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Donald Trump, ehemaliger Präsident der USA, spricht auf der Konferenz CPAC, einer Veranstaltung konservativer Aktivisten.
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Donald Trump droht eine Klage im dreizehnstelligen Bereich.

Ehemaliger US-Präsident

Klage wirft Donald Trump Mitschuld an Corona-Toten in den USA vor

  • vonMirko Schmid
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Ein ehemaliger Strafgefangener will Ex-Präsident Donald Trump vor Gericht sehen. Seiner Sammelklage haben sich dutzende Menschen angeschlossen. 

Orange – Arnett Thomas ist ein Mann mit einer bewegten Geschichte. In den 1980er Jahren wurde er infolge eines Mordes - Drogen waren wohl auch im Spiel - zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Anstatt seine Zeit hinter Gittern zaudernd und wartend abzusitzen, begann Thomas, Gesetze zu studieren. Die Gefängnisbibliothek, so erzählt es der preisgekrönte Journalist Mike Kelly, sei für Thomas sein ganz persönlicher Hörsaal geworden. Und der Autodidakt verzeichnete schnell Erfolge und erreichte gar Änderungen der Regeln für die Einzelhaft. Und Thomas will mehr. Genauer: eine Billion Dollar. Und zwar von Donald Trump.

Gemeinsam mit inzwischen mehr als 75 Mitkläger:innen will er den ehemaligen Präsidenten der USA für seine Verharmlosung der Corona-Pandemie zur Rechenschaft gezogen sehen. Er wirft Trump vor, eine Mitschuld an dem Tod von inzwischen mehr als einer halben Million an den Folgen des Coronavirus verstorbenen Menschen zu tragen. Was zunächst wie Größenwahn klingen könnte, ist tatsächlich gar nicht so weit hergeholt: Jüngst hatte der Oberste Gerichtshof Brasiliens eine Untersuchung des Senats gegen den Staatspräsidenten Jair Bolsonaro zugelassen. Auch hier lautet der Vorwurf: Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch geordnetes Nichtstun wider die Corona-Pandemie.

„Wenn Donald Trump mit dieser Pandemie richtig umgegangen wäre ...“

Und auch wenn Rechtsgelehrte hier wie da nur wenig Chancen auf eine Verurteilung sehen, sollte die Signalwirkung nicht unterschätzt werden: Das Volk begehrt auf gegen die Fahrlässigkeiten (ehemaliger) Staatschefs. In der Klageschrift, in der sich Arnett Thomas auf diverse Bundesgesetze der USA und die Verfassung beruft, heißt es: „Der frühere Präsident wurde buchstäblich zum innerstaatlichen Feind der Verfassung, die er zu verteidigen geschworen hat.“ Seine Beweisführung gegen Donald Trump wirkt nicht orchestriert und auf den Showdown vor Gericht ausgerichtet, wie es die juristische Tradition der USA vorsieht.

Mike Kelly nennt sie frei übersetzt einen „Wunschtraum im Kampf gegen Windmühlen, der eher für einen Sketch in einer satirischen Abendshow geeignet scheint.“ Für den Erfolg, so Kelly, in der „berauschenden Atmosphäre eines Bundesgerichtssaals“ sei die Klageschrift gegen Donald Trump gemacht, nicht einmal für „die Fußgängerzone eines örtlichen Verkehrsgerichts“. Und doch sei der „juristische Kreuzzug“ des Arnett Thomas von Bedeutung. Der nämlich spiegele die tief sitzende Wut über Trumps Verhalten während der Corona-Pandemie wider - insbesondere in der afroamerikanischen Gemeinschaft.

NameDonald John Trump
Letzte Funktion45. Präsident der USA
ParteiRepublikaner
Vermögen2,4 Mrd US-Dollar (Forbes)
Alter74 Jahre (* 14. Juni 1946 in Queens, New York City)

Kyani Robinson ist 21 Jahre alt und hat sich Thomas‘ Klage angeschlossen. Aus seinen Worten klingt Verbitterung: „Alles, was Donald Trump getan hat, seit er in sein Amt eingeführt wurde, war wirklich zwielichtig und komplett rückständig und chaotisch.“ Hauptkläger Thomas sieht das ähnlich: „Trump hat zugelassen, dass sich die Krankheit ausbreitet. Was er getan hat, war politisch motiviert. Wenn Trump mit dieser Pandemie richtig umgegangen wäre, wäre er wiedergewählt worden. Trump wurde aus dem Weißen Haus geschmissen, weil er damit umgegangen ist, wie er damit umgegangen ist.“

Donald Trump steht womöglich vor zahlreichen Gerichtsprozessen

In der amerikanischen Geschichte gab es immer wieder Präsidenten, die in der Retrospektive kein hohes Ansehen genießen. Mike Kelly zählt Richard Nixon dazu, Herbert Hoover, Lyndon Johnson und Jimmy Carter. Und nun auch Donald Trump. Dieser habe zwar immer noch „zahlreiche Bewunderer auf der rechten Seite Amerikas“, stehe jedoch sinnbildlich für die Entfachung eines „ganz neuen Geists der Abneigung“, insbesondere unter Gemäßigten und Progressiven. Erschwerend komme hinzu, dass sich Trump so vielen juristischen Ermittlungen zu stellen habe, wie wohl nie ein ehemaliger Präsident zuvor.

