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Außer dem 30 Kilogramm schweren protzigen Trump-Pokal beim Sumo-Turnier schenkte der US-Präsident seinen Gastgebern nichts.

Trump in Japan

Trumps bizarre Japan-Reise sorgt für Irritationen

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Trumps Lob für Diktator Kim Jong-Un verstört Gastgeber Japan.

An Schmeicheleien mangelte es nicht. „Unsere Verbindung ist felsenfest. Unsere Beziehungen sind die engsten in der Welt“, schwärmte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. Für Donald Trump ließ er den 634 Meter hohen Tokioter Fernsehturm in den Stars and Stripes erstrahlen, posierte beim gemeinsamen Golfspiel für Selfies, organisierte den Besuch eines Sumo-Turniers und setzte Kartoffeln und Steak statt rohem Fisch auf die Speisekarte des Staatsbanketts. Der Gast genoss die Ehrerbietung. Aber inhaltlich bot der viertägige Japan-Besuch des US-Präsidenten allenfalls Magerkost.

„Während seiner Reise wirkte Trump wie jemand, der niemals ganz bei der Sache war“, notierte New-York-Times-Korrespondentin Annie Karni, die den Präsidenten begleitete. Tatsächlich konnte man beim Verfolgen von Trumps Tweets und auch seiner Pressekonferenz komplett vergessen, dass er sich in Tokio aufhielt. Trump polterte gegen die Mueller-Untersuchung. Er mischte sich zugunsten seines Freundes Benjamin Netanjahu in die inner-israelische Koalitionskrise ein. Und er unterstützte eine Attacke des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-Un auf den Präsidentschaftsbewerber Joe Biden.

Trump droht erneut mit Autozöllen

Das alles war schon reichlich bizarr und irritierte selbst einige Republikaner daheim. „Es ist das Memorial-Day-Wochenende, und er greift Biden an, während er einen Diktator preist. Das ist einfach komplett falsch“, twitterte Adam Kinzinger, ein Kriegsveteran und Kongressabgeordneter.

Zugleich aber nahm Trump mit seiner Ego-Show wenig Rücksicht auf das Programm und die Anliegen der japanischen Gastgeber. Die besorgen vor allem die Spannungen im Handel und die heikle Lage in Nordkorea. Doch außer dem 30 Kilogramm schweren protzigen Trump-Pokal beim Sumo-Turnier schenkte der US-Präsident seinen Gastgebern nichts. Er drohte erneut mit Autozöllen und spielte Pjöngjangs Gefahr nonchalant herunter. Bei der Pressekonferenz mit Shinzo Abe trat der Dissens offen zutage. Ob er nicht beunruhigt über die jüngsten Raketentests Nordkoreas sei, wurde Trump gefragt.

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Der US-Präsident antwortete: „Nein. Mich persönlich besorgt das nicht.“ Schließlich habe Kim („ein kluger Mann“) erklärt, dass Joe Biden einen geringen Intelligenzquotienten habe: „Darin stimme ich mit ihm überein.“ Zuvor schon hatte Trump getwittert: „Chairman Kim wird sein Versprechen halten.“ Dass sich der Nordkoreaner angeblich über Biden lustig machte, wertete er als „eine Botschaft an mich“.

Der japanische Regierungschef ging höflich, aber bestimmt auf Distanz. „Wir sind ein Nachbar von Nordkorea. Deshalb sind wir am meisten bedroht.“ Er habe volles Vertrauen zu Trump und unterstütze ihn. Allerdings besitze Nordkorea weiter Atomwaffen. Der Abschuss der Raketen am 9. Mai verstoße gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrats und löse in der Region „große Besorgnis“ aus.

Trump posiert in seiner Lieblingsrolle als Dealmaker

Trump hingegen posierte in seiner Lieblingsrolle als Dealmaker. Seine Beziehungen zu Kim seien vorzüglich, und man werde ein Abkommen hinbekommen. In dieser Laune zeigte er sich dann auch bemerkenswert versöhnlich gegenüber dem Iran. „Wir erwarten keinen Regimewechsel, das möchte ich klarmachen“, sagte Trump. Er strebe einen Deal an. An dieser Stelle immerhin konnte Shinzo Abe einhaken. „Frieden und Stabilität im Nahen Osten sind sehr wichtig für Japan und die Vereinigten Staaten“, sagte er. Er wolle alles tun, um das zu bewahren. Aus Teheran hieß es später, Shinzo Abe wolle im Juni mit Präsident Hassan Ruhani zusammentreffen. Das immerhin könnte am Ende doch noch ein positiver Effekt von Trumps Trip nach Tokio sein.

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