US-Wahl 2020

Corona Task Force: Langsam platzt den führenden Mitgliedern Fauci und Birx wegen Trump der Kragen

  • vonMirko Schmid
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Anthony Fauci und Deborah Birx, führende Mitglieder der Corona Task Force der USA, wenden sich jetzt offen gegen den Präsidenten. Ein Rücktritt der Experten ist nicht mehr ausgeschlossen.

  • Dr. Anthony S. Fauci, führender Experte für Infektionskrankheiten der US-Regierung, ist Berater von US-Präsident Donald Trump.
  • Das Team um den 45. Präsidenten der USA nutzt ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat des Immunologen im Wahlkampf.
  • Alle Nachrichten rund um Präsident Donald Trump finden Sie in den Trump News.

Update vom Donnerstag, 15.10.2020, 12:31 Uhr: Deborah Birx, neben Anthony Fauci die wichtigste Expertin der US-Regierung zur Corona-Pandemie, wird nicht müde, ihr Mantra zu wiederholen: „Wir geben der Regierung unseren besten Rat zur öffentlichen Gesundheit. Ich mache damit jeden Tag weiter, ob nun einem Gouverneur oder dem Präsidenten gegenüber.“ Sie wolle noch einmal klarstellen, wie effektiv die Maske Tröpfchen blockiert.

Die führenden Corona-Experten der USA, Deborah Birx und Anthony Fauci, rebellieren offen gegen Donald Trump.

Den führenden Mitgliedern der Corona Task Force von Donald Trump, Fauci und Birx, platzt langsam der Kragen

Der Hintergrund der Botschaft ist so klar wie der Adressat: Donald Trump hatte die Effektivität der Maske gegen die Verbreitung des Coronavirus immer wieder in Zweifel gezogen. Der Präsident hält Wahlkampfveranstaltungen ohne Maske und setzte ein unmissverständliches Zeichen, als er nach der schnellen Rückkehr aus dem Krankenhaus öffentlichkeitswirksam auf dem Balkon des Weißen Hauses die Maske abzog. Deborah Birx stellt sich damit offen gegen den Präsidenten.

Doch nicht nur Birx scheint langsam der Kragen zu platzen. Auch Anthony Fauci, der gegen seinen Willen vom Team um Donald Trump in einen Wahlkampfspot geschnitten wurde, der Trump als großen Manager der Corona-Krise darstellt und der hinnehmen musste, dass der Präsident sich auch noch über ihn lustig macht, geht ebenfalls auf die Barrikaden.

Anthony Fauci legt die Diplomatie ab und wendet sich immer offener gegen Donald Trump

Donald Trump solle sofort aufhören, den Spot mit dem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat von Anthony Fauci zu schalten. Der Immunologe und Chefexperte der US-Regierung fühle sich von Trumps Team „belästigt“. Damit stellt sich Fauci zum wiederholten Mal in letzter Zeit gegen den Präsidenten. Ende September zweifelte Fauci Trumps Ankündigung, ein Impfstoff sei bis zur Wahl am 3. November vorrätig, öffentlichkeitswirksam an. Damit verhält sich Fauci auffällig offensiver als in den ersten Monaten der Pandemie, als er sich gegenüber der US-Regierung stets diplomatisch verhalten hatte, auch wenn er die Einschätzungen des Präsidenten selten teilte.

Die Frustration hat einen Grund. Ein hochrangiger Verwaltungsbeamter sagte dem Daily Beast, dass man Donald Trump wissenschaftliche Erkenntnisse, die in den Augen des Präsidenten nicht zu dessen Wiederwahl oder einer schnellen Öffnung der Wirtschaft beitrügen, gar nicht erst vorlegen brauche. Es interessiere ihn schlicht nicht. Vielmehr verlasse sich Trump immer mehr auf Scott Atlas, einen Neuroradiologen ohne Erfahrung im Umgang mit Infektionskrankheiten - weil dieser Trumps Durst nach positiven Nachrichten stille.