Zu diesen Ermittlungen gegen Donald Trump - sie reichen von sexuellem Missbrauch über Finanzvergehen und der Anstachelung eines Aufstandes gegen die US-Demokratie - gesellt sich nun die Klage von Arnett Thomas. Und der hat gelernt, mit widrigen Umständen umzugehen. Aus dem Gefängnis entlassen, nahm er jeden legalen Job an, der ihm seinen Lebensunterhalt zu sichern versprach. Er schuftete hart, sparte etwas Geld und gründete seine eigene Firma für Vertragsarbeiten in Asbury Park. Für einen seiner Aufträge wollte er in einem Baumarkt Ziegel, Zement und andere Vorräte kaufen, als ihm aus einem Regal ein Ziegel auf dem Kopf fiel. Er erlitt ein Postkommotionelles Syndrom - ein chronisches Leiden im Anschluss an eine Gehirnerschütterung - und wurde offiziell als behindert eingestuft.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin zog Thomas in eine Wohnanlage für Betreutes Wohnen. Dann kam Corona und seine Wut auf Donald Trump wuchs von Tag zu Tag. Immerhin soll Trump darüber nachgedacht haben, die Opfer der Pandemie am Tag seiner Entlassung aus dem eigenen Corona-Krankenstand mit einem Superman-Kostüm unter seinem Anzug zu verspotten. So setzte sich Arnett Thomas hin und begann, an seiner Klageschrift zu feilen. „Arnett ist ein wandelndes Gehirn“, sagt Ronald „Cowboy“ Wright. Der 81-Jährige Rentner, der sich Thomas‘ Klage ohne Zögern angeschlossen hat, vertraut seinem Mitstreiter.

Vorwurf an Donald Trump: Corona-Herdenimmunität auf Kosten von Menschenleben

Besonders zornig macht Arnett Thomas die von Donald Trump immer wieder ins Feld geführte Erzählung der „Herdenimmunität“. Klar, sagt Thomas, diejenigen, die sich mit dem Virus infiziert und überlebt haben, entwickelten eine Immunität. Aber als diese „Herde von Immunüberlebenden“ gewachsen sei, seien nun einmal viele andere Menschen ums Leben gekommen. In seiner Klageschrift formuliert er es so: „Trump ist verantwortlich für den Tod von Hunderttausenden von Menschen in ganz Amerika. Er hat ein natürliches Herdenimmunitätsexperiment gestartet und ausgelöst, das zu fünf Millionen gemeldeten Corona-Fällen und fünfhunderttausend Todesfällen beigetragen hat.“

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Hier finden Sie alle Hintergrundinformationen rund um den 45. Präsidenten der USA: Trump-News.

Offiziell hat die US-Regierung unter Donald Trump die „Herdenimmunität“ zu keinem Zeitpunkt als politische Leitlinie zur Bekämpfung der Corona-Pandemie benannt. Sein Gesundheitsminister Alex Azar sah sich sogar genötigt, öffentlich zu bekunden, dass die „Herdenimmunität“ nicht Strategie der US-Regierung sei. Doch auf der anderen Seite verließ sich Trump mehr und mehr auf die Meinung des Neuroradiologen Dr. Scott Atlas. Der soll Berichten zufolge darauf gedrängt haben, die „natürliche Herdenimmunität“ zur Überbrückung der Zeit bis zur Entwicklung eines Impfstoffs in Betracht zu ziehen.

„Menschenexperiment“ in der Pandemie: Harte Vorwürfe gegen Donald Trump

Sollte Thomas‘ Klage jemals zu einem Gerichtsprozess gegen Donald Trump führen, wäre die Frage der „natürlichen Herdenimmunität“ - neben der wochenlangen Tatenlosigkeit und Verharmlosung der Corona-Pandemie durch Trump und seine Regierung - Kern der Ermittlungen. Sollte Trump tatsächlich Schritte eingeleitet haben, eine „natürliche Herdenimmunität“ zu fördern, habe er sich nach Meinung von Thomas‘ Lebensgefährtin Helene Robinson eines „Menschenexperimentes“ schuldig gemacht.

Auch Kevin Williams hat sich der Klage gegen Donald Trump angeschlossen. Der 61-jährige ist Psychotherapeut und arbeitet für eine in Philadelphia ansässige gemeinnützige Organisation. Er betont, dass die Corona-Pandemie „Schwarze und andere Minderheiten besonders hart“ getroffen habe. Auch dafür solle sich der Republikaner, der sich während eines TV-Duells mit dem Demokraten Joe Biden einmal als „die am wenigsten rassistische Person im Raum“ bezeichnet hatte, nun vor Gericht verantworten. Es kann Jahre dauern, bis dieser Prozess abgeschlossen ist. Wenn er denn zustande kommt. In einer Sache ist sich Williams jedoch sicher: „Trump ist ein Spieler. Einige Leute können es sehen und andere nicht.“ (Mirko Schmid)

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