US-Präsidentschaftswahl

Donald Trump will Allheilmittel gegen Corona kennen - Ärzte warnen vor verfrühter Zulassung

  • Delia Friess
    vonDelia Friess
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US-Präsident Donald Trump preist ein neues Medikament als Allheilmittel und spielt das Coronavirus wieder herunter. Was hat es mit dem Medikament auf sich?

  • Donald Trump präsentiert sich bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus als stark und genesen.
  • US-Präsident Trump lobt in einem Video ein neues Medikament als Wundermittel gegen das Coronavirus.
  • Trump will Zulassung beschleunigen und Medikament von Militär verteilen lassen.

Washington D.C. - In den letzten Monaten zeigte sich Donald Trump schnell begeistert von scheinbar einfachen und schnellen Wundermitteln gegen das Coronavirus. Die medizinische Wirksamkeit seiner Vorschläge scheint Trump dabei nicht immer umfassend bedacht zu haben. So schlug der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus vor, Desinfektionsmittel gegen das Coronavirus zu spritzen. Nachdem Expert*innen weltweit dringend von diesen lebensgefährlichen Maßnahmen abgeraten hatten, ruderte Donald Trump zurück und behauptete, diese Vorschläge sarkastisch gemeint zu haben.

Donald Trumps Corona-Infektion: US-Präsident sendet Video-Botschaft und präsentiert sich als stark

Nach der Corona-Infektion von US-Präsident Donald Trump und