Beobachter vermuten, dass Fauci und Birx bald nicht mehr für Donald Trump arbeiten wollen

Anthony Fauci hingegen sei Trump spätestens ein Dorn im Auge, seit dieser das Event zur Ernennung von Amy Coney Barrett als Trumps Kandidatin für den Supreme Court als „Superspreader Event“ bezeichnet hatte - eine weitere bemerkenswert offensive und öffentliche Kritik an Donald Trump und seinem Umgang mit Corona.

Und so vermuten Beobachter inzwischen, dass die führenden Mitglieder der Task Force um Fauci und Birx ob der Sturheit von US-Präsident Donald Trump resignieren und den Kampf gegen Windmühlen aufgeben könnten. Eine andere Prognose birgt noch mehr Sprengstoff: Gemeinsam mit dem Direktor des CDC, Robert Redfield, könnten sie sich öffentlich und gemeinsam gegen Trump stellen.

Update vom Mittwoch, 14.10.2020, 14:17 Uhr: Donald Trump spielt wieder mit Twitter. Sein über Parteigrenzen hinweg hoch anerkannter Chef-Immunologe Anthony Fauci hatte gefordert, einen Wahlwerbespot, in dem er vermeintlich Trump für dessen Corona-Management lobt, abzuschalten. Ein Zitat Faucis sei ohne seine Zustimmung und aus dem Zusammenhang gerissen verwendet worden, schließlich habe Fauci nicht Trump, sondern die Corona Task Force der USA gelobt.

Doch Donald Trump und sein Team denken gar nicht daran, den Spot aus dem US-TV zu nehmen. Stattdessen feuert der Präsident der USA einen sarkastischen Kommentar über Dr. Anthony Fauci ab. Auf Twitter greift Trump zu einer Baseball-Begrifflichkeit und behauptet, Faucis Wurfarm sei genauer, als seine Prognosen. Trump bezieht sich in seinem Hohn auf eine Anekdote aus dem Juli diesen Jahres. Fauci warf den ersten Ball im Spiel der Washington Nationals - und sehr weit daneben.

Donald Trump: „Trump hatte Recht“ - Anthony Fauci fühlt sich „belästigt“

„Kein Problem, keine Masken“ soll Anthony Fauci gesagt haben, behauptet Trump. Und dann lobt sich der Präsident in seiner unvergleichlichen Art selbst: „Trump hatte Recht. Wir haben 2 Millionen Leben in den USA gerettet“ - und verleiht seinem Eigenlob mit drei nachgestellten Ausrufezeichen einen ganz besonderen Nachdruck.

Fauci selbst fühlt sich nach eigener Aussage inzwischen „belästigt“ von Donald Trump und seinem Wahlkampfteam, das den zurechtgeschnittenen Wahlkampfspot weiter zeigt. Aber er vermutet auch, dass dieser Versuch an Stimmen im Wahlkampf zu kommen einen Bumerang-Effekt haben könne: „Die Belästigung könnte den gegenteiligen Effekt haben und ihn einige Wähler kosten.“

Kommentatoren in den USA vermuten, dass Donald Trump seinen in der Bevölkerung geschätzten Chef-Immunologen Anthony Fauci nicht feuern will, um potentielle Wähler nicht zu verprellen. Vielmehr versuche Trump, Fauci zu entnerven und ihn damit zum Rücktritt zu bewegen.

Update vom Dienstag, 13.10.2020, 15:05 Uhr: Anthony Fauci, der führende Experte für Infektionskrankheiten der US-Regierung, fordert die sofortige Einstellung des Wahlwerbespots der Trump-Kampagne, in dem er mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat vorkommt. Wie Fauci dem Nachrichtensender CNN am Montag (12.10.2020) bestätigte, werde sein Zitat ohne sein Einverständnis und außerhalb des Kontexts genutzt.

Auf die Frage, wie er darauf reagieren würde, wenn das Team von Donald Trump eine weitere Kampagne mit Zitaten von Dr. Fauci schalten würde, antwortete der Immunologe: „Das wäre schrecklich. Das wäre empörend, wenn sie das tun.“ Auf die Frage nach der Entscheidung von Präsident Trump, weiterhin große Wahlkampfveranstaltungen durchzuführen, bei denen viele Teilnehmer keine Maske tragen und Abstandsregeln missachten, antwortete Fauci, dass Trump mit solchen politischen Kundgebungen das Schlimmste heraufbeschwören würde - besonders , da die USA auf eine Wintersaison zusteuern könnte, in der die Infektionsraten weiter steigen.

