Coronavirus in den USA

Trump-Berater kritisiert US-Virologe Fauci nach düsterem 1918-Vergleich

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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  • Marcus Giebel
    Marcus Giebel
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  • Andreas Schmid
    Andreas Schmid
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In den USA spitzt sich die Corona-Pandemie zu. US-Präsident Donald Trump sieht kaum ein Problem. Virenexperte Anthony Fauci dagegen warnt vor einer Katastrophe. 

  • Die USA sind das Land mit den deutlich meisten Corona-Infektionen und Covid-19-Todesfällen.
  • US-Präsident Donald Trump scheint sich jedoch mehr um seine politische Zukunft als um die Gesundheit der US-Bürger zu scheren.
  • Der führende US-Virologe Anthony Fauci sorgt mit seinen Klartext-Ansagen immer wieder für Wirbel (siehe Update vom 15. Juli, 12.35 Uhr).
  • Alle bisherigen Informationen zur Corona-Krise in den USA finden Sie in diesem Ticker.

Update vom 17. Juli, 12.54 Uhr: Über alle weiteren Entwicklungen rund um das Coronavirus in den USA halten wir Sie ab sofort in unserem neuen News-Ticker auf dem Laufenden.

Corona in den USA: 67.000 Coronavirus-Neuinfektionen binnen 24 Stunden

Update vom 16. Juli, 12.07 Uhr: In den USA haben die Corona-Neuinfektionen einen Rekordwert erreicht: Binnen 24 Stunden wurden nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität vom Mittwochabend (Ortszeit) 67.632 neue Ansteckungsfälle registriert. Die Zahl der Corona-Toten sei um 795 auf mehr als 137.200 gestiegen. Erst am Samstag hatten die USA mit mehr als 66.500 Corona-Fällen einen Höchststand bei den täglich festgestellten Neuinfektionen verzeichnet (siehe Update vom 15. Juli, 7.01 Uhr).

Trump-Berater übt Kritik an Fauci - Weißes Haus: Privatmeinung

Update vom 15. Juli 2020, 17.38 Uhr: Der Handelsberater von US-Präsident Donald Trump, Peter Navarro, hat mit harscher Kritik an dem prominenten Immunologen Anthony Fauci in der Corona-Krise für Wirbel gesorgt. Navarro schrieb in einem Gastbeitrag für „USA Today“, Fauci habe in jedem Punkt, in dem er mit ihm in der Krise zu tun gehabt habe, falsch gelegen. „Wenn Sie mich also fragen, ob ich auf Dr. Faucis Rat höre, ist meine Antwort: nur mit Skepsis und Vorsicht.“

Die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Alyssa Farah, teilte am Mittwoch auf Twitter mit, der Gastbeitrag habe nicht den normalen Genehmigungsprozess des Weißen Hauses durchlaufen und gebe ausschließlich Navarros Meinung wieder. US-Präsident Donald Trump schätze das Fachwissen der medizinischen Experten, die seine Regierung beraten.

Trump selbst hatte Fauci, der Teil der Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses ist, am vergangenen Donnerstag vorgeworfen, „viele Fehler“ gemacht zu haben. Medien wie die „Washington Post“ und CNN hatten vor wenigen Tagen berichtet, dass sie eine Liste des Weißen Hauses mit Aussagen Faucis bekommen hätten, die zeigen soll, dass sich dieser in der Pandemie mehrfach getäuscht habe.

Die „New York Times“ wertete die F auci-Liste des Weißen Hauses als Versuch, die Glaubwürdigkeit des Experten zu untergraben. Fauci äußert in Interviews offen seine Sorge über die Entwicklung der Pandemie in den USA. Er hat mehrfach davor gewarnt, Schutzmaßnahmen vorschnell zurückzunehmen. Das steht im Kontrast zu Trump, der sich trotz dramatisch steigender Infektionszahlen optimistisch zeigt und möglichst schnell zur Normalität zurückkehren will.

Übrigens: Trump hat unterdessen mit einer unerwarteten Personalentscheidung für Überraschung gesorgt. Mit dem radikalen Schritt reagiert er wohl auf schlechte Umfragewerte.

US-Virologe Fauci warnt junge Menschen und erinnert an 1918 - Neuer Höchstwert

Update vom 15. Juli, 16.44 Uhr: In den USA hat die Zahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen einen neuen Höchststand erreicht. Am vergangenen Dienstag wurden rund 67.400 Menschen positiv auf das Virus getestet. Das ging an diesem Mittwoch aus den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität hervor. Der aktuelle Wert übertrifft den Wert von vergangenem Freitag, als rund 66.600 Neuinfektionen binnen 24 Stunden vermeldet wurden. Insgesamt haben sich in den USA, wo rund 330 Millionen Menschen leben, mehr als 3,4 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 136.000 Menschen starben.

Update vom 15. Juli, 12.35 Uhr: Das Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und Anthony Fauci befindet sich in der Abwärtsspirale. US-Medien berichteten nun von einer Liste des Weißen Hauses mit Aussagen Faucis, die belegen soll, dass er die Pandemie mehrfach falsch eingeschätzt habe - aber Fauci schlägt zurück.

