Donald Trump hält eine Rede.
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Donald Trump hält eine Rede. (Archivbild).

Interview irritiert Netzgemeinde

Donald Trump bei Fox News: Aus dem Interview wird eine „öffentliche Therapiestunde“

  • Enno Eidens
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Donald Trump besucht die konservative Talkshow von Moderator Mark Levin auf Fox News. Die Themen: Waldbrände, Coronavirus, Fische und Ausrüstung des US-Militärs.

Washington – Nur noch wenige Wochen, dann wählen die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner ihren zukünftigen Präsidenten. Der Wahlkampf ist trotz Coronavirus in voller Fahrt. Donald Trump besuchte als Teil seiner Kampagne den konservativen Rechtsanwalt und Aktivisten Mark Levin in dessen Talkshow Life, Liberty & Levin. Erst kürzlich geriet Trump ins Kreuzverhör, als er sich einer Bürgerversammlung stellte. Der Abend auf Fox News endete harmonischer, denn Moderator Levin verzichtete bewusst auf jeglichen journalistischen Anspruch.

Stattdessen lieferte Mark Levin Donald Trump Vorlagen, um sich für seine Erfolge zu rühmen oder seine politischen Gegner zu diskreditieren. Die amerikanische Netzgemeinde diskutiert nun das Gespräch, ein Journalist geht dabei ganz besonders ins Detail – und kommentiert die teils sehr diffusen Äußerungen des US-Präsidenten mit viel Humor. Der wilde Themenmix des Gesprächs sorgte für besonders viel Verwirrung.

US-Wahl 2020: Donald Trump besucht konservative Talkshow von Mark Levin auf Fox News

Die TV-Show Life, Liberty & Levin läuft seit über zwei Jahren auf dem konservativen US-Fernsehsender Fox News. Jede Woche führt der Rechtsanwalt, Autor, Moderator und konservative Aktivist Mark R. Levin dort ein ausführliches Interview mit einem Gast. Darunter große konservative Köpfe der amerikanischen und internationalen Politik sowie andere konservative Prominente. Levin sprach bereits unter anderem mit Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, mit der ehemaligen republikanischen Gouverneurin Alaskas Sarah Palin und mit Ben Shapiro, einem sehr konservativen Autor und Redner. Am 17. September 2020 war nun der US-Präsident Donald Trump zu Gast, ausgestrahlt wurde das Gespräch am Sonntag, 20. September.

45. Präsident der Vereinigten Staaten:Donald Trump
Partei:Republikanische Partei
Geboren:14. Juni 1946 (Alter 74 Jahre), Jamaica Hospital Medical Center, New York City, New York, Vereinigte Staaten
Vermögen:2,5 Milliarden USD (2020)
Ehepartnerinnen:Melania Trump (verh. 2005), Marla Maples (verh. 1993–1999), Ivana Trump (verh. 1977–1992)
Kinder:Ivanka Trump, Barron Trump, Donald Trump Jr., Tiffany Trump, Eric Trump
Nichte:Mary L. Trump

Mark Levin und Donald Trump sprachen in knapp 40 Minuten über die Medienlandschaft der USA, über einen Coronavirus-Impfstoff, über den demokratischen Wahlkampf von Kamala Harris und Joe Biden, über die Briefwahl in der USA, über internationale Konflikte und Trumps Blick auf das US-Militär, über die Waldbrände im US-Staat Kalifornien, die zivilen Unruhen in einigen Städten der USA und – Fische. Das Interview ist bewusst kein journalistisches. Mark Levin unterstützt Donald Trump öffentlich und bietet ihm und seinen politischen Positionen eine Plattform. Die Twitter-Gemeinde reagierte dementsprechend kritisch auf die konservative Runde auf Fox News.

Donald Trump über Joe Biden und Kamala Harris – Mark Levin verwirrt über US-Regierung

Das Gespräch beginnt bereits mit einer tendenziösen Frage von Mark Levin an Donald Trump. Der Moderator möchte vom US-Präsident wissen, warum die US-Demokraten und die Medien ihm so viel „Feindseligkeit“ in Sachen Coronavirus-Impfstoff entgegenbringen. Trump prahlt daraufhin damit, wie schnell dieser Impfstoff verfügbar sein werde, weil er die Vorschriften der amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) geändert habe. Seine politischen Gegner würden nur meckern, weil sie ihm nichts gönnen würden. Dann spricht Trump – ohne jeglichen Kontext, über die angeblich schlecht funktionierende Briefwahl.

