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Ausschreitungen

Donald Trump: Sturm auf das Kapitol in Washington – Wo war die Nationalgarde?

  • Johanna Soll
    vonJohanna Soll
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Donald Trump heizt seine Anhängerschaft an und in der Folge stürmt der Mob das Kapitol in Washington. Die Sicherheitskräfte halten sich auffällig zurück. Ein Kommentar aus den USA.

  • Anhänger von Donald Trump stürmen das Kapitol in Washington.
  • Die erschreckenden Bilder aus den USA gehen um die Welt.
  • Joe Biden wirkt in einer Fernsehansprache müde und kraftlos.

Washington - Donald Trump rief an jenem Januarmittwoch seine Anhänger:innen und diese kamen – in großer Zahl. Es waren mehrere Tausend, die Geister, die er rief. Der Auftakt des „Save America March“, wie dieser Demonstrationszug betitelt wurde, begann mit einer Kundgebung Trumps vor dem Weißen Haus, die in ihrem Ablauf an das Konzert eines abgehalfterten Musikers erinnert, der zum zigsten Mal dem geneigten Publikum seine größten Hits zum Besten gibt. Bei Donald Trumps Evergreens waren auch diesmal wieder mit dabei: „Die Fake-News-Medien“, „Die linksradikalen Demokraten“, „Die gestohlene Wahl“, „Es ist eine Schande“, „Wir werden nicht aufgeben“ und viele mehr.

USA: Anhänger von Donald Trump stürmen Kapitol in Washington

Anschließend fordert Donald Trump seine Anhänger auf, zum Kapitol zu marschieren, um „unseren Republikanern den Stolz und den Mut zu geben, den sie brauchen, um sich unser Land zurückzuholen.“ Also machte sich der wütende Mob auf zum Kapitol, wo es nicht bei einer Demonstration blieb, sondern zu tumultartigen Szenen erst vor dem Gebäude und dann auch in den Hallen des Kongresses kam. Von Demonstranten zu sprechen verbietet sich bei diesem Ereignis – dies sind keine Demonstranten, sondern Randalierer. Masken tragen sie nicht zum Schutz vor dem Coronavirus, sondern nur zum Verbergen der eigenen Identität.

Trump-Anhänger stürmen das Kapitol in Washington.

Nachdem der den Sicherheitskräften zahlenmäßig überlegene Mob die Absperrung vor dem Kapitol durchbrochen hat, verschafft er sich gewaltsam Zutritt zum Regierungsgebäude. Die Kommentatoren auf CNN sind fassungslos, auch verärgert und enttäuscht darüber, was live vor ihren Augen in Amerikas Machtzentrum geschieht. Wie kann das sein? Die Welt sieht diese Bilder, wie wird sie nun über die Vorzeigedemokratie USA denken?

Ausschreitungen in den USA: Randalierer können ungehindert in das Kapitol eindringen

Was man zu diesem Zeitpunkt auf CNN nicht sieht, sind verstörende Bilder von Sicherheitskräften, die zu zeigen scheinen, wie diese eine Absperrung öffnen und die Randalierer anschließend ungehindert und ohne Abwehrversuche an ihnen vorbei auf das Kapitol drängen. Auch im Gebäude selbst, so ist auf einem anderen Video zu sehen, stehen die Sicherheitskräfte, manche sind Polizisten, manche gehören zum Wachdienst des Kapitols, zum Teil unbeteiligt neben den Eindringlingen. Ein Randalierer posiert sogar mit einem Sicherheitsmann für ein Selfie.

Bei diesen Bildern fragen sich viele, wie es dazu kommen konnte. Weshalb sind nicht viel mehr Sicherheitskräfte vor Ort, wo ist die Nationalgarde? Sollte man nicht meinen, dass der Regierungssitz der USA – zumal aufgrund der traumatischen Terrorvergangenheit am 11. September 2001 - nicht viel besser geschützt ist? Terror – und um nichts anderes handelt es sich bei diesem versuchten Putsch – scheint weniger bedrohlich zu wirken, wenn er von der eigenen Bevölkerung ausgeht. Es sei denn, es handelt sich um Black Lives Matter-Demonstranten, dann wird bereits im Voraus die Nationalgarde abkommandiert.

Stürmung des Kapitols in Washington: Trump-Anhänger mit „Make America Great Again“-Kappen

Dieser Mob aus Randalierern, „großartige Patrioten“, wie Trump sie nennt, ist dagegen überwiegend weiß, wobei es Ausnahmen gibt: Besonders auffällig ist ein Mann, dessen Gesicht mit roter, weißer und blauer Farbe bemalt ist – den amerikanischen Nationalfarben. Er trägt eine lächerliche Kostümierung, bestehend aus nacktem Oberkörper, auf dem Kopf eine Fellhaube, von der seitlich Hörner abstehen. Er hat ein Megafon umgeschnallt und in der Hand einen Speer, an dem die US-Flagge baumelt. Um ihn herum befinden sich seine Mitrandalierer, von denen einige rote „Make America Great Again“-Baseballkappen tragen.

Das sind sie also, die Menschen, die unter der Führung ihres geliebten Präsidenten Trump Amerika nach wie vor zu alter Größe verhelfen wollen. Die Donald Trump beim ersten TV-Duell mit Joe Biden, als er vom Moderator aufgefordert wurde, white supremacists an Ort und Stelle zu verurteilen, zu „stand back and stand by“ aufforderte - sie sollten sich zurück- und bereithalten. Dabei zeigen die TV-Bilder dieses Tages, der in die Geschichte des Landes eingehen wird, einen gehirngewaschenen Kult, dessen Mitglieder – einschließlich ihres Anführers – in einer geschlossenen Einrichtung sicher besser aufgehoben wären, als auf den Straßen der USA.

Donald Trump ruft, seine Fans folgen und stürmen das Kaptiol in Washington.

Gleichzeitig soll in Wilmington, Delaware, fernab der Ausschreitungen, Joe Biden den Versöhner der Nation geben, als er sich in einer kurzen Fernsehansprache an die Menschen im Land wendet. Sein Auftritt wirkt müde und kraftlos, als er sagt: „Die chaotischen Szenen um das Kapitol zeigen nicht das wahre Amerika, zeigen nicht, wer wir sind.“ Oder auch: „Wir sehen eine kleine Anzahl an gesetzlosen Extremisten.“ Ihr Verhalten grenze an Aufruhr, sei kein Protest, sondern eine Revolte. Einfach Anstand – den wolle er wieder herstellen. In Amerika gehe es um Ehre, Anstand, Respekt und Toleranz. Amerika sei so viel besser als das, was man heute sah. Aber ist das wirklich so? Trumps Anhängerschaft steht nach wie vor fest zu ihm und sie ist nicht gerade klein. Bidens Versuch, an den Anstand der Randalierer zu appellieren, wirkt mehr als hilflos.

USA: Anhänger von Donald Trump werden nicht einfach zu demokratiefreundlichen Bürgern

Die militanten Trump-Anhänger werden nicht einfach, weil man es gern hätte, einlenken und zu demokratiefreundlichen, friedlichen Bürgern werden. In ihren Augen wurde Donald Trump die Wahl „gestohlen“ und Joe Biden ist für sie demzufolge ein illegitimer Präsident. Die Frage ist also nicht, wann der Wahnsinn aufhört, sondern, wie sehr er noch eskaliert. Diese Geister befördert man nicht so schnell wieder in die Flasche zurück. (Johanna Soll)

Rubriklistenbild: © John Minchillo/dpa

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