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Donald Trump Junior hofft auf Ende des „fanatischen“ #metoo-Feminismus

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Von: Nadja Austel

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„Glaubt allen Frauen... außer Amber Heard“ twittert Donald Trump Junior, nachdem das Gerichtsurteil im Falle Johnny Depp gegen Amber Heard gefallen ist.

Nachdem sich noch während des Gerichtsprozesses zwischen Hollywood-Star Johnny Depp und seiner Ex-Frau Amber Heard bereits Donald Trump Senior abschätzig über das Paar geäußert hatte, sorgt nun auch Donald Trump Junior mit einem Post auf Twitter für reichlich Diskussionen im Netz.

Er sieht im Gerichtsurteil der Jury, das zugunsten von Depp ausfiel, offenbar etwas Gutes – eine Chance, dass mit diesem Fall das „Ende der fanatischen feministischen Ansicht“ eingeläutet werde, alle Männer seien „schuldig, bis ihre Unschuld bewiesen“ sei. Der Gegenwind im Netz war entsprechend groß, denn Trump Junior stellt mit dieser Aussage die Daseinsberechtigung der gesamten #metoo-Bewegung infrage. Die #metoo-Bewegung hatte vor Jahren ihren Anfang in den USA genommen, nachdem Vorwürfe des Missbrauchs gegen den inzwischen als Sexualstraftäter verurteilten Produzenten Harvey Weinstein öffentlich geworden waren. Trump Junior scheint sie gerne abschaffen zu wollen.

Eine „fanatische“ (im Original „rabid“, deutsch: „tollwütig“) feministische Bewegung sei es also, dass Frauen (ebenso wie Männer und Diverse) weltweit auf die Häufigkeit von sexueller Gewalt aufmerksam machen und für ihre Rechte einstehen. Eine Reduzierung auf schuldig oder unschuldig nimmt Trump Junior vor, gut oder böse, im Recht oder im Unrecht. „‘Wie der Vater so der Sohn‘“, titelt dementsprechend auch das Nachrichtenportal MEA WorldWide. Die verknappte Darstellung eines komplexen Themas gemischt mit einer Spur persönlicher Beleidigung: „Sie ist einfach so schrecklich!“, so Trumps Schlusswort über Amber Heard.

Donald Trump Junior zu Depp vs. Heard: „Sie ist einfach so schrecklich“

Der anschließende Shitstorm nahm seine Worte denn auch auf allen Ebenen auseinander. Angefangen bei der falschen Rechtschreibung von „feministisch“ (wird auch im Englischen mit nur einem „m“ geschrieben), bis hin zu der Frage eines Kommentierenden, wo der Sohn des Ex-Präsidenten der USA denn die Zeit hernehme, den Prozess so genau zu verfolgen: „Du hast dir den Prozess angeschaut. Ich nicht, ich war mit anderen Dingen beschäftigt. Muss ja wenig zu tun geben bei der Firma Trump derzeit. Dein Tweet liest sich, als würde die Sache einen wunden Punkt treffen. Warum nur.“

Donald Trump Jr. hält die Hände auseinander und die Handflächen nach oben
Würde seinen berühmten Vater gerne beim Nato-Sondergipfel sehen: Donald Trump Jr. überrascht mit einem merkwürdigen Vorschlag. © CHANDAN KHANNA/afp

Er spielt damit unter anderem auf die Gerichtsprozesse an, in denen sowohl die Familie Trump als auch der Trump-Konzern derzeit stecken. Generalstaatsanwältin James geht im Zuge zivilrechtlicher Ermittlungen dem Verdacht nach, dass die Familienholding Trump Organization Finanzbetrug betrieb, um weniger Steuern oder Versicherungsbeiträge zahlen zu müssen. Im Februar ordnete ein Richter dann an, dass Trump sowie seine Tochter Ivanka Trump und sein Sohn Donald Trump junior im Zuge der Ermittlungen unter Eid aussagen müssen.

Gleichzeitig zu den Ermittlungen der Generalstaatsanwältin führt die Staatsanwaltschaft von Manhattan strafrechtliche Ermittlungen zum Geschäftsgebaren des Trump-Konzerns. In diesem Jahr soll der Prozess beginnen. Donald Trump hatte sich im Zuge der Prozesse unlängst geweigert, Steuer- und Bankunterlagen einzureichen, woraufhin New Yorks Oberster Gerichtshof am 25. April ein tägliches ein Strafgeld von 10.000 Dollar anordnete, solange er nicht kooperierte.

Rechtsstreit zwischen Depp und Heard
Hat im Verleumdungsprozess gegen seine Ex-Ehefrau Amber Heard größtenteils recht bekommen: US-Schauspieler Johnny Depp. © Steve Helber/AP Pool/dpa

Ein anderer Twitter-Kommentar wies auf die falsche Rechtschreibung hin und fügte hinzu: „Wie der Vater, so der Sohn. Wir alle wissen, weshalb es im Sinne der Familie Trump ist, Frauen nicht zuzuhören und die Wahrheit über Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe nicht ans Licht zu bringen. Das ist mehr als Frauenhass.“ Ebenso wie der letzte Kommentar bringt auch dieser den trump‘schen Umgang mit Frauen ins Gespräch.

Depp vs. Heard: Trump Junior hofft auf #metoo-Ende

Denn auch Donald Trump Senior war in der Vergangenheit immer wieder sexueller Übergriffe bezichtigt worden. Bereits 2019 belief sich die Zahl der Frauen, die Ex-Präsident Trump sexuelle Übergriffe vorwarfen, auf 65. In diesem Zuge wurde ein Buch veröffentlicht, in dem die Erfahrungen einiger mutmaßlich betroffener Frauen öffentlich gemacht wurden. Auch die mittlerweile zu trauriger Berühmtheit gekommene Audioaufnahme kam zur Sprache, auf der Donald Trump Senior zu hören ist, mit den Worten: „Pack‘ sie [Frauen] an der F***.“

Noch während das Gerichtsverfahren lief, hatten viele Zuschauer:innen bereits entschieden, dass Depp das wahre Opfer in der Beziehung gewesen sein muss. „Ich möchte ihn umarmen und ihm sagen, dass alles gut wird“, heißt es auf TikTok. Depp ging denn auch am Mittwoch (1. Juni) als Sieger aus dem Verleumdungsprozess hervor. Aber er ist auch Verlierer in einer zur Schau getragenen Schlammschlacht. Sein problematischer Umgang mit Alkohol und anderen Drogen wie etwa Kokain, seine zutiefst beleidigenden Nachrichten an seine Ex-Frau, sowie zahlreiche Audio-, Video- und Fotoaufnahmen, die innerhalb des Prozesses als Beweismaterial veröffentlicht wurden, sind für immer im Internet dokumentiert.

Kurz nach der Urteilsverlesung drückte Heard auf Twitter ihre tiefe Enttäuschung aus. Dass die Jury ihr trotz eines „Bergs an Beweisen“ größtenteils nicht geglaubt habe, breche ihr Herz. Schlimmer noch, dies sei ein „Rückschritt“ für andere Frauen in ähnlicher Situation, schrieb Heard. Für Johnny Depp dagegen habe nun endlich ein neues Kapitel begonnen, schrieb dieser am Mittwoch via Instagram. Die Jury habe ihm sein Leben zurückgegeben, nachdem er sechs Jahre unter falschen Anschuldigungen zu leiden hatte. (na)

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