Fauci macht den US-Amerikanern Hoffnungen darauf, dass die Corona-Pandemie bald in den Griff zu bekommen sei, wenn „fünf grundlegende Dinge“ eingehalten werden würden: Eine allgemeine Maskenpflicht, eine Einhaltung der Abstandsgebote, Vermeidung von Menschenmassen, häufiges Händewaschen und die Verlagerung von Aktivitäten aus Innenräumen ins Freie.

Erstmeldung vom Montag, 12.10.2020, 10:44 Uhr: USA - Drei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in den USA hat die Kampagne von Donald Trump ein neues Video veröffentlicht, in dem der führende Immunologe, Dr. Anthony Fauci die Arbeit des US-Präsidenten überschwänglich lobt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand mehr tun könnte“, sagt Fauci in dem Wahl-Werbespot.

Das Problem ist nur: So hat das Anthony Fauci über Donald Trump nie gesagt. Deshalb geht der Immunologe nun an die Öffentlichkeit und stellt klar, dass seine Worte von der Trump-Kampagne gekapert wurden.

Donald Trump macht sich über seinen Chef-Immunologen Anthony Fauci lustig.

Dr. Anthony Fauci lobte nicht Donald Trump, sondern die Corona-Task Force

Fauci sei nicht erfreut darüber, dass Donald Trumps Wahlkampfteam Aussagen des führenden Experten für Infektionskrankheiten der US-Regierung für Wahlkampfzwecke missbraucht habe. Er sei vielmehr „total überrascht“ und beklagte, dass sein Name und seine Worte ohne seine Erlaubnis verwendet werden würden.

Außerdem sei die Aussage aus dem Zusammenhang gerissen worden. Fauci bezog sich nämlich nicht auf die Arbeit von US-Präsident Donald Trump während der Corona-Krise. Vielmehr handelte es sich bei seinen Worten um „etwas, das ich vor Monaten über die Arbeit der gesamten Task Force gesagt habe.“

Das Team um Donald Trump versucht den Präsidenten in der Corona-Krise als Macher darzustellen

Der Anlass des Werbespots liegt auf der Hand: Nachdem Präsident Trump die Corona-Pandemie zunächst heruntergespielt und im Anschluss häufig keine besonders gute Figur im Krisenmanagement gemacht hatte, versuchte seine Kampagne nun, seine „Wunderheilung“ im Wahlkampf vor den US-Wahlen in drei Wochen auszuspielen.

Donald Trump, nach nur wenigen Tagen nach eigener Aussage komplett von seiner Infektion mit dem Coronavirus geheilt und nicht mehr ansteckend, möchte der Bevölkerung der USA den Eindruck eines standhaften Anführers vermitteln, der die Pandemie problemlos bekämpfen kann - schließlich habe er das Coronavirus ja selbst in Rekordzeit besiegt. Dass er dafür unter anderem auf Steroide zurückgegriffen hat, ist längst kein Geheimnis mehr.

Dr. Anthony Fauci wirft Donald Trump „Superspreader-Event“ vor

Donald Trump führte bereits nach wenigen Tagen der eigenen Erkrankung seine Geschäfte wieder im Weißen Haus und machte munter Wahlkampf. Das wiederum dürfte einem erfahrenen Immunologen wie Dr. Fauci kaum gefallen, hatte Fauci die Veranstaltung zur Ernennung von Richterin Amy Coney Barrett als Trumps Kandidatin für den Obersten Gerichtshof doch als unverantwortliches „Superspreader-Event“ bezeichnet.

Dass Dr. Faucis Name und Reputation nun im Wahlkampf für Parteizwecke der Republikaner und für Donald Trump genutzt werden, missfällt dem Immunologen auch deswegen, weil er „in Jahrzehnten öffentlicher Arbeit noch nie einen politischen Kandidaten öffentlich unterstützt“ habe und überparteilich bleiben wolle. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Alex Brandon/AP/dpa

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