Für Verwirrung sorgen Mark Levin und Donald Trump, als sie das Thema Coronavirus-Tote in den USA und den Wahlkampf der demokratischen Kandidaten Joe Biden und Kamala Harris diskutieren. Diese kritisieren Trump für die vielen Toten in den USA. Laut Levin und Trump seien die Demokraten jedoch selbst schuld daran, dass angeblich positiv getestete Menschen in Pflege- und Altersheime gesteckt werden – was das mit den vielen Toten in den ganzen USA zu tun haben soll, erklären Trump und Levin nicht.

Die nationalen Coronavirus-Maßnahmen von Präsident Trump werden nicht diskutiert. Dabei verwirrte vor allem die Formulierung „the Hariss Biden Administration“, also Harris-Biden-Verwaltung. Joe Biden wird von konservativen Medien dafür kritisiert, seinen Namen hinter denen von Harris zu stellen, obwohl sie als Vize an seiner Seite kandidiert. Doch Trump benutzt den Begriff im Gespräch mit Levin so, als gäbe es bereits eine „administration“, also Verwaltung, unter Harris und Biden. Joe Biden und Kamala Harris regieren nicht, es gibt keine „administration“ mit ihrem Namen. Auf Twitter fragt der liberale Journalist Aaron Rupar deshalb scherzhaft: „Wer sagt Mark Levin, dass Donald Trump der Präsident ist?“

Medienkritik von Donald Trump – Präsident beschwert sich bei Fox News über Fox News

Dann kritisieren Donald Trump und Mark Levin einige us-amerikanische Medienhäuser. Die New York Times würde zensieren, CNN sei „eiskalt unehrlich“, die Washington Post „ein Desaster“ und NBC „möglicherweise der schlimmste von allen“, behauptet Trump. Gut wären die lokalen Reporter und Nachrichten, die „großartige Geschichten“ machen würden.

Auch seinen gegenwärtigen Gastgeber kritisiert Trump. Der Sender Fox News sei „gut“, aber nicht mehr „das, was es mal war.“ Der Sender wäre „politisch korrekt“ geworden und hätte zu viele Demokraten im Programm, wären also praktisch schon Demokraten. Mark Levin widerspricht ihm nicht. Der Journalist Aaron Rupar kritisiert die pauschale Medienkritik der beiden abermals mit Humor: „Trump macht eine öffentliche Therapiestunde mit Mark Levin.“

Donald Trump will Pressefreiheit einschränken – Präsident fordert harte Gesetze für Medien

Donald Trump meint dennoch, dass es für ihn in der öffentlichen Wahrnehmung gut laufen würde. Als Beispiel erwähnt der Präsident Paraden, die in den USA für ihn veranstaltet werden. Bei einer Bootsparade für Donald Trump in Texas sind im September Boote gesunken. Hunderte Menschen unterstützten dort den US-Präsidenten. Wenig später erwähnt der Präsident, dass er gerne härtere Gesetze einführen möchte, um die Medien für ihre angeblichen Lügen über ihn härter bestrafen zu können.

Unterstützer von Donald Trump bei einer Bootsparade auf dem Lake Winnipesaukee in New Hampshire (22.08.2020)

Donald Trump über Waldbrände und Wassermangel in Kalifornien

Mark Levin holt in Folge zu einem Rundumschlag gegen demokratisch regierte Städte aus. Diese seien ein „Desaster“, die Demokraten wären gegen den Coronavirus-Impfstoff und das Forstmanagement in Kalifornien sei schlecht – zum Abschluss resümiert der konservative Moderator, dass die Demokraten Donald Trump für all diese Probleme verantwortlich machen würden. Schließlich fragt er den Präsidenten, wofür die Demokraten überhaupt stehen würden.

Trump beantwortet die Frage nicht, sondern geht direkt auf die Waldbrände in Kalifornien ein. Bei seinem Gespräch mit dem demokratischen Gouverneur Kaliforniens Gabe Newsom habe Trump diesen auf sein Forstmanagement angesprochen. Was Trump nicht erwähnt: Der größte Teil der Wälder in Kalifornien wird von der US-Regierung, nicht vom Staat Kalifornien verwaltet.

