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Kellyanne Conway (l.) verteidigt lieber ihren Präsidenten anstatt ihren Ehemann.

Donald Trump und Kellyanne Conway

Eine Ehe, symbolisch für die Spaltung Amerikas

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Der Streit zwischen George Conway und Donald Trump wird zum Tratsch über die Ehe der Conways - und zum Symbol für ein gespaltenes Land.

Die Geschichte hat fast alles, was ein Schmierentheater benötigt. Und sie spielt im Weißen Haus. Die Protagonisten sind Kellyanne Conway, Beraterin des amtierenden US-Präsidenten, ihr Ehemann George T. Conway der III., Staranwalt und berühmter Kritiker des dritten in der Ménage: Donald Trump.

Alles beginnt 2016. Ganz Amerika und die halbe restliche Welt starrt wie gebannt auf den Wahlkampf zwischen Immobilientycoon Trump und Ex-Außenministerin Hillary Clinton. Es ist ein dreckiger Kampf und vor allem Team Trump spart nicht am Schmutz. Mittendrin befindet sich Kellyanne Conway. Die heute 52-jährige Politikwissenschaftlerin engagierte sich im Vorwahlkampf der Republikaner zunächst für Trumps Rivale Ted Cruz. Doch Cruz fliegt aus dem Rennen und im August 2016 nominiert Trump Conway zu seiner Wahlkampfmanagerin. Sie übernimmt den Job von Paul Manafort, der im März 2019 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt werden wird.

Kellyanne Conway - das Gesicht von Team Trump

Conway wird eines der Gesichter der Trump-Kampagne mit zahllosen, oftmals kontrovers diskutierten Fernsehaufritten. Sie ist eine der ersten, die sich überzeugt zeigen, dass Trump die Wahl gewinnen wird, lange bevor irgendeine Umfrage auch nur von einem knappen Rennen ausgeht. Dafür erntet sie Lacher, keiner hofft oder befürchtet zu dem Zeitpunkt, dass sie Recht behalten könnte.

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Doch Trump gewinnt, die Welt ist schockiert, und Conway wird die politische Beraterin des Präsidenten. Sie gehört zu seinem innersten Zirkel und verteidigt ihren Chef und dessen Politik angriffslustig gegenüber der Presse. Conway ist es, die vor den versammelten Journalisten der Vereinigten Staaten den Begriff „alternative Fakten“ prägt, der den legeren Umgang der Trump-Administration mit der Wahrheit umschreiben soll und der 2017 zum Unwort des Jahres erklärt werden wird.

George Conway - der schärfste Kritiker von Donald Trump

Und während all der Zeit ist Kellyanne mit George Conway verheiratet. 17 Jahre besteht die Ehe mittlerweile. Die beiden haben vier gemeinsame Kinder. Doch während sie zu einer immer radikaleren Unterstützerin des Präsidenten wird, entwickelt er sich zu einem der schärfsten Kritiker Trumps.

Immer wieder geht George Conway den Präsidenten nach dessen Wahlsieg auf Twitter an, und weil er der Ehemann der Top-Beraterin Trumps ist, gehen seine Tweets viral. Seine Gefolgschaft erhöht sich massiv.

Die Kritik wird härter. Bis zu dem Moment, in dem George Conway Trump auf Twitter für psychisch krank erklärt. Trump schlägt zurück. Er nennt den Ehemann seiner Top-Beraterin einmal einen totalen, ein andermal einen eiskalten „Loser“, der eifersüchtig auf seine eigene Frau und auf Trump sowieso sei. Ein „Ehemann aus der Hölle“ sei Conway zu seiner Frau.

Was sie wohl dazu sagt? Sie verteidigt ihren Präsidenten. Der habe die Attacken ihres Ehemanns monatelang ignoriert, aus Respekt. Nun habe er aber keine Wahl mehr gehabt, als sich zu verteidigen. Sie teile die Bedenken nicht, habe sich aber um ihre Kinder kümmern müssen und deshalb sowieso wohl nicht alles mitbekommen.

Fox News und CNN tratschen über die Ehe der Conways

Die eigentlich politische Auseinandersetzung wird zur Partnerberatung, und zwar in ganz Washington und im nationalen Fernsehen. Politische Kommentatoren von CNN und Fox News tratschen über die Ehe der Conways, und wer sich wann und wie falsch verhalten hat. War es George Conway, der den Chef seiner Frau niemals öffentlich so hätte angehen sollen (Fox News)? Oder war es Trump, der mit seinen Tweets wie „Ehemann aus der Hölle“ die Sache erst auf eine persönliche Ebene verlagert hat (CNN)?

Auch wenn der Streit etwas von einer Schmierkomödie hat, wie so viele Geschichten, die sich um Trump drehen (seien es Bettgeschichten mit Erotikdarstellerinnen oder Penisvergleiche mit asiatischen Diktatoren), so steht er doch symbolhaft für den Zustand, in dem sich die nicht mehr ganz so Vereinigten Staaten von Amerika seit Trumps Wahlsieg befinden.

Kellyanne und George Conway stehen nach eigenem Bekunden nicht kurz vor einer Trennung. Sie leben zusammen, „teilen sich ein Dach, aber leben in verschiedenen Bunkern“, wie Ben Terris in der Washington Post die Ehe und damit irgendwie auch die Gesamtlage des Landes beschreibt. Die Demarkationslinien der politischen Lager in den USA verlaufen mittlerweile durch Esstische und Ehebetten. Und keiner gibt klein bei, egal ob es persönlich wird oder an die eigene Familie geht. Amerika ist gespalten und die Conways sind der Beweis.

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