„Ich denke, dass man anerkannten Medizinern grundsätzlich vertrauen kann. Ich glaube, ich gehöre auch zu ihnen, deshalb denke ich, Sie können mir trauen", sagte Fauci dem Guardian zufolge bei einem virtuellen Forum der Georgetown-Universität in Washington.

Coronavirus in den USA: US-Chef-Virologe Fauci vergleicht Krise mit Grippepandemie von 1918  

Update vom 15. Juli, 7.01 Uhr: Anthony Fauci warnt, dass der weltweite Ausbruch des Coronavirus genauso schlimm sein könnte wie die Grippepandemie von 1918, berichtet The Guardian. Diese Katastrophe nannte der führende US-Virologe „die Mutter aller Pandemien“, bei der weltweit mehr als 50 Millionen Menschen ums Leben kamen. 

Angesichts der explodierenden Infektionszahlen in den USA sprach Fauci am Dienstag mit Studenten Georgetown University in Washington über die Coronavirus-Pandemie und ihre Risiken für junge Menschen, berichtet das Nachrichtenportal.  

Dabei warnte der Experte junge Menschen vor den Risiken einer Coronavirus-Infektion. Der führende US-Virologe sagte, dass das Sozialisieren junger Menschen „unabsichtlich ein Teil des Problems“ sei. 

Fauci wolle niemanden beschuldigen, doch viele junge Menschen wollen einfach einen Margarita in einer Menschenmenge zu schlürfen. Doch um die Corona-Krise unter Kontrolle zu bringen, sei es wichtig, sich nicht zu infizieren und andere anzustecken.

„Wir haben hier in den USA eine ernste Situation“, sagte Fauci, Direktor der National Institutes of Allergy and Infectious Disease (NIAID), auf der Online-Veranstaltung.

Der führende US-Virologe Anthony Fauci sorgt mit seinen Klartext-Ansagen immer wieder für Wirbel.

US-Regierung zieht angedrohten Visa-Entzug für ausländische Studenten zurück

Update vom 15. Juli, 6.54 Uhr: Die US-Regierung will nun doch keine ausländischen Studenten ausweisen, die wegen der Corona-Pandemie nur an Online-Kursen teilnehmen können, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung zog ihre Pläne für eine Aberkennung von Studentenvisa zurück, wie die Bundesrichterin Allison Burroughs am Dienstag in Boston mitteilte. Gegen das umstrittene Vorhaben der Regierung von Präsident Donald Trump waren mehrere Universitäten und Bundesstaaten vor Gericht gezogen.

Die US-Einwanderungsbehörde hatte in der vergangenen Woche erklärt, ausländische Studenten mit Visa des Typs F1 oder M1 dürften nicht in den USA bleiben, wenn sie vom Herbst an nur an Online-Kursen teilnehmen. Sie müssten das Land verlassen oder an eine Universität wechseln, an der Präsenz-Unterricht stattfinde. Tausenden ausländischen Studenten drohte damit die Abschiebung.

Coronavirus in den USA: Trump greift Top-Virologen Fauci an

Update vom 14. Juli, 21.38 Uhr: Die Lage in den USA ist weiter völlig prekär. Inmitten steigender Infektionszahlen schlug Präsident Donald Trump zuletzt zum Rundumschlag aus. Hauptziel des Republikaners war dabei der Gesundheitsexperte Anthony Fauci, der schon lange vor den fatalen Auswirkungen der Corona-Pandemie warnt, laut Trump jedoch „viele Fehler“ in seiner Beurteilung gemacht hätte. Zudem bekam der designierte Präsidentschaftskandidat, Joe Biden, sein Fett weg (siehe Erstmeldung). Der Demokrat hat sich nun zu Wort gemeldet, Trump kritisiert und Fauci gleichzeitig verteidigt.

Biden wirft Amtsinhaber Trump vor, derzeit nicht nur Fauci, sondern alle Gesundheitsexperten schlechtzumachen: „Herr Präsident, bitte hören Sie auf unsere Gesundheitsexperten, statt sie zu verunglimpfen“, sagte Biden am Dienstag bei einem Auftritt in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware. Der 77-Jährige kritisierte auch Trumps Bestreben, das Land rasch zur Normalität zurückzuführen und dabei nach der Devise „Jetzt alles öffnen“ zu handeln. Dies sei jedoch „keine Erfolgsstrategie“.

Seit vergangener Woche haben die USA pro Tag rund 60.000 Corona-Neuinfektionen verzeichnet, eine Besserung ist nicht in Sicht. Seit Beginn der Pandemie wurden im Land insgesamt bereits rund 3,4 Millionen Infektionen nachgewiesen, mehr als 136 000 starben infolge einer Covid-19-Erkrankung (Quelle: Johns-Hopkins-Universität, Stand: 14. Juli, 21.30 Uhr). Die Krise hat sich unterdessen erheblich auf den Wahlkampf ausgewirkt. Die Tage bis zum Showdown werden weniger. Am 3. November steigt die Präsidentschaftswall, dann will Biden Trump herausfordern. 