Die Waldbrand-Saison an der Westküste der USA ist noch nicht vorüber und doch gilt die diesjährige bereits als die schlimmste jeher.

„Waldnationen“ mit explosiven Bäumen – Donald Trump kritisiert Forstmanagement in Kalifornien

Andere internationale Staatschefs hätten Donald Trump gesagt, dass sie „Waldnationen“ seien, die „deutlich explosivere Bäume“ als die in Kalifornien hätten. Trump erregte mit seinen Äußerungen über Waldstädte in Österreich bereits viel Aufmerksamkeit. Ein Nutzer auf Twitter fragt dazu scherzhaft, ob Trump sich mit Anführern aus „Der Herr der Ringe“ getroffen hätte.

Das Gespräch von Donald Trump und Mark Levin nimmt weitere unerwartete Wendungen. Trump nennt kleine Fische und den Umweltschutz als angebliche Gründe für den Wassermangel und die Waldbrände in Kalifornien, spricht über Aufstände in Chicago und warnt vor demokratischen Politikern. Wären diese an der Macht, würden die USA zu einem „Venezuela auf Steroiden“ werden – kurz zuvor hatte Mark Levin Trump dafür gelobt, dass er kein Ideologe sei und seinen gesunden Menschenverstand benutzen würde.

„Super-Duper Missiles“ – Donald Trump plaudert auf Fox News über geheime US-Raketen

Dann erwähnt Mark Levin ein Schreiben, in dem sich 235 ehemalige militärische Führungskräfte für Donald Trump ausgesprochen haben. Donald Trump freut sich über die Unterstützung und thematisiert neue technische Entwicklungen beim US-Militär. Dies habe die „großartigsten Waffen“, weil er sie besorgt habe. Besonders stolz ist Trump über die „Super-Duper Raketen“, extrem schnelle Lenkflugkörper.

Bereits im Mai gab Trump bekannt, dass die USA an einer militärischen Rakete mit extrem hoher Geschwindigkeit arbeiten würde. Rüstungsexperten gehen davon aus, dass es sich um Lockheeds Martins neue AGM-183A handele, die mit knapp 25.000 Kilometern pro Stunde tatsächlich extrem schnell wäre. Das Magazin Politico berichtete bereits über Donald Trump und dessen häufiges Prahlen mit militärischen Entwicklungen. Besonders belustigt war die Öffentlichkeit, als Trump im Oktober 2017 behauptete, dass der Tarnkappenjet F-35 so gut getarnt sei, dass er nicht zu sehen wäre.

Donald Trump über Bedrohungen durch China und Russland

Gegen Ende des Interviews lobt Mark Levin den US-Präsidenten Donald Trump noch für dessen Arbeit im Nahen Osten. Der Präsident erklärt daraufhin stolz, dass man den Islamischen Staat in Syrien besiegt habe und er zeigt sich sehr erfreut über das Abkommen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain, das im September 2020 verabschiedet wurde.

In Sachen internationale Politik sagt Donald Trump deutlich, welche Großmacht er bedrohlicher findet. „Ich denke, China ist das größte Problem.“ Deshalb wolle er auch das US-Militär weiterhin stärken. In Bezug auf diplomatische Beziehungen zu Russland und China sagt Trump jedoch auch, dass es nicht schlecht wäre, „mit Menschen klarzukommen“ – damit kommentiert der Präsident seine teils als zu unkritisch angesehenen Gespräche mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und seine kritisch betrachtete Beziehung zum russischen Staatschef Vladimir Putin.

Der US-Präsident beendet das Gespräch mit einer Machtgeste. Niemand könne sich vorstellen, auf welch ein „großartiges“ Niveau er und sein Stab das US-Militär gebracht hätten. In Sachen Militärgerätschaften würde bald noch viel mehr „brandneues Zeug“ kommen. Moderator Mark Levin bedankt sich beim US-Präsidenten und wünscht ihm alles Gute in seinem Wahlkampf. „God bless!“, sind die abschließenden Worte des Moderators auf Fox News.

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