Von Angela Merkel bis Rihanna

US-Wahl 2020: Donald Trump ist abgewählt - das sind die Reaktionen

  • vonMirko Schmid
    schließen

Joe Biden hat die US-Wahl gewonnen. Donald Trump ist abgewählt. Weltweit reagieren Medien, Politiker, Prominente und Nutzer der sozialen Medien. Eine Übersicht.

  • Joe Biden* hat die US-Wahl 2020 gewonnen, Donald Trump* ist abgewählt. Medien, Politiker und Prominente äußern sich.
  • In europäischen Medien wird der Sieg von Joe Biden zumeist als positiv für die USA* bewertet.
  • Alle Neuigkeiten und Hintergrundinformationen zu den Präsidentschaftswahlen in den USA: News zur Wahl 2020*

Frankfurt - Einen Tag nach der Bekanntgabe des Wahlsieges von Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl 2020* in den USA reagieren Medien und Menschen überall auf der Welt. Während in den meisten Fällen nach vier Jahren Donald Trump* durchgeatmet und der Freude auf ein Ende der Episode Trump Ausdruck verliehen wird, gibt es auch nachdenkliche und wütende Stimmen.

Das Kapitel Donald Trump ist bald Geschichte - weltweit fallen die Reaktionen zumeist erfreut und erleichtert aus.

„New York Times“: „Das Kapitel Donald Trump - schmutzig, erschreckend, erniedrigend, tragisch - ist fast vorbei.“

Michelle Goldberg, Kolumnistin der „New York Times“ schreibt, dass selbst ein weiterhin republikanisch geführter Senat nicht „von der monumentalen Errungenschaft ablenken“ könne, dass Trumps „bösartige Präsidentschaft“ beendet sei. Das nächste Kapitel der amerikanischen Politik, werde nicht einfach sein, so Goldberg. „Aber das Kapitel Donald Trump - schmutzig, erschreckend, erniedrigend, tragisch - ist fast vorbei.“ „Die Redaktion“, eine Gruppe weiterer „New York Times“-Journalisten, schreibt, dass das amerikanische Volk in den Abgrund des autokratischen Nationalismus geschaut, sich aber entschieden habe, vom Rand des Abgrunds zurückzutreten: „Der vierjährige Angriff von Präsident Trump auf unsere demokratischen Institutionen und Werte wird bald enden.“

„Zum Glück“, so die „New York Times“, habe Joe Biden versprochen, ein Präsident für alle Amerikaner:innen zu sein - „eine willkommene Abkehr von einem Präsidenten, der seine Amtszeit damit verbracht hat, die Wählerschaft in wahrgenommene Fans und Feinde aufzuteilen.“ Trump hinterlasse eine USA, die „schwächer, gemeiner, ärmer, kranker und gespaltener als vor vier Jahren“ sei. Für die kommende Woche erwarten die Autoren „unerwartete Schritte und gefährliche Desinformationen“ von Donald Trump, also lohne es sich, „diesen Moment zu nutzen, um ein Glas zu heben und aufatmen zu können.“ Weder werde der Trumpismus „auf magische Weise verschwinden“, noch würden die Schäden, die Trump im Bestreben „die demokratischen Grundlagen der Nation“ zu „untergraben“ sofort heilen.

„Washington Post“: Trumps Partei hat sich ihm „wie ein schimmliger Teppich“ zu Füßen gelegt

Kolumnist Matt Bai schreibt in der „Washington Post“, dass wenn das Ergebnis der Präsidentschaftswahl keine „kategorische Ablehnung“ des Systems Trump gewesen sei, dann doch zumindest eine nachdrückliche. „Nach all den Lügen und der Misswirtschaft, nach der Umwandlung der Republikanischen Partei in ein familiengeführtes Syndikat“, sei es erstaunlich zu sehen, dass rund 70 Millionen Menschen ihre Stimmen für Donald Trump abgegeben haben. Diese Zahl entspräche in etwa dem Ergebnis, das Barack Obama 2008 einfahren konnte. Dennoch müsse ein Präsident doch „ziemlich hart daran arbeiten“, um seine Wiederwahlkampagne zu verlieren, erst recht so deutlich. Trump habe dabei die „totale Kontrolle“ über seine Partei gehabt, die sich ihm „wie ein schimmliger Teppich“ zu Füßen gelegt habe.

Das „Editorial Board“ der „Washington Post“ schreibt, dass die Wahl nicht zu der heftigen Klatsche für Donald Trump wurde, die „er verdient“ gehabt hätte. Dennoch sei die Niederlage des Noch-Amtsinhabers gegen Joe Biden ein „Beweis für die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Demokratie.“ In anderen Ländern sei es gelungen, das „Mobber“ wie Trump zu starken Männern wurden, indem sie „Sicherheit vor bösartigen äußeren Einflüssen“ versprachen, „kulturelle Eliten dämonisierten und genug Verwirrung und Apathie säten, dass die Menschen dem Abgleiten in den Illiberalismus nicht widerstehen konnten. Mr. Trump versuchte all diese Taktiken. Aber die Amerikaner widersetzten sich. Sie taten dies auf überwältigende, aber geordnete Weise an der Wahlurne“.