Wird er der neue US-Präsident? Joe Biden will gegen Donald Trump triumphieren.

Corona in den USA: Trump reagiert wirr auf einfache Journalistenfrage - und schlägt verbal um sich

Erstmeldung vom 14. Juli, 16.13 Uhr: New York - In der Corona-Krise* glänzte Donald Trump schon häufig mit gefährlichem Halbwissen. Auch bei einem jüngsten Auftritt ließ der höchst streitbare US-Präsident Sätze vom Stapel, die den Zuhörern Fragezeichen auf die Stirn zauberten. Eigentlich wurde der 74-Jährige gefragt, wie er sich die weiterhin rasant ansteigende Zahl an Sars-CoV-2-Infektionen in den USA erklären könne und was er denn gegen diese Entwicklung zu unternehmen gedenke.

Eine wirkliche Lösung scheint Trump nicht parat zu haben. Zumindest wich er mit seiner Antwort aus und versuchte - offenbar voll im Wahlkampfmodus - seinem sehr wahrscheinlichen Herausforderer im Kampf um das Weiße Haus direkt eins auszuwischen. „Wissen Sie, (Barack) Obama und (Joe) Biden haben einfach aufgehört, Tests durchführen zu lassen. Sie haben einfach damit aufgehört, Sie wissen das vermutlich, wollen aber nicht darüber berichten“, griff er neben seinem Vorgänger und dessen Vize auch die anwesenden  Journalisten an: „Sie haben das bei einem weitaus geringeren Problem gemacht, als wir es derzeit haben.“

Muss sich so einiges gefallen lassen: Joe Biden wird als sehr wahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten zur Zielscheibe von Donald Trump.

Trump giftet gegen Biden: Bei Schweinegrippe 57.000 Fälle in USA - nun schon 3,3 Millionen

Worauf Trump genau anspielte, erklärte er übrigens nicht. Sehr wahrscheinlich ging es um die 2009/2010 grassierende Schweinegrippe, unter Wissenschaftlern auch bekannt als H1N1-Virus. Damals war die USA mit mehr als 57.000 Fällen das am zweitstärksten heimgesuchte Land nach China. Doch diese Zahlen lassen sich mit denen der aktuellen Pandemie überhaupt nicht vergleichen. Sars-CoV-2 hat eine ganz andere Dimension erreicht, mehr als 3,3 Millionen Menschen in den USA sind bereits nachweisbar an dem Virus erkrankt, mehr als 135.000 erlagen ihrer Infektion.

Schon allein deshalb wirkt Trumps Lügen-Attacke nach dem Motto „Liebe Journalisten, ich weiß was“ reichlich deplatziert. Zumal dazukommt, dass der Republikaner vor nicht allzu langer Zeit selbst mit dem Vorschlag in die Öffentlichkeit ging, der immensen Infektionszahlen in den USA durch weniger Tests Herr werden zu wollen. Was wenig überraschend einen Aufschrei der Entrüstung nach sich zog.

Einer würde gern ohne den anderen: US-Präsident Donald Trump (l.) kann die mahnenden Worte von Corona-Experte Anthony Fauci so gar nicht gebrauchen.

Trump giftet gegen Biden: Kein wirklicher Ansatz zur Lösung der Corona-Probleme in den USA

Die Gefahr der Pandemie quasi einfach totschweigen? Das wird nicht funktionieren. Was auch das Trump-Lager einsehen musste, das eilends darauf verwies, der mächtigste Mann der Welt* habe sich nur einen Scherz erlaubt. Einen wirklichen Ansatz präsentierte der gebürtige New Yorker, der nun mit Anthony Fauci sogar den wichtigsten Virologen in seinem Land zu mobben scheint, jedenfalls nicht.

Dafür nutzte Trump selbstredend die Gelegenheit, um auf einen der wenigen Lichtblicke hinzuweisen. „Wir haben eine der niedrigsten Sterberaten überhaupt“, betonte passionierte Twitter-Nutzer im selben Atemzug. Was zumindest den Tatsachen entspricht, liegt diese mit rund vier Prozent knapp unter der von Deutschland und deutlich unter denen von Belgien, Großbritannien, Italien, Frankreich, Mexiko und Spanien. Plausibel erklären lässt sich das aber wohl nicht. (mg) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Trump hat derzeit auch Probleme mit einem Enthüllungsbuch seiner Nichte. Und es wird gerätselt: Ist Trump plötzlich ergraut? Derweil gibt es immer mehr Fälle von langen Covid-19-Krankheitsverläufen - dabei leiden die Patienten nicht nur an den Symptomen.* Indes zog ein Lungenspezialist eine bittere Bilanz zur Corona-Lage in Deutschland. 

Rubriklistenbild: © dpa / Al Drago

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