4. Juli in den USA

Donald Trump erklärt am Independence Day die Presse zum Feind des Volkes

  • Daniel Dillmann
    vonDaniel Dillmann
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  • Nico Scheck
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Beim zweiten Teil der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag ergänzt Donald Trump sein Feindbild. Zu „Anarchisten, Marxisten und Plünderern“ sieht er nun die Medien als Feinde des Volkes.

  • Nach der Feier des Independence Day am Mount Rushmore in South Dakota geht es für Donald Trump* in Washington weiter
  • Trotz Corona*-Krise in den USA gilt bei der Veranstaltung am Independence Day keine Maskenpflicht
  • Für die Feierlichkeiten in Washington am 4. Juli sollen 10.000 Feuerwerkskörper gezündet werden

Update vom Sonntag, 05.07.2020, 7:20 Uhr: Nach den Feierlichkeiten am Mount Rushmore in South Dakota hat Donald Trump den Independence Day ein zweites Mal in Washington DC gefeiert. Der US-Präsident wiederholte seine Attacken auf die Demonstranten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Erneut erklärte er Demonstranten zu „Marxisten, Anarchisten und Plünderer“, die man „sehr bald besiegen“ werde.

Donald Trump am Independence Day: Angriffe auf die freie Presse

Doch in Washington DC ergänzte Donald Trump sein Feinbdild um die freie Presse der USA. „Lassen Sie mich auch ein paar Worte an die Leute in den Medien richten“, begann Trump seinen Angriff. Sie würden „ihre Gegner immer wieder und falsch als Rassisten bezeichnen“ und „patriotische Bürger, die die amerikanische Einheit verteidigen, verurteilen“. „Wir wollen Einheit“, sagte Trump.

Im nächsten Atemzug setzte Donald Trump Kritik an seiner Person gleich mit Kritik am amerikanischen Volk und dessen Helden der Vergangenheit: „Wenn sie mich verleumden, verleumden sie auch das amerikanische Volk und seine Helden, die ihr Leben für Amerika gegeben haben. Sie verleumden Leute, die viel mutiger als Sie selbst sind“, sagte Trump.

Independence Day in der Corona-Krise: Donald Trump und das Publikum - keine Maske weit und breit

Der US-Präsident warnte die freie Presse mit bedenklichen Worten. Man werde nicht zulassen, dass sie „Patrioten entehren“ würden. „Je mehr Ihr lügt, je mehr ihr verleumdet, desto härter werden wir an der Wahrheit arbeiten. Und wir werden gewinnen“, sagte Trump unter dem Applaus der anwesenden Personen.

Trotz der Corona-Krise trugen bei den Feierlichkeiten in Washington DC weder Donald Trump, noch seine Ehefrau, First Lady Melania Trump*, und auch nicht der Großteil der Zuschauerinnen und Zuschauer eine Maske. Von Abstandsregeln war ebensowenig zu sehen. In seiner Rede machte Trump erneut China für den Virus verantwortlich und lobte die Arbeit seiner Regierung bei der Eindämmung der Pandemie.

Damit ist klar: US-Präsident Donald Trump nutzt den 04. Juli, um den tiefen Riss in der amerikanischen Gesellschaft noch zu vertiefen. Ein Kommentar zu Donald Trump und dem Independence Day*.

Donald Trump lässt es am Independence Day krachen

Erstmeldung vom 04. Juli

Washington - Die täglichen Corona-Infektionen in den USA auf dem Höchststand, selbst Tochter Ivanka Trump schlägt bei Twitter Alarm und mahnt zur Schutzmaske und doch: US-Präsident Donald Trump scheint das herzlich wenig zu interessieren. Das zeigte sich schon am Fuße des Mount Rushmore, als Trump anlässlich des Nationalfeiertags die Gunst der Stunde nutzte, um erneut Stimmung gegen die landesweiten Anti-Rassismus-Proteste zu machen.

Eine „gnadenlose Kampagne zur Auslöschung der amerikanischen Geschichte“ sei im Gange, sagte Trump bei seiner ersten Ansprache im Rahmen der Feierlichkeiten zum Independence Day, dem Unabhängigkeitstag der USA. Der linke Flügel des politischen Spektrums wolle eine „Welle von Gewaltverbrechen“ auslösen, „wütende Mobs“ versuchten, Statuen der Gründerväter der USA zu Fall zu bringen und das, betonte Trump, werde das „starke und stolze“ amerikanische Volk nicht erlauben.

Independence Day in den USA: Donald Trump ignoriert Corona-Krise

Und die Corona-Krise im eigenen Land? Trump dankte kurz und bündig all jenen, die „unermüdlich daran arbeiten, das Virus zu töten“ - das war's dann aber auch. Ironischer-, ja eigentlich tragischerweise hatte kurz vor Donald und Melania Trumps Ankunft am Mount Rushmore die Johns-Hopkins-Universität einen neuen Höchststand der täglichen Corona-Neuinfektionen in den USA vermeldet. Demnach wurden binnen 24 Stunden mehr als 57.000 neue Corona-Infektionen registriert. Damit wurden insgesamt bereits 2,79 Millionen Ansteckungen in den USA nachgewiesen. Die Zahl der Corona-Toten stieg auf knapp 130.000 Fälle.

Am Freitag wurde bekannt, dass auch die Freundin von Trumps ältestem Sohn, Donald Trump Jr., positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Die frühere Journalistin Kimberly Guilfoyle ist die dritte Person mit engem Kontakt zum Präsidenten, die erkrankt ist. Trump selbst trägt trotzdem keine Schutzmaske und freut sich stattdessen auf den Independence Day samt Ansprache, Party und Feuerwerk. The show must go on.

10.000 Feuerwerkskörper am Independence Day in den USA für Donald Trump

Und die Show geht weiter. Trump wird im Weißen Haus in Washington eine Ansprache zum Independence Day halten. Im Anschluss folgen Feierlichkeiten auf der National Mall - einer Promenade zwischen dem Parlamentsgebäude und dem Lincoln Memorial. Das Highlight folgt mit dem Feuerwerk am Abend. 10.000 Feuerwerkskörper sollen laut „New York Times“ von der National Mall abgefeuert werden. Wie „TMZ“ berichtet, hat das Feuerwerk am Mount Rushmore schon knapp 600.000 Dollar verschlungen - ganz zu schweigen von den Kosten für die Militärflugzeuge und -hubschrauber.

Wie schon beim Autritt im Bundesstaat South Dakota sind auch in Washington viele Menschen bei den Feierlichkeiten und wenige Schutzmaßnahmen gegen Corona zu erwarten. Während viele Bundesstaaten ihre Veranstaltungen abgesagt und Strände gesperrt haben, stößt Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser mit ihrer Klage, die Feier auf der Mall stehe im Widerspruch zu den Richtlinien der Gesundheitsexperten, bei Trump auf taube Ohren.

Umso ärgerlicher für Muriel, dass die Promenade Bundesgebiet ist und daher der Zentralregierung obliegt. Dennoch werden auch am Tag nach dem polarisierenden Auftritt Trumps am Mount Rushmore bundesweit Proteste erwartet. Trump scheint das egal zu sein. The show must go on. (Von Nico Scheck) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Die USA stecken in einer tiefen Krise. Und Trumps Umfragewerte sind im Keller. Aus dem Nichts hat Donald Trump nun einen Cyberangriff gegen Russland zugegeben.

Rubriklistenbild: © Saul Loeb / afp

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