Parteitag in Jacksonville

Trotz Corona: Trump will die große Show in Florida

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Donald Trump träumt trotz Corona von einem pompösen Parteitag im August. Doch immer mehr Republikaner wenden sich ab.

  • Die Republikaner wollen Donald Trump bei ihrem Parteitag Ende August in Florida eine große Bühne bereiten  
  • Donald Trump will den Parteitag nutzen, um vor der Präsidentschaftswahl im November noch einmal seinen designierter Herausforderer Joe Biden anzugreifen
  • Das Coronavirus könnte den Republikanern einen Strich durch die Rechnung machen

Jacksonville - Donald Trump liebt das große Theater. Je bombastischer, desto besser. Das gilt für alle seine Auftritte, ganz besonders aber für den alle vier Jahre stattfindenden Parteitag, bei dem die Republikaner die Kandidaten für die Wahl zum Präsidenten und Vizepräsidenten nominieren und das entsprechende Parteiprogramm festlegen.

Donald Trump will sich auf dem Parteitag in Florida von seinen Fans feiern lassen

Im Jahr 2016 in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio stand dabei nur einer im Mittelpunkt, Donald Trump natürlich. Das soll in diesem Jahr ganz genauso sein. Donald Trump will sich von seinen Fans feiern lassen und den Parteitag nutzen, um noch einmal die Demokraten und deren designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden so richtig in die Mangel zu nehmen.

Ob das aber tatsächlich so kommen wird, erscheint derzeit mehr als fraglich. Denn das Coronavirus macht auch vor dem Parteitag der Republikaner nicht halt. Schon jetzt nämlich hat sich der Veranstaltungsort geändert. Zwar wird ein kleiner Teil wie geplant in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina abgehalten, doch die große Show dort wurde gestrichen. Die vom demokratischen Gouverneur Roy Cooper gewünschten Vorgaben wie Maskenpflicht oder Abstandsregeln fanden nicht die Zustimmung von Donald Trump

Donald Trump will beim Parteitag der Republikaner eine große Show abziehen.

In Florida redet niemand Donald Trump herein

Also zog Trump Plan B aus de Tasche. Der Parteitag der Republikaner soll nun vom 24. bis 27. August in einer großen Allzweck-Halle in Jacksonville im Sonnenstaat Florida über die Bühne gehen. Dort redet ihm keiner rein, schon gar nicht der Gouverneur. Ron DeSantis macht Trump keinerlei Vorgaben.

Dass Florida zur Corona-Krisenregion Nummer eins in den USA geworden ist, scheint beide nicht zu kümmern, weder Trump noch DeSantis. Der hatte das Coronavirus ja schon im Mai für besiegt erklärt und mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen begonnen, noch vor den meisten anderen Bundesstaaten. Inzwischen ließ er Bars wieder schließen, im Unterschied zu anderen Gouverneuren des US-Südens ordnete er jedoch keine Maskenpflicht im öffentlichen Raum an.

Immer mehr Republikaner verzichten auf eine Teilnahme am Parteitag in Florida

Doch wie die Situation Ende August in Florida sein wird, kann im Augenblick niemand sagen. Eine Maskenpflicht für Innenräume besteht in Jacksonville schon seit Ende Juni. Und der republikanische Bürgermeister Lenny Curry hat bereits jetzt angekündigt, seine Partei unter gewissen Umständen darum zu bitten, doch wieder den Ort zu wechseln: Dann nämlich, wenn es in Jacksonville zu einem Corona-Ausbruch kommen sollte, den die Krankenhäuser nicht mehr bewältigen können. Dann dürfte auch der von Trump erwogene Umzug in ein Stadion unter freien Himmel keine Rolle mehr spielen.

Sollte der Parteitag trotz Corona in Florida über die Bühne gehen, ist nicht auszuschließen, dass Trump bei seinem Parteitag so ziemlich alleine vor Ort sein könnte. Schon sein mit viel Trara angekündigter Wahlkampfauftritt in Tulsa (Oklahoma) entpuppte sich ja als großer Reinfall, und der Versuch in Portsmouth (New Hampshire) ging komplett nach hinten los. Als sich nämlich abzeichnete, dass nicht allzu viele Trump-Fans auftauchen würden, wurde die Kundgebung kurzerhand einfach abgesagt – angeblich einer Unwetterwarnung wegen. Wer diese Vorhersage gestellt haben soll, bleibt allerdings unbekannt. Und am Tag der ursprünglich geplanten Veranstaltung? Schien die Sonne über dem Flughafen von Portsmouth.

Parteitage der Republikaner seit 2000Präsidentschaftskandidat
2000 in PhiladelphiaGeorge W. Bush
2004 in New YorkGeorge W. Bush
2008 in Saint PaulJohn McCain
2012 in TampaMitt Romney
2016 in ClevelandDonald Trump

Donald Trump kann sich einen Flop beim Parteitag in Florida nicht leisten

In Florida kann sich Trump so einen Flop nicht leisten. Doch Jacksoville hat sich inzwischen zum Corona-Hotspot entwickelt. Ob der Parteitag der Republikaner überhaupt dort abgehalten werden kann, ist mehr als fraglich. Die Begeisterung der Republikaner hält sich jedenfalls deutlich in Grenzen. So lässt Marco Rubio, der Florida ja immerhin als Senator im US-Kongress vertritt, seine Teilnahme noch offen, genauso wie Liz Cheney (Abgeordnete von Wyoming), die älteste Tochter des früheren Vizepräsidenten Dick Cheney. Auch die Senatoren Roy Blunt (Missouri), Pat Roberts (Kansas), Charles Grassley (Iowa), Lamar Alexander (Tennessee) und Susan Collins (Maine) planen laut „New York Times“ schon jetzt, auf eine Teilnahme zu verzichten. „Jeder geht davon aus, dass keiner teilnihemen wird“, sagte der Abgeordnete Darin LaHood aus Illinois. 

Das stimmt wahrscheinlich nicht, denn vor allem diejenigen, die ihre Karriere eng an Trump geknüpft haben, werden sicherlich nach Florida gehen – komme,was da wolle. „So ein Risiko muss man schon eingehen“, zitiert die „New York Times“ den Delegierten Morton Blackwell, der seit 1964 an jedem Parteitag teilgenommen hat. „Wir gehen jeden Tag Risiken ein. Wir fahren die Straße entlang und ein Betonmischer könnte in uns krachen. Du kannst nicht auf etwas verzichten, nur weil es schlecht ausgehen könnte.“ Ob er damit die Skeptiker überzeugen kann, bleibt allerdings fraglich. (Christian Stör)

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