Wahlkampf in den USA  

Donald Trump sagt Wahlkampf-Auftritt in New Hampshire ab – wegen eines angeblichen Tropensturms

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
    schließen

Die Corona-Zahlen in den USA steigen weiter. Donald Trump setzt seine Wahlkampf-Tour trotzdem fort, verschiebt jetzt aber seinen Auftritt in New Hampshire. 

Update vom Freitag, 10.07.2020, 21.56 Uhr: Eigentlich wollte US-Präsident Donald Trump am morgigen Samstag (11.07.2020) um 20 Uhr Ortszeit seine Wahlkampf-Tour mit einem Auftritt in Portsmouth im Bundesstaat New Hampshire fortsetzen. Doch rund drei Wochen nach seinem nicht ganz so gelungenen Auftritt in Tulsa (Oklahoma) haben Trump und sein Team den Auftritt am Flughafen von Portsmouth kurzfristig abgesagt. Der Grund: Ein Tropensturm, der aufziehen soll.

Kayleigh McEnany, Pressesprecherin des Weißen Hauses, teilte den Reportern, die sich Donald Trump an Bord der Air Force One befinden, mit, die Tour werde sich aufgrund des herannahenden Tropensturms um ein bis zwei Wochen verschieben – und somit auch der Auftritt in New Hampshire. Laut Wettervorhersage soll der Regen aber tatsächlich am Samstagnachmittag aussetzen.

US-Präsident Donald Trump sagt Wahlkampfauftritt in New Hampshire ab

Ob der Tropensturm also wirklich der Grund ist? Laut der New York Times ist das Interesse der Menschen an der Tour seit dem Ausbruch der Coronavirus-Krise in den USA drastisch gesunken. Es ist also nicht sicher, ob die Veranstaltung dieses Mal mehr Besucher angezogen hätte, als in Tulsa. Zu der Veranstaltung im US-Bundesstaat Oklahoma waren 6200 Menschen gekommen. Das Wahlkampfteam Trumps hatte zuvor verkündet, die Halle sei mit 19.000 Anhängern restlos ausverkauft. Dort sollen auch TikTok-Teenager ihre Finger im Spiel gehabt haben, die den Auftritt in New Hampshire ebenfalls sabotieren wollten.

TikTok-Teenager nehmen Donald Trump ins Visier - Auftritt in New Hampshire soll sabotiert werden

Erstmeldung vom Freitag, 10.07.2020, 12.14 Uhr: Portsmouth – Donald Trump steht mit dem Rücken zur Wand. Die Corona-Infektionszahlen steigen weiter deutlich an, die Wirtschaft erholt sich nur mühsam, die landesweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt haben eine ganz eigene, ihm unangenehme Dynamik entwickelt. Das wirkt sich wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl am 3. November natürlich auch auf seine Umfragewerte aus. Wenn den Prognosen zu trauen ist, dürfte seinem designierten Herausforderer Joe Biden der Sieg kaum noch zu nehmen sein.

Donald Trump liegt in den Umfragen deutlich hinter Joe Biden

Doch Donald Trump wäre aber natürlich nicht Donald Trump, wenn er die jetzige Situation einfach so hinnehmen würde. Immerhin hat auch bei der Wahl 2016 niemand auch nur einen Pfifferling auf ihn als Sieger im Duell gegen Hillary Clinton gesetzt. Gewiss, die Zahlen sehen derzeit noch schlechter aus als damals zum vergleichbaren Zeitpunkt – doch ein Rest von Unsicherheit bleibt ja immer, auch wenn die Umfragen 2016 bei weitem nicht so unzuverlässig waren wie oft behauptet wird.

Was also tut Trump, um den Rückstand aufzuholen? Er geht mal wieder auf Tour. Drei Wochen nach seinem nicht ganz so gelungenen Auftritt in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma zieht es ihn diesmal in den nordöstlichen Bundesstaat New Hampshire. Dort wird Trump am Samstag (11.7.) um 20 Uhr Ortszeit am Flughafen des Ortes Portsmouth vor seinen Anhängern eine Rede halten – im Freien also, nicht wie in Tulsa in einer Halle.

Donald Trump liegt in den Umfragen derzeit deutlich zurück.

