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Donald Trump: Der Impuls seines Untergangs

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Von: Thomas Spang

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Donald Trump organisiert seine finanzielle und politische Zukunft im Alleingang. Damit reitet er sich in der Dokumenten-Affäre aber immer tiefer in die Bredouille.

Palm Beach - Niemand kann sich so recht einen Reim darauf machen, warum John Solomon einen Brief von Debra Steidel Wall, der amtierenden Leiterin des Nationalarchivs vom 10. Mai dieses Jahres veröffentlichte. Die wahrscheinlichste Erklärung führt zu Donald Trump, der seit der Razzia in seinem Anwesen Mar-a-Lago versucht, die Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Spionagegesetz, Behinderung der Justiz und den Umgang mit Staatsgeheimnissen zu politisieren. Damit hat Trump Erfolg bei seinen Getreuen, die in den vergangenen Wochen ihre Portemonnaies weit für Spenden geöffnet haben.

Guten juristischen Rat konnte sich der Bedrängte von den gespendeten Millionen allerdings nicht erwerben können. Nach Medienberichten hat Trump große Schwierigkeiten, namhafte Anwält:innen zu finden, die ihn in der Affäre um die von ihm noch lange nach dem Auszug aus dem Weißen Haus gehorteten Staatsgeheimnisse vertreten.

Donald Trump: „Verwundbar wie nie zuvor“

Der Chef der Meinungsseiten von Bloomberg, Tim O’Brien, ein intimer Trump-Kenner, schätzt, in seiner ganzen Laufbahn habe Trump noch nicht vor einem so großen rechtlichen Problem gestanden wie jetzt. „Er ist verwundbar, wie nie zuvor“. Statt auf juristischen Rat zu hören, treffe Trump zunehmend einsame Entscheidungen, beobachtet auch Alan Marcus, der in den 90er Jahren für die Trump-Organisation tätig war. „Er handelt dann immer sehr impulsiv.“

Donald Trump
Donald Trump, ehemaliger Präsident der USA, spricht bei einer Kundgebung in Waukesha, Wisconsin Anfang August. © Morry Gash / AP / dpa

In diesem Fall halten es nicht wenige Fachleute für gut denkbar, dass Trump seinen Beauftragten für die Kommunikation mit dem Nationalarchiv angewiesen hatte, das Steidel-Wall-Schreiben an seine Rechtsvertretung publik zu machen. Genau das tat Solomon, der den Brief als „rauchenden Colt“ darstellte, der beweise, dass Präsident Biden hinter der Razzia stecke.

Tatsächlich wurde in dem Brief lediglich auf eine Rücksprache mit dem Weißen Haus Bezug genommen, während der Biden die Ansicht bekräftigt, dass Trump nach Ende seiner Amtszeit keine präsidialen Sonderrechte für den Umgang mit Staatsgeheimnissen mehr geltend machen könnte.

Donald Trump: Mehr als 700 geheime Dokumente gehortet

Während Trump damit bei seinen Fans zu punkten versuchte, vergrößerte das Schreiben nach Ansicht von Rechtsfachleuten seine Probleme nur noch. Denn es beweist, dass er mehr als ein Jahr nach seiner Abwahl mindestens 700 Seiten an Staatsgeheimnissen in Mar-a-Lago gehortet hatte. Laut Steidel Wall fanden sich in den im Januar 2022 ausgehändigten 15 Kisten mit Unterlagen „Special Access Programme“-Dokumente, die nur von wenigen Personen mit speziellen Befugnissen eingesehen werden dürfen.

Alarmiert von der Brisanz der Akten informierte das Nationalarchiv die Anwälte Trumps, dass sie diese unter anderem dem FBI übergeben wollten, um den potenziellen Schaden für die nationale Sicherheit abzuschätzen. Nach mehr als einem Monat Warten auf eine Antwort signalisierte Steidel Wall in dem Schreiben Ungeduld. Sie teilte den Anwälten mit, die beanspruchten Sonderrechte Trumps gebe es nicht. „In diesem Fall ist das nicht annähernd fraglich.“

Donald Trump persönlich hat Unterlagen in Kisten gesteckt

Der Grund für das Schweigen hat mit den beiden ehemaligen Rechtsberatern Trumps im Weißen Haus, Pat Philbin und John Eisenberg zu tun. Obwohl die beiden Juristen die notwendigen Sonderbefugnisse für den Umgang mit Staatsgeheimnissen besaßen, hatte sie der Präsident beim Packen der Unterlagen umgangen. Wie die Washington Post berichtet, war es Trump höchstpersönlich, der die Geheimunterlagen in die Kisten steckte. Er habe den Inhalt der Dokumente seinen engsten Beratern vorbehalten.

Aktenkundig sind zwei weitere Tranchen an geheimen Unterlagen von Mar-a-Lago, die in einem Lagerraum unweit eines öffentlich zugänglichen Bereichs des Clubs, im Schlafzimmer und Büro Trumps aufbewahrt worden waren. Fachleute sprechen von mehreren hundert weiteren Seiten an Staatsgeheimnissen, die über die 700 Seiten aus dem Januar hinaus sichergestellt worden waren. (Thomas Spang)

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