Berater zweifeln am Präsidenten der USA

Donald Trump hat Corona: „Er kann das Land nicht schützen“

  • Tim Vincent Dicke
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Nach der Corona-Erkrankung von Donald Trump herrscht Chaos im Weißen Haus. Trump-Berater: „Die Leute verlieren den Verstand“

  • Donald Trump erkrankt an Corona, im Weißen Haus herrscht seitdem Angst und Panik.
  • Ein Berater berichtet von chaotischen Zuständen innerhalb des Machtzentrums der Vereinigten Staaten.
  • Trump-News: Alle Informationen und Neuigkeiten rund um den US-Präsidenten.

Washington – Donald Trump muss nach seiner Corona-Infektion Tage und Nächte im Krankenhaus verbringen. In einer Videobotschaft aus der Klinik sagte der 74-Jährige: „Ich fange an, mich wieder gut zu fühlen.“ Doch „die wahre Prüfung“ komme erst noch. Auch vom Leibarzt gab es keine Entwarnung: „Während er noch nicht über den Berg ist, bleibt das Team vorsichtig optimistisch“, erklärte Arzt Sean Conley. Im Weißen Haus sorgt die Erkrankung des US-Präsidenten, der sich zuvor in der Öffentlichkeit immer als unverwundbar dargestellt hatte, für Angst und Schrecken.

Weißes Haus nach der Corona-Infektion: Was passiert, wenn Präsident Donald Trump ausfällt?

Die Frage, die sich nun im Weißen Haus stellt: Was passiert, wenn Donald Trump ausfällt? Zudem wächst die Sorge, dass sich das Coronavirus innerhalb des Gebäudes weiter ausbreitet und die Regierungsgeschäfte möglicherweise lahm legen könnte.

Kayleigh McEnany und Mitarbeiter des Weißen Hauses tragen Masken.

Vor Trumps Infektionen schienen die Mitarbeiter Donald Trumps in einer Art Blase zu leben. Masken? Fehlanzeige. Abstand? Fehlanzeige. Hygieneregeln? Fehlanzeige. Zu beobachten war dieses Verhalten noch vor einer Woche bei der Vorstellung der umstrittenen Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für den Supreme Court. Die Gäste des US-Präsidenten saßen dicht an dicht auf ihren Stühlen im Rosengarten des Weißen Hauses, Mund-Nasen-Bedeckungen wurden kaum getragen, auch Umarmungen waren für viele kein Problem.

Donald Trump hat Corona, das Weiße Haus versinkt im Chaos – „Die Leute verlieren den Verstand“

Die Zeit der Sorglosigkeit im Weißen Haus ist mit Donald Trumps Erkrankung nun aber vorbei. Schließlich wächst die Zahl der Corona-Infizierten im Umfeld des Präsidenten stetig. Unter ihnen befinden sich drei republikanische Senatoren, Trumps Wahlkampfmanager Bill Stepien sowie sein Wahlkampfberater Chris Christie, Trumps Ex-Beraterin Kellyanne Conway und die Vorsitzende der Republikanischen Partei, Ronna McDaniel. Vor den vielen Ansteckungen war Trumps enge Mitarbeiterin Hope Hicks positiv getestet worden.

„Die Leute verlieren den Verstand“, so ein externer Berater gegenüber der „Washington Post“. Wenn sich sogar der US-Präsident mit dem Virus anstecke, sei jeder in unmittelbarer Gefahr. Auch die politischen Folgen seien gravierend. „Wir möchten nicht über Coronavirus sprechen, und jetzt sprechen wir über Coronavirus“, sagte er der Zeitung. Wie das alles auf die Bevölkerung wirke, sei auch klar. „Er kann das Land nicht schützen. Er konnte sich nicht einmal schützen.“

Donald Trump nach der Corona-Diagnose: Sein tatsächlicher Gesundheitszustand ist unklar

Unklarheit gibt es über den tatsächlichen Gesundheitszustand Donald Trumps. „Heute Morgen geht es dem Präsidenten sehr gut“, so sein Leibarzt am Samstag (03.10.2020) vor dem Walter Reed Krankenhaus. Ein Insider beschrieb den Zustand Trumps hingegen schlechter als offiziell dargestellt.

Das Militärkrankenhaus Walter Reed in Bethesda, in dem sich US-Präsident Donald Trump nach seiner Corona-Infektion aufhält.

Die wenig optimistische Einschätzung des anonymen, aber mit dem Zustand Trumps vertrauten, Insiders: „Die Werte des Präsidenten in den vergangenen 24 Stunden waren sehr besorgniserregend und die nächsten 48 Stunden werden entscheidend für seine Versorgung sein“, sagte die Person. „Wir sind immer noch nicht auf einem klaren Weg zu einer vollständigen Genesung“.

Donald Trump hat Corona: Weißes Haus veröffentlicht Fotos des arbeitenden Präsidenten der USA – Nur ein PR-Stunt?

Das Team von Donald Trump versucht derweil den Spekulationen um den Zustand des Präsidenten, Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Weiße Haus veröffentlichte Bilder, auf denen Trump im Krankenhaus arbeitend zu sehen sein soll. Sie sollen beweisen, dass sich der US-Präsident erhole. Die Fotos zeigen, wie Trump in unterschiedlichen Räumen Papiere liest und sie unterschreibt. Auf einem Bild trägt er eine Anzugjacke, auf einem anderen ein weißes Hemd. Kritiker sprechen jedoch von einem PR-Stunt.

Der Journalist Jon Ostrower will in den Exif-Daten – dort lassen sich die Aufnahmeinformationen von Fotos auslesen – der verwendeten Kamera entdeckt haben, dass zwischen den völlig unterschiedlich wirkenden Momentaufnahmen nur 10 Minuten gelegen haben. „Die vom Weißen Haus veröffentlichten Fotos des Präsidenten, der im Walter Reed arbeitet, wurden am Samstag im Abstand von 10 Minuten um 17.25.59 Uhr und um 17.35.40 Uhr aufgenommen“, schrieb er auf Twitter.

Journalist über Corona-Erkrankung von US-Präsident Trump: „Was wir nicht wissen, ist viel mehr als das, was wir wissen“

Fakt ist: Nicht nur innerhalb des Weißen Hauses, in der gesamten US-amerikanischen Bevölkerung ist die Unsicherheit groß. Der bekannte und erfahrene Journalist Dan Rather, der auch über den Watergate-Skandal berichtete, konstatierte: „Was wir nicht wissen, ist viel mehr als das, was wir wissen. Und wir haben eine Regierung, die vor langer Zeit ihre Glaubwürdigkeit verloren hat.“ (Von Tim Vincent Dicke)

Rubriklistenbild: © DREW ANGERER/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/GETTY IMAGES VIA AFP

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