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Der US-Präsident gefährdet Arbeitsplätze und Finanzwirtschaft, fürchten große Konzerne.

„America First!“

Donald Trump, der Jobkiller

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Die IT-Branche in den USA fürchtet wegen Trumps Maxime „America First!“ um ihre Zukunft. Indien steht schon bereit, komplette Industrien zu übernehmen.

Nach dem präsidentiellen Einreiseverbot für Menschen aus sieben islamischen Ländern wächst die Verärgerung der US-Hightechkonzerne über Donald Trump. Und die Lage könnte noch weiter eskalieren, denn die Regierung plant noch weitere Beschränkungen. Wir erläutern, warum Trumps Pläne kontraproduktiv sind.

Wie haben die Konzerne regiert?
Twitter-Chef Jack Dorsey twittert, die wirtschaftlichen Folgen seien real und bestürzend. Google-Chef Sundar Pichai schreibt, es sei schmerzhaft, die persönlichen Konsequenzen für Beschäftigte des Unternehmens zu sehen. Google versuchte am Wochenende so viele Beschäftigte wie möglich und so schnell wie möglich noch in die USA zu holen. Gleichwohl konnten etwa 100 Frauen und Männer nicht an ihren Arbeitsplatz in den Vereinigten Staaten zurückkehren. Laut Travis Kalanick, Chef des Fahrdienstes Uber, könnten neben einem Dutzend seiner Mitarbeiter Tausende Fahrer nicht zurück. Elon Musk, Chef des Elektroautobauers Tesla, betonte, Trump Einreiseverbot sei nicht der richtige Weg, um die Probleme Amerikas zu bewältigen.

Wie könnte die weitere Entwicklung aussehen?
Ein Google-Sprecher sagte, man sei besorgt, denn der Präsident baue mit seiner Immigrationspolitik Barrieren auf, die verhinderten, dass große Talente in die USA kommen könnten. Microsoft teilte mit, die Restriktionen schränkten die Möglichkeiten des Unternehmens ein, qualifiziertes Personal für seine Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zu finden. Hinter diesen Aussagen stehen die Befürchtungen, dass Trump weitere Einreisebeschränkungen plant.

Hat Trump da konkrete Pläne?
Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, ihr liege ein Entwurf für ein Dekret vor, das Arbeitsvisa für IT-Spezialisten massiv zurückfahren will. In dem Papier stehe, die Einwanderungspolitik müsse zuallererst den nationalen Interessen der USA dienen. Deshalb müssten Unternehmen künftig versuchen, freie Stellen erst mit Amerikanern zu besetzen. Ausnahmen soll es im Prinzip nur bei hochspezialisierten Jobs geben, die nicht mit heimischen Arbeitskräften besetzt werden können.

Wie wichtig sind ausländische Spezialisten für US-Firmen?
Für die gesamte Branche von Apple bis Amazon gilt: Ein wichtiger Faktor ihres Erfolges war, dass sie in den vergangenen Jahren praktisch weltweit die besten IT-Leute rekrutieren konnte. Google-Chef Pichai und Microsoft-Boss Satya Nadella etwa stammen aus Indien. Indische Fachkräfte dürfte es auch treffen, wenn die geplante Ausweitung der Einreisebeschränkungen greift.

Welche Rolle spielen indische IT-Firmen in den Staaten?
Eine bedeutende. Unternehmen vom Subkontinent wie Tata Consultancy, Infosys oder Wipro sind als vor allem als Berater und Dienstleister in den USA aktiv. Sie übernehmen die IT-Abteilungen von großen Unternehmen und betreiben diese in Eigenregie für das jeweiligen Unternehmen weiter. Dafür holen die Outsourcer Experten aus Indien, die nach Untersuchungen des Ökonomen Ron Hira im Schnitt zwar weniger verdienen als ihre US-Kollegen, andererseits aber vielfach auch Aufgaben erfüllen, für die es auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt nicht genügend Fachkräfte gibt.

Was würde passieren, wenn die indischen Experten nicht mehr ins Land kommen dürfen?
Auf kurze Sicht ist denkbar, dass dann Outsourcing-Deals schlicht und einfach nicht getätigt werden können und US-Unternehmen auf hohen IT-Kosten sitzen bleiben, weil es nicht genug Spezialisten im Land gibt. Auf mittlere Sicht könnten IT-Dienstleistungen generell teurer werden, weil die Outsourcer teurere US-Experten anheuern müssen, was wiederum die Gewinne amerikanischer Firmen drücken dürfte, für die die Dienstleistungen erbracht werden.

Sind Jobs in der IT-Branche in den USA gefährdet?
Das könnte die langfristige Folge sein. Indische Technologieunternehmen argumentieren immer wieder, dass mit der derzeitigen Praxis Arbeitsplätze in den USA gehalten werden. Bei Einreisebeschränkungen und/oder höheren Kosten der Outsourcer könnten Tätigkeiten in andere Länder verlagert werden. Dies ist besonders in der Hightechbranche naheliegend. So kann die Entwicklung von spezieller Software für Unternehmen problemlos nach Indien transferiert werden. Schon seit Jahren wird auch die Finanzverwaltung von Firmen in westlichen Industriestaaten im weit entfernten Indien problemlos erledigt. Selbst die Fertigung in Fabriken kann mittlerweile dank ultraschneller Datenleitungen aus Tausenden Kilometern Distanz überwacht werden. Die anstehenden technologischen Fortschritte mit Cloud Computing und künstlicher Intelligenz können diese Entwicklungen noch verstärken.

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