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Sturm aufs Kapitol

Ausschreitungen im Kapitol von Washington: Chef der Capitol Police erhebt schwere Vorwürfe

  • Matthis Pechtold
    vonMatthis Pechtold
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Der Chef der Capitol Police äußert sich zu den Vorfällen in Washington und erhebt schwere Vorwürfe. 

  • Das US-Verteidigungsministerium steht nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington in der Kritik.
  • Offenbar hat die Leitung der Reservekräfte den Einsatz der Nationalgarde verhindern wollen, um unschöne Bilder von bewaffneten Streitkräften im Kapitol zu verhindern.
  • Der Befehlshaber der Nationalgarde wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Update vom Montag, 11.01.2021, 14.40 Uhr: In einem Gespräch mit der Washington Post hat sich nun der Chef der Polizei des Kapitols, Steven Sund, zu den Vorfällen in Washington geäußert. Sund berichtet davon, dass er im Vorfeld der Demonstration bei Sicherheitsverantwortlichen des Repräsentantenhauses und des Senats um Erlaubnis gebeten habe, Unterstützung durch die Nationalgarde anzufordern.

Sturm auf das Kapitol in Washington: Nationalgarde sollte zunächst nur informell benachrichtigt werden

Laut Sund, sei dem Sicherheitsverantwortlichen des Repräsentantenhauses, Paul Irving, nicht wohl bei dem Gedanken gewesen, schon vor der Demonstration formell einen Notfall zu erklären und die Nationalgarde anzufordern. Der Sicherheitsverantwortliche des Senats, Michael Stenger, habe ihm dazu geraten, die Nationalgarde lediglich informell zu kontaktieren. Irving war für die Washington Post nicht zu erreichen, Stenger wollte die Berichte gegenüber Journalisten nicht kommentieren.

Ausschreitungen in Washington: Einsatz der Nationalgarde am Kapitol wurde ausgebremst

Auch während der Demonstration habe Sund in einer Telefonkonferenz mit Verantwortlichen des Pentagons noch einmal betont, dass Unterstützung durch die Nationalgarde dringend benötigt würde. Obwohl er wiederholt darauf hingewiesen habe, wie ernst die Situation vor Ort sei, wurde seine Bitte um Unterstützung zunächst abgelehnt. Einer der Verantwortlichen habe Sund nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Teilnehmer:innen gesagt, dass ihm den Anblick von Nationalgardisten vor dem Pentagon nicht gefallen würde. Seinem Vorgesetzten könne er daher nicht die Entsendung der Nationalgarde empfehlen. Rund drei Stunden nach Sunds Telefonat mit dem Pentagon war die Nationalgarde zur Unterstützung vor Ort.

Drei Beamte der Capitol Police in Washington verschanzen sich hinter einer Balustrade.

Ausschreitungen in Wahshington: Darum konnten die Randalierer bis ins Kapitol vordringen

Erstmeldung von Freitag, 8.1.2021: Washington D.C. – Bereits unmittelbar nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington war die Irritation groß darüber, wie Protestierende so einfach in das Kapitol eindringen konnten. Auf Bildern vom Beginn des Angriffs waren nur wenige Polizisten mit Fahrradhelm sowie Kräfte der Polizeieinheit zu sehen, die dem Kapitol zugeordnet sind. Dass die Nationalgarde nicht früher einschreiten konnte, liegt einem Bericht der „Washington Post“ zufolge vor allem an den Vorgaben des Verteidigungsministeriums.

Der Einsatz der Nationalgarde vor dem Kapitol wurde lange ausgebremst.

Sturm auf Kapitol in Washington: Pentagon wollte Bilder von Soldaten im Kapitol offenbar verhindern

Das Pentagon habe im Vorfeld nur den Einsatz weniger Gardisten erlaubt, für Unruhen entsprechend ausgerüstet durften diese nicht sein. Auf Anfragen nach mehr Befugnissen habe das Verteidigungsministerium außerdem unnötig spät reagiert, so die Kritik am Donnerstag (07.01.2021), einen Tag nach den Unruhen vor und im Kapitol in Washington. Die Kapitol-Polizei habe am frühen Mittwochnachmittag 200 Gardisten beim Ministerium angefragt – das laut „Washington Post“ zunächst zögerlich reagiert hat.

Verantwortliche Mitarbeitende im Verteidigungsministerium hätten mehrmals darauf verwiesen, dass Militärangehörige im Kapitol ein sehr schlechtes Bild abgeben würden. Mit der Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, habe man sich dann zunächst darauf verständigt, dass die Gardisten außerhalb des Kapitols stationiert werden, während Einsatzkräfte der Polizei im Gebäude selbst für Ordnung sorgen sollten. Drei Stunden habe es laut Verteidigungsministerium seit dem ersten Unterstützungsgesuch gedauert, bis die Nationalgarde am Kapitol eingetroffen sei – womit einigen Randalierenden genug Zeit blieb, um bis in die Büros einzelner Senator:innen vorzudringen.

Weil Nationalgarde nicht rechtzeitig am Kapitol war: Senatoren forderten die Staatsgarde an

Der Befehlshaber der Nationalgarde, Ryan McCarthy verteidigte sein Vorgehen. Im Heeresamt habe man sich einen Sturm auf das Kapitol nicht in der „wildesten Fantasie“ ausmalen können. Personenstärke und Vorgaben zur Ausrüstung für den Einsatz der Nationalgarde unmittelbar vor und am 6. Januar habe man festgelegt auf Grundlage der Anfrage der Stadtspitze, also Bürgermeisterin Muriel Bowser. Rund 340 Gardisten habe diese vorher angefragt, sie sollten vor allem zur Verkehrskontrolle und Überwachung von U-Bahnstationen eingesetzt werden.

Schneller erfolgreich war am Mittwoch offenbar das Bemühen einzelner Senatoren, Unterstützung herbeizurufen. Der Mehrheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Steny H. Hoyer, habe telefonisch in Kontakt gestanden mit dem Gouverneur des angrenzenden Bundesstaats Maryland, Larry Hogan. Das Verteidigungsministerium habe einen Einsatzbefehl für die Nationalgarde von Maryland zunächst allerdings mehrmals verweigert. Der Leiter des Heeresamtes Ryan McCarthy habe dann doch per Anruf um einen Einsatz der Truppen „so bald wie möglich“ gebeten.

Nationalgarde in Washington: Zum Wochenende wurde aufgestockt

Auch aus Virginia kam Unterstützung: Hier aktivierte man nicht die Nationalgarde, sondern die Staatsgarde, welche dem Bundesstaat direkt unterstellt ist. Das Verteidigungsministerium soll nach Mobilisierung der Gardisten laut „Washington Post“ vor vollendete Tatsachen gestellt worden sein, habe den Einsatz im direkt dem Bund unterstehenden Territorium Washington aber noch vor Grenzübertritt der Staatsgarde autorisiert.

Mittlerweile hat der Leiter des Heeresamtes verfügt, dass bis zum Wochenende 6200 Mitglieder der Nationalgarde aus nahegelegenen Bundesstaaten in Washington stationiert wurden. Die Nationalgarde soll die Amtseinführung von Joe Biden am 20. Januar absichern. US-Präsident Donald Trump will sich das Wochenende über derweil anscheinend im Feriendomizil Camp David aufhalten. (Matthis Pechtold)

Rubriklistenbild: © John Minchillo/dpa

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