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Donald Trump Jr. gestikuliert auf der Bühne.
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Donald Trump Jr. hat auf eine Falschmeldung auf Fox News über Joe Bidens Pläne zur Eingrenzung des Klimawandels entsetzt reagiert.

„Fleischkrieg“

Nicht nur Donald Trump Jr.: Industrie redet Einfluss von Fleisch auf Klimawandel klein

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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Donald Trump junior beschwert sich über eine Falschmeldung, nach der Joe Biden den Fleischkonsum in den USA einschränken will. Forscherin warnt vor „Fleischkrieg“.

Washington D.C. – Auf den ersten Blick ist es lustig, dass viele Republikaner:innen und Konservative in den USA auf eine Falschmeldung des Senders Fox News hereinfielen. Der Sender hatte über die Pläne des aktuellen US-Präsidenten Joe Biden berichtet, den Klimawandel zu begrenzen. In seinem Bericht legte der Sender nahe, Biden wolle den Fleischkonsum der Amerikaner:innen auf durchschnittlich vier Pfund im Jahr reduzieren.

Diese Falschmeldung hat der Sender inzwischen berichtigt. In der Zwischenzeit haben sich allerdings zahlreiche Republikaner:innen darüber aufgeregt, darunter auch der Sohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, Donald Trump junior. Auf Twitter schrieb er: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich gestern vier Pfund [ca. 1,8 Kilogramm] rotes Fleisch gegessen habe.“ Auch der ehemalige Chef des National Economic Council unter Donald Trump, Larry Kudlow, stimmte mit ein und regte sich darüber auf, dass man nun am Nationalfeiertag der USA „pflanzliches Bier“ trinken müsse.

Nicht nur Trump junior: Republikaner wollen Einfluss von Fleisch auf Klimawandel kleinreden

Natürlich war danach die Häme auf Twitter groß, doch dahinter steckt eine Strategie: Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Republikanische Partei diese Taktik verfolgt. Als die demokratische Kongress-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez im Jahr 2019 nach der Vorstellung des Green New Deal sagte, dass man „vielleicht nicht einen Hamburger zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen“ essen solle, reagierten republikanische Politiker:innen ähnlich.

Einem Bericht von Vice zufolge aß etwa der Republikaner Robert Bishop, der damals für den Bundesstaat Utah im Kongress saß, bei einer Pressekonferenz demonstrativ einen Hamburger. „Bevor sie ihn mir wegnehmen ...“, sagte er, bevor er in den Burger biss.

Klimawandel: Menschen in den USA werden Fleischkonsum reduzieren müssen

Global gesehen verursacht die Herstellung von Lebensmitteln inklusive der dafür nötigen Landnutzung, der Verarbeitung und des Transports rund ein Viertel der Treibhausgasemissionen. Die Tierhaltung macht wiederum ungefähr ein Drittel dieser Emissionen aus. Besonders klimaschädlich ist dabei die Produktion von Rindfleisch und Milchprodukten. Denn in Rindermägen entsteht Methan, das 25-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid.

Auch wenn Joe Biden also bisher nicht, wie von Fox News behauptet, angekündigt hat, den Fleischkonsum der Amerikaner:innen einschränken zu wollen, wird das wohl oder übel irgendwann geschehen müssen, wenn der Klimawandel begrenzt werden soll.

Und es sind nicht nur Politiker:innen, die damit versuchen, die Folgen von Fleisch für den Klimawandel kleinzureden. Einer Studie in der Fachzeitschrift Climatic Change zufolge haben sechs große Konzerne aus der Fleisch- und Molkerei-Industrie haben in den letzten 20 Jahren insgesamt 200 Millionen Dollar dafür ausgegeben, um Klimaschutzgesetze zu blockieren. Die Forschenden der New York University hatten für ihre Studie unter anderem den Einfluss der zehn größten Fleisch- und Milchkonzerne in den USA untersucht.

Nicht nur Trump junior: Auch Fleischkonzerne wollen Einfluss von Fleisch auf Klimawandel kleinreden

„Die größten Fleisch- und Molkereiunternehmen in den USA haben viel Zeit, Geld und Mühe darauf verwendet, den Zusammenhang zwischen Tierhaltung und Klimawandel herunterzuspielen und die Klimapolitik im Allgemeinen zu bekämpfen“, sagte Oliver Lazarus, Mitautor der Studie, einer Mitteilung zufolge. „Ihren Einfluss in diesem Bereich zu dokumentieren, ist entscheidend für das Verständnis des Versagens der US-Regierung, den Klimawandel angemessen anzugehen.“

Jennifer Jacquet, Professorin an der New York University und ebenfalls Mitautorin der Studie, verglich gegenüber der amerikanischen Klimajournalistin Emily Atkin die Aktivitäten der Fleisch- und Milchindustrie mit denen der Kohleindustrie. „Wir sehen, dass die Rindfleischindustrie die gleichen Strategien einsetzt wie die Kohleindustrie, denn die Zeichen sind klar: Es wird sehr schwer sein, diese beiden Industrien in ihrem derzeitigen Zustand zu erhalten, wenn wir die Klimakrise effektiv angehen wollen.“

Joe Biden

Alle Informationen zum 46. US-Präsidenten finden Sie auf der Themenseite Biden-News.

Forscherin: „Fleischkrieg“ könnte schwieriger weren als von Trump behaupteter „Kohlekrieg“

Jacquet bezeichnet die scharfe politische Diskussion um den Fleischkonsum in den USA als „Fleischkrieg“. Damit spielt sie auf einen von Donald Trump geprägten Begriff an. Der ehemalige US-Präsident hatte oft behauptet, sein Vorgänger Barack Obama habe einen „Krieg gegen die Kohle“ geführt.

Der Fleischkrieg könne noch hässlicher werden als der um fossile Brennstoffe, weil es um private Konsumentscheidungen gehe, sagt Jacquet. „Ich denke, die Fleischkriege werden schlimmer sein als beim Thema Energie“, sagte sie. „Das ist eine Frage, die sich die Menschen dreimal am Tag stellen. Es kann sich nicht hinter den Kulissen abspielen.“ (Friederike Meier)

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