Wahlkampfteam von Donald Trump rührt kräftig die Werbetrommel

Das Wahlkampfteam von Donald Trump hat dafür schon mal vorab kräftig die Werbetrommel gerührt. „Präsident Trumps Rekordleistungen haben das Leben aller Amerikaner in Rekordzeit verbessert. Er hat unsere große Nation wieder aufgebaut, wiederhergestellt und erneuert. Und er wird es wieder tun“, sagte Hogan Gidley bei der Ankündigung der Veranstaltung. Und dann setzte der Trump-Berater noch eins obendrauf: „Wir freuen uns darauf, dass so viele freiheitsliebende Patrioten zur Kundgebung kommen und Amerika feiern werden, das größte Land der Weltgeschichte.“

Auffallend ist allerdings, dass vor Portsmouth im Gegensatz zur Wahlkampfveranstaltung in Tulsa keine konkreten Besucherzahlen genannt werden. Damals hatte Donald Trump ja im Vorfeld getönt, dass sie etwa eine Million Karten hätten verkaufen können. Tatsächlich kamen dann aber nur rund 6200 Menschen in die Halle, die knapp 19.000 Zuschauer fasst. Sängerin Pink hatte den passenden Kommentar parat: Bei einem ihrer Auftritte seien die Karten binnen fünf Minuten ausverkauft gewesen.

Donald Trumps Auftritte während des Wahlkampfs 2020
Samstag, 20. Juni 2020Tulsa, Oklahoma
Donnerstag, 23. Juni 2020Phoenix, Arizona
Samstag, 11. Juli 2020Portsmouth, New Hampshire

TikTok-Teenager nehmen Wahlkampfauftritt von Donald Trump ins Visier

Die doch recht deutliche Diskrepanz zwischen Trumps großspuriger Schätzung und der tatsächlichen Zuschauerzahl ging hauptsächlich auf TikTok-Nutzer zurück. Die hatten nämlich dazu aufgerufen, kostenlose Tickets für die Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump zu buchen, dann aber nicht hinzugehen.

Und was wird nun in Portsmouth geschehen? Noch kann man nichts Genaues sagen, doch offenbar haben TikTok-Nutzer auch diesmal wieder Trumps Auftritt ins Visier genommen. Wie die Zeitung „The Boston Globe“ berichtet, hat sich an der Taktik nichts geändert: Die TikToker haben sich Tickets gesichert, beabsichtigen aber nicht, an der Veranstaltung in Portsmouth teilzunehmen. Auch Jon Cooper, ein früherer Weggefährte von Barack Obama, hat das Spiel diesmal mitgemacht. Sein Tweet vom 6. Juli hat entsprechende Resonanz gefunden.

Black-Lives-Matter-Aktivisten demonstrieren gegen Donald Trump

Aber nicht alle, die von Donald Trump nichts halten, werden Portsmouth fernbleiben. So werden Aktivisten der Bewegung „Black Lives Matter“ wenige Stunden vor Trumps Kundgebung ebenfalls am Flughafen von Portsmouth sein, um dort gegen Donald Trump, Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Die Veranstalter haben dabei alle Teilnehmer darum gebeten, die Abstandsregeln einzuhalten und Masken zu tragen.

Ob das auch alle Trump-Fans machen werden, ist ungewiss. In Tulsa trugen jedenfalls die wenigsten eine Maske. Doch diesmal soll das anders sein. Alle Gäste mussten bei der Anmeldung einwilligen, dass sie „freiwillig alle Risiken“ übernehmen, die aus einer Corona-Infektion resultieren könnten. Der Veranstalter übernimmt dafür keine Haftung. Teilnehmer würden „stark ermuntert“, bereitgestellte Masken zu tragen, hieß es vonseiten des Wahlkampfteams. Eine Maskenpflicht wird es aber nicht geben. (Christian Stör)

Die USA stecken in einer tiefen Krise. Und Trumps Umfragewerte sind im Keller. Aus dem Nichts hat Donald Trump nun einen Cyberangriff gegen Russland zugegeben. Alle neuen Infos zur Corona-Krise in den USA finden Sie in unserem neuen Ticker.

Sicherlich ganz „großartig“ sind die Goya-Bohnen für die Donald Trump uns seine Tochter Ivanka die Werbetrommel rühren. Experten sind von der Werbekampagne weniger begeistert.

Rubriklistenbild: © NICHOLAS KAMM

Mehr zum Thema

Kommentare