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Donald Trump fühlt sich wohl in Ohio. Das liegt wohl auch an den Panzern und der amerikanischen Flagge im Hintergrund.

Donald Trump in Ohio

Trump erklärt IS für besiegt und McCain zum Verräter

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US-Präsident Donald Trump dreht auf einer Wahlkampfveranstaltung in Ohio auf und attackiert den verstorbenen Veteranen John McCain. Das ist selbst für Fox News zu viel.

Vor einem Panzer stehend und zu seinen Anhängern redend hat US-Präsident Donald Trump einmal mehr die Terrrormiliz Islamischer Staat für besiegt erklärt. „Das Kalifat wird ab heute Abend verschwunden sein“, sagte Trump gleich zweimal an einem Mittwoch.

Zunächst auf dem Rasen des Weißen Hauses, kurz bevor er in einen Hubschrauber stieg, der ihn nach Lordstown im Bundesstaat Ohio flog. Dort hielt Trump eine Rede in einer Panzerfabrik, deren Schließung er nach eigenen Angaben persönlich verhindert hatte. Den Mitarbeitern der Fabrik sagte Trump, sie würden „heute Abend sehen“, wie das vom IS ausgerufene Kalifat endgültig eingenommen werden würde. Die Fristen, die er dafür nannte, verstrichen bisher aber ergebnislos.

Das Kalifat steht kurz vor dem Zusammenbruch

Nach monatelangen Kämpfen steht der IS und sein Kalifat nach übereinstimmenden Angaben tatsächlich kurz vor dem Zusammenbruch. Am Dienstag meldeten die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) die Einnahme eines Zeltlagers in Baghus, der letzten IS-Hochburg im Land. Dort sollen sich Dschihadisten in Gräben und Tunneln verschanzt haben. Die Kämpfe mit den verbliebenen Kräften des IS würden weiter andauern. Schätzungen zufolge sollen sich noch einige hundert IS-Kämpfer in Baghus aufhalten.

Auch wenn all das durchaus Grund zur Freude für Trump ist, scheint der US-Präsident weiter auf die andauernden Untersuchungen durch FBI-Sonderermittler Robert Mueller konzentriert. Auf dem Rasen vor dem Amtssitz attackierte Trump Mueller, der niemals eine Wahl gewonnen habe. Ganz im Gegenteil zu ihm, Trump, der „eine der größten Wahlen aller Zeiten“ für sich entschieden habe. Die Untersuchung sei „lächerlich“, sagte Trump, und verwies stattdessen lieber auf die „größte wirtschaftliche Entwicklung, die wir jemals gehabt haben.“

Attacken gegen John McCain, Hillary Clinton und Barack Obama

In Ohio angekommen und vor dem Panzer platziert, attackierte Trump seine Lieblingsfeinde: Hillary Clinton, Barack Obama und John McCain. Der republikanische Senator und Vietnam-Veteran starb im vergangenen August an einem Gehirntumor. Trump sagte in Ohio, er habe McCain nie wirklich gemocht. Außerdem habe dieser ein „gefälschtes und erfundenes Dossier erhalten, das von Hillary Clinton bezahlt wurde“. Dieses Dossier habe McCain nicht Trump übergeben, sondern dem FBI, um dem Präsidenten zu schaden.

Trump beließ es aber nicht bei diesen Anschuldigungen. Er sei es gewesen, der McCain das Begräbnis gegeben hätte, dass dieser immer gewollt habe – obwohl McCain kurz zuvor für den Erhalt von Obamacare gestimmt habe. Trump selbst war nicht zur Beerdigung von McCain eingeladen, im Gegensatz zur Beerdigung von George H. W. Bush. „Es hat sich auch keiner bei mir dafür bedankt“, beschwerte sich Trump.

Kritik von Republikanern und Fox News

Die andauernden, posthumen Attacken Trumps in Richtung McCains wurden vor allem von Vertretern seiner eigenen, der republikanischen Partei, in der McCain nach wie vor sehr anerkannt ist, scharf kritisiert. Johnny Isaakson, Senator des US-Bundesstaates Georgia, versprach Trump eine rhetorische Tracht Prügel für seine Äußerungen in Richtung McCain.

Selbst für Fox News ging Trump diesmal zu weit. Moderator Shep Smith kritisierte Trump für seine Angriffe auf „einen toten Kriegshelden der USA“. (mit dpa)

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