„Standard“: Joe Biden steht für die „Rückkehr zur alten Ordnung“

Frank Herrmann schreibt für die österreichische Zeitung „Standard“, dass Donald Trump jetzt die Größe zeigen könne, Joe Biden zum Wahlsieg zu gratulieren. Biden stehe für Kompromiss und Regierungserfahrung: „Wenn man so will, steht er für die Rückkehr zur alten Ordnung, nicht für den Aufbruch zu neuen Ufern.“ Eines könne man „wohl mit Gewissheit sagen“, schreibt Herrmann: Es sei ein Referendum über Trump, keine Abstimmung über Biden gewesen, Trump abzuwählen dürfte für viele, die gegen ihn votieren, das Hauptmotiv gewesen sein. Deshalb sei Trump der erste Präsident seit 1992, „dem nur vier Jahren im Oval Office vergönnt waren“.

In der britischen Zeitung „The Guardian“ schreibt Andrew Rawnsley, die Niederlage von Donald Trump gegen Joe Biden sei „wunderbar für die Welt“ und bedeute „Ärger für Boris Johnson“. Die Welt sei fasziniert vom „überzeugenden Theater der amerikanischen Demokratie - und nirgendwo mehr als hier in Großbritannien“. Die wichtigste Konsequenz des Wahlsieges von Joe Biden sei es, dass sie „die Vertreibung von Donald Trump meint“. Ministerpräsident Johnson müsste jetzt zeigen, dass er kein „Mini-Trump“ sei. Er müsse nun vermeiden, wie „der Verkäufer eines ideologischen Stils“ auszusehen, der auf seinem größten Markt abgelehnt wurde. Herr Trump wird nicht länger das berühmteste Beispiel dafür sein, was einige für einen unwiderstehlichen globalen Trend des nationalistischen Populismus hielten“, analysiert Rawnsley.

Deutsche Politiker:innen freuen sich mit Joe Biden - AfD steht weiter hinter Donald Trump

In den sozialen Medien äußern sich viele deutsche Politiker hoch erfreut über den Wechsel an der Führungsspitze der USA. Heiko Maas möchte im Umgang mit Akteuren wie China, beim Klimaschutz und beim Kampf gegen die Corona-Pandemie eng mit der Regierung von Joe Biden zusammenarbeiten, schreibt der deutsche Außenminister auf Twitter. Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock twittert mit Verweis auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl nur einen Satz: „Was für eine befreiende Nachricht!“ Ihr Parteikollege und Amtsvorgänger Cem Özdemir twittert „Welcome back, USA!“ - er könne gar nicht sagen, wie viele Steine ihm vom Herzen fallen. Heute sei ein Grund zum Feiern. „Punkt.“ Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, gibt sich auf Twitter „unglaublich erleichtert, dass Donald Trump die Wahl nicht gewonnen hat“. Das knappe Ergebnis aber zeige, dass die Wahl vor vier Jahren kein „Ausrutscher“, sondern „Ausdruck eines sich verfestigten rechtspopulistischen Blocks“ sei. Kanzlerin Angela Merkel hatte wie viele anderen europäischen Staats- und Regierungschefs, Joe Biden bereits am Vormittag gratuliert*.

Auffällig leise dagegen bleibt es aus Reihen der AfD. Die deutschen Rechtspopulisten veröffentlichten ein gemeinsames Statement der Fraktionsvorsitzenden Weidel und Gauland, in dem diese auf eine Gratulation verzichten. Statt dessen wünschen sie Joe Biden „alles Gute für die vor ihm liegenden Aufgaben“ und zeigen sich „zuversichtlich, dass mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Auszählungen schnell auf rechtsstaatlichem Wege geklärt“ würden, womit sie in das Narrativ der US-Republikaner einstimmen. Johannes Huber, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Petitionsausschusses des Bundestags, twitterte schlicht: „Biden ist nicht mein Präsident.“

Von LeBron James bis Rihanna - Prominente freuen sich mit Joe Biden

Basketball-Star LeBron James twitterte ein Video in dem er an einer Siegerzigarre zieht. Überschrieben ist das Video mit „mehr als eine Wahl“. James gilt als der entschiedenste Kritiker von Donald Trump in der US-amerikanischen Sportwelt - neben Megan Rapinoe. Die Kapitänin der Fußball-Weltmeisterinnen aus den USA betonte auf Twitter die historische Bedeutung der Wahl von Kamala Harris* zur Vizepräsidentin für Schwarze und Südasiatische Frauen weltweit und kündigte an, das Weiße Haus gar nicht schnell genug besuchen zu wollen. Ein Seitenhieb auf Donald Trump, unter dem sie es abgelehnt hatte, den Regierungssitz zu Ehren der gewonnen Weltmeisterschaft zu besuchen.

Auch Popstar Rihanna twitterte ihre Glückwünsche an Joe Biden und Kamala Harris. Über einem Bild der beiden schrieb sie: „Das sind die Gesichter von Geschichtsschreibern, Grenzgängern und GEWINNERN!“ Es gebe so viel Arbeit zu tun, so viel Schmerz rückgängig zu machen. Ihr Schlusssatz: „Ich bin so stolz auf dich, Amerika!“ Die Oscar-nominierte Regisseurin Ava Duvernay („Selma“) twitterte ein Video, das Donald Trump mit seinem wohl bekanntesten Ausruf aus dessen TV-Karriere zeigt. Trump ruft: „Du bist gefeuert“. Die wohl stärkste Reaktion auf den Wahlsieg von Joe Biden und die Niederlage von Donald Trump zeigte aber wohl Van Jones*. Der CNN-Experte, Bürgerrechtler und Umwelt-Experte der Obama-Regierung weinte live vor laufender Kamera, als das Wahlergebnis verkündet wurde. Es sei nun leichter, ein Vater in den USA zu sein und seinen Söhnen erklären zu können, dass Charakter zähle und es zähle, ein guter Mensch zu sein. (Mirko Schmid) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Drew Angerer/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare