sollte der erste Schritt sein, um den Weg für Verhandlungen freizumachen und zu einer langfristigen Einigung zu gelangen.“ Yun ist sich sicher: „Stimmen in Washington drängen das Biden-Team, die Erklärung von Singapur zu akzeptieren.“

Kim Jong-Un und Donald Trump einigten sich, nachdem die USA und Nordkorea kurz vor einem Krieg standen

In Singapur hatten sich Donald Trump und Kim Jong-Un auf ein friedliches Miteinander der USA und Nordkorea sowie einer schrittweisen nuklearen Abrüstung der „Volksrepublik“ Nordkorea geeinigt, nachdem es zuvor zu öffentlichkeitswirksamen Säbelrasseln zwischen den beiden Staatschefs gekommen war. Trump hatte durchblicken lassen, dass die beiden Nationen vor der Annäherung kurz vor einem Krieg gestanden haben sollen.

Und so besagt eine zweite Theorie, dass Joe Biden versucht sein könnte, Donald Trump als eine Art informellen Botschafter zu akzeptieren. Bereits Jimmy Carter und Bill Clinton waren als ehemalige US-Präsidenten nach Nordkorea gereist, um dort zu deeskalieren. Carter traf sich 1994 auf dem Höhepunkt der ersten nordkoreanischen Atomkrise mit Staatsgründer Kim Il Sung und rang ihm das Versprechen ab, das entstehende Atomprogramm einzufrieren. Bill Clinton seinerseits gelang es im Jahr 2009, die beiden amerikanischen Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee auszulösen und in die USA zurückzubringen, nachdem diese wegen eines illegalen Grenzübertritts von China nach Nordkorea im Kim-Staat festgenommen worden waren.

Joe Biden würde eine Vermittlerrolle von Donald Trump in Nordkorea eher nicht dulden

Eine solche Duldung Bidens für eine semi-offizielle Rolle des abgewählten Präsidenten Donald Trump in Nordkorea gilt jedoch als unwahrscheinlich. Zum einen, weil Joe Biden eine grundsätzlich härtere Linie gegenüber Nordkorea im Sinn hat, als sie der dem Machthaber Kim Jong-Un gewogene Noch-Präsident fährt. Zum anderen deswegen, weil der tatsächliche Nutzen einer solchen Zusammenarbeit wohl gering wäre. Leif-Eric Easley, Professor an der Ewha University in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, ist pessimistisch: „Es gibt keine Chance, dass Kim ein Interesse an einem Deal mit Trump haben könnte, wie es sein Großvater 1994 mit dem ehemaligen Präsidenten Carter getan hat.“

Auch die Motivationslage von Donald Trump, ein solches diplomatisches Spiel mitzuspielen, gilt als unsicher. Zwar könnte sich Trump weiter als derjenige inszenieren, der die verbale und politische Abrüstung zwischen Nordkorea und den USA verantwortet und vorantreibt. Doch es könnte dem dann ehemaligen US-Präsidenten ein Dorn im Auge sein, dass seine Rolle als Friedensstifter keine Neuheit wäre. Diese Vermutung stützt Scott Snyder, Korea-Experte des Council on Foreign Relations: „Ich habe darüber nachgedacht. Aber ich frage mich, ob es dazu kommen würde, wenn jemand Trump erzählt, dass die ehemaligen Präsidenten Carter und Clinton beide nach Pjöngjang gegangen sind, weil es dann nicht beispiellos wäre.“

Donald Trump hatte durchblicken lassen, die Regierung von Joe Biden unterminieren zu wollen

Nicht nur das Ego des Donald Trump steht einer solchen Vermittlerrolle im Weg. Evans Revere, pensionierter Korea-Experte des US-Außenministeriums, sieht kaum eine Chance darauf, dass Joe Biden „Trump in der Nähe einer so heiklen außenpolitischen Herausforderung wie dieser haben möchte“. Und das liege an Trump selbst, sagt Revere: „Jeder Kommentar, den Trump zu seinen Absichten zusammen mit den politischen Maßnahmen und Personalentscheidungen seiner Regierung während des Übergangs abgegeben hat, besagt, dass geplant ist, die Biden-Administration zu unterminieren, zu stören und zu behindern, um die politischen Optionen und den Spielraum der neuen Administration einzuschränken.“

Und doch könnte ein Besuch des dann ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump seinen Amtsnachfolger Joe Biden unter Druck setzen. Nordkorea-Experte Lee Sung-yoon, Professor an der Fletcher School of Law and Diplomacy der Tufts University in Massachusetts, vermutet, dass ein schlagzeilenträchtiger Trump-Besuch bei seinem „BrieffreundKim Jong-Un „Biden stark unter Druck setzen würde, ebenfalls eine Einladung von Kim anzunehmen.“ (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Kevin Lim/The Straits Times/imago

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