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Donald Trump beim Putten. Kaum einer spielt so viel Golf wie der US-Präsident. Und kaum einer betrügt dabei so viel.

Buch über Donald Trump

Trump „betrügt wie ein Buchhalter der Mafia“

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Donad Trump gewinnt sehr gerne. Ob im Wahlkampf oder auf dem Golfplatz. Dort soll der US-Präsident laut eines Buches ein notorischer Betrüger sein.

US-Präsidenten und Golf – das passt. Nicht erst, seit Donald Trump die Regierungsgeschäfte übernommen hat. Seit Jahrzehnten frönen die amerikanischen Staatsoberhäupter in aller Öffentlichkeit dem US-Volkssport. Ronald Reagan hielt sich damit fit, George Bush wurde auch nach seiner Amtszeit auf dem Golfplatz gesichtet, sein Sohn sowieso. Bill Clinton hat sogar sein eigenes Turnier, und Barack Obama gilt als leidenschaftlicher Spieler.

Donald Trump und Hurrikan „Dorian“: Laut US-Medien war es Donald Trump, der die Karte von Hurrikan „Dorian“ mit Filzstift bearbeitete.

Aber keiner spielt so viel wie Donald Trump. 177 Tage seiner bisherigen Amtszeit hat er laut CNN auf einem seiner 17 Golfplätze verbracht. Das entspricht 20 Prozent der Zeit, seit er im Weißen Haus das Sagen hat.

Rick Reilly erhebt Vorwürfe gegen Donald Trump

Doch Trump spielt nicht nur mehr Golf als seine Vorgänger, er betrügt dabei offenbar auch mehr als die meisten, nämlich wie „ein Buchhalter der Mafia“. Das zumindest behauptet Rick Reilly in seinem neuen Buch mit dem Titel „Commander in Cheat – How Golf Explains Trump“ – frei FR-übersetzt mit „Betrügender Befehlshaber – wie Golf Trump erklärt“.

Laut Reilly schummelt Trump in fast schon absurder Häufigkeit. Als er gegen Tiger Woods spielte, habe er zwei Bälle ins Wasser geschlagen und keinen der beiden Schläge gezählt – ganz zu schweigen von den zwei Strafschlägen, die er hätte ebenfalls aufschreiben müssen. Und all das, nur um dann behaupten zu können, er habe Woods, dem vielleicht besten Golfer aller Zeiten, beinahe ein Unentschieden abgerungen.

Donald Trump: Sie nennen ihn Pele

Das ist natürlich bei weitem nicht alles. Im New Yorker Golfressort „Winged Foot“ – angeblich der einzige Golfclub, in dem Trump Mitglied ist, obwohl der Club ihm nicht gehört – hätten die Caddies schon einen eigenen Spitznamen für Trump. Pele nennen sie ihn dort, nach dem Fußballstar, schreibt Reilly. Weil es Trumps Angewohnheit sei, seine eigenen Bälle vom Rough (dem nichtgemähten Gras) aufs Fairway (das kurz geschnittene Gras) zu kicken. Die Bälle der Gegner wiederum bugsiere er gerne per Fuß in die Bunker. Wenn sich das nicht anbiete, spiele er einfach statt seiner eigenen die gegnerischen Bälle.

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Auch das ist längst nicht alles. Laut Reilly erfindet Trump gerne mal Meisterschaften, nur um sich selbst zum Sieger zu erklären. Wenn er beispielsweise einen neuen Golfkurs eröffnet, würde Trump vor der offiziellen Einweihung seine eigene Runde auf dem Platz drehen und sich im Anschluss zum ersten Sieger der Clubmeisterschaft küren. Mit einer Fantasiezahl an Schlägen und ohne irgendeine Konkurrenz. Wenn er mal nicht bei einer Eröffnung dabei sein kann, würde Trump einfach nach der offiziellen Einweihung anrufen und verlangen, dass man ihn zum Clubmeister erklärt, weil er an diesem Tag auf einem anderen Kurs gespielt und dabei weniger Schläge gebraucht habe.

Am Lake Tahoe trifft Donald Trump auf Stormy Daniels

Zweifellos sei Trump ein guter Golfspieler, da ist sich auch Reilly sicher. Er hätte das nur noch nie bewiesen, wenn Kameras dabei sind und nach Regeln gespielt wird. Zehnmal wäre Trump unter prüfbaren Bedingungen angetreten, unter anderem bei einem Turnier am Lake Tahoe, bei dem er Pornodarstellerin Stormy Daniels kennenlernte. Doch bei keinem dieser zehn Auftritte habe er gut abgeschnitten. Auch Trumps Handicap, dass der Milliardär mit 2,8 angibt, sei maßlos übertrieben.

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Allzu neu sind Reillys Vorwürfe nicht. Schon zahlreiche Golfprofis und prominente Spielpartner gaben zu Protokoll, dass für Trump der Sieg offenbar wichtiger sei als der sportliche Wettkampf. Darunter die norwegische Golfspielerin Suzann Pettersen, die einer Zeitung aus ihrer Heimat verriet, dass Trumps Caddie einen Großteil der Betrugsarbeit für ihn verrichten würde.

Lindsey Graham springt Donald Trump zur Seite

Wenn die Caddies Trumps Ergebnisse nicht schönigen, dann erledigen das politische Verbündete wie Senator Lindsey Graham, der Trump unter erschwerten Bedingungen auf Twitter eine phänomenale Runde bescheinigte. Tatsächlich war er sich auf die skeptische Nachfrage von Experten hin nicht mehr ganz sicher, ob Trump 73 oder 74 Schläge benötigt hatte oder welchen Kurs genau die beiden gespielt hatten.

Überraschend sind die Vorwürfe auch nicht, nach dem Eindruck, den Trump in zwei Jahren Regierung in der Öffentlichkeit hinterlassen hat. Er gewinnt gerne und jedes Mittel scheint dafür recht. Warum sollte das beim Golfen anders sein?

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