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Corona-Pandemie

Corona in den USA: „Schnell junge Leute infizieren“ – E-Mails entlarven Donald Trumps Berater

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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E-Mails zeigen, wie ein ehemaliger Wissenschaftsberater im US-Gesundheitsministerium Druck ausübte, um Millionen von Amerikaner:innen mit dem Coronavirus zu infizieren.

  • In den USA haben sich bereits mehr als 17 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
  • Interne E-Mails zwischen US-Gesundheitsbehörden zeigen, dass die Herdenimmunität im Gespräch war.
  • Ein Berater der Administration von Donald Trump forderte, dass so viele junge Leute wie möglich infiziert werden sollten.

Washington D.C. – Donald Trump feiert sich für seine vermeintlichen Verdienste in der Corona-Pandemie. Nicht nur sei seine Politik allein für einen Impfstoff gegen das Virus verantwortlich, er habe auch den Tod von Millionen von Menschen verhindert. Interne E-Mails zeigen, dass ein von Trump ernannter Berater um jeden Preis die Herdenimmunität wollte – und Druck auf Gesundheitsbehörden ausübte, um Millionen von Amerikaner:innen mit dem Coronavirus zu infizieren.

Corona: Von Donald Trump ernannte Funktionäre erwägen Herdenimmunität

In mehreren E-Mails, die im Sommer verschickt wurden und „Politico“ vorliegen, ist ersichtlich, dass ein ehemaliger wissenschaftlicher Berater im US-Gesundheitsministerium wollte, dass sich so viele junge Leute wie möglich mit dem Coronavirus infizieren. Paul Alexander war zudem Stellvertreter von Michael Caputo, der von Donald Trump im April als Beauftragter für Öffentliche Angelegenheiten ernannt wurde.

Die Corona-Pandemie verläuft unter US-Präsident Donald Trump verheerend. In den Gesundheitsbehörden wurde die Herdenimmunität besprochen. (Archivfoto)

„Es gibt keinen anderen Weg, wir müssen eine Herdenimmunität schaffen, und das passiert nur, wenn sich die Nicht-Risikogruppen dem Virus aussetzen. PUNKT“, schrieb Paul Alexander am 4. Juli an mehrere Funktionäre der US-Gesundheitsbehörden, auch an seinem Boss Michael Caputo. „Säuglinge, Kinder, Teenager, junge Leute, junge Erwachsene, Personen mittleren Alters ohne Vorerkrankung, etc., tragen gar kein oder ein kleines Risiko...also benutzen wir sie, um die Herdenimmunität zu entwickeln...wir wollen sie infiziert haben...und genesen...mit Antikörpern.“

Corona in den USA: Herdenimmunität war im Gespräch – „Wir wollen sie infiziert haben“

Krankenhäuser seien vorbereitet und es gebe genug Schutzausrüstung, hieß es weiter. „Gott bewahre“, falls junge Leute wirklich krank werden und Sauerstoff benötigen sollten. Dann sei das Coronavirus nämlich mutiert und tödlich geworden. Alexander hielt dies allerdings für unwahrscheinlich.

In einer weiteren E-Mail vom 24. Juli an den Chef der Arzneimittelbehörde FDA, Stephen Hahn, hält es Paul Alexander für die beste Idee, „zu öffnen und die Zone zu fluten“, damit sich Kinder und junge Leute infizieren und ihre „natürliche Immunität“ gegen das Coronavirus erhalten, dem sie „natürlich ausgesetzt“ waren. Ganz im Sinne dieser Idee forderte der von Donald Trump beauftragte Berater am 27. Juli von der Behörde CDC, die Universitäten geöffnet zu lassen. „Wir haben quasi unsere wirksamste Waffe vom Schlachtfeld genommen“, hieß es. „Jüngere gesunde Leute, Kinder, Teenager, junge Leute, die wir schnell infiziert brauchen, es verteilen, Immunität entwickeln und helfen, die Ausbreitung aufzuhalten.“

Das Weiße Haus hatte Paul Alexander, Teilzeit-Professor an einer Universität in Kanada, damals den Rücken gestärkt. Im Gesundheitsministerium arbeitet er nicht mehr. Seit seinem Weggang im September versucht man dort, sich von Alexander zu distanzieren. Caputo habe ihm die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern, so ein Regierungsbeamter gegenüber „Politico“. Allerdings hätten seine „Tiraden“ keine Auswirkung auf die Beschlüsse des Ministeriums gehabt. Ein Funktionär der Gesundheitsbehörde CDC sagte im Sommer allerdings, man habe angenommen, Paul Alexander spreche für Michael Caputo, der für das Weiße Haus spricht.

USA: Herdenimmunität gegen Corona? Strategie war im Gesundheitsministerium im Gespräch

Paul Alexander befürchtete vor allem, dass Demokraten ein Ausufern der Corona-Pandemie gegen Präsident Donald Trump benutzen könnten. Zudem griff er Wissenschaftler:innen an, die für eine restriktivere Strategie stehen. Auch Scott Atlas gilt als Verfechter der Herdenimmunität. Im Sommer ernannte Donald Trump den Radiologen zu seinem neuen Pandemie-Berater.

Ende November trat er wieder zurück. In einem Interview mit Fox News im Juli wunderte sich der selbsternannte „Anti-Fauci“, wieso „nicht alle begreifen“ würden, dass junge Leute keine Probleme mit dem Coronavirus hätten. Auch Donald Trump gefiel die Idee. Der US-Präsident glaubte, dass das Virus „weggehen“ würde, sobald eine Herdenimmunität erreicht ist. Gesundheitsexpert:innen wie Anthony Fauci halten das Vorgehen, junge Leute vorsätzlich zu infizieren, für viel zu riskant.

Corona: Auch Donald Trump nicht von Herdenimmunität abgeneigt

Das Gesundheitsministerium stritt jedoch wiederholt ab, dass man in den USA eine Herdenimmunität angestrebt habe. „Herdenimmunität ist nicht die Strategie der US-Regierung in Hinsicht auf das Coronavirus“, erklärte Minister Alex Azar in einer Anhörung vor dem zuständigen Subkomitee im Repräsentantenhaus Anfang Oktober. Erst nach der US-Wahl habe die Trump-Regierung dem Komitee die E-Mails veröffentlicht, teilte der Vorsitzende Jim Clyburn mit. Er sprach hinsichtlich der Auszüge von einem „schädlichen Muster politischer Einmischung von Regierungsbeamten.“

„Während sich das Coronavirus im Land verbreitet, schreiben diese Funktionäre ganz gefühllos ‚wen interessiert das?‘ und ‚wir wollen sie infiziert haben‘. Sie haben privat zugegeben, dass sie ‚immer wussten‘, dass das Vorgehen des Präsidenten einen ‚Anstieg‘ der Fälle verursachen würde und heckten den Plan aus, Wissenschaftler zu beschuldigen“, so Clyburn.

In einer E-Mail von Paul Alexander, verschickt am 3. Juli, hieß es: „Wenn es mehr Corona-Fälle bei jungen Leuten verursacht, sage ich: Wen interessiert das...solange wir sensible Entscheidungen treffen und die Älteren und Pflegeheime beschützen, muss das Leben weitergehen...wen interessiert das, wenn wir mehr testen und mehr positive Fälle haben?“ (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © WIN MCNAMEE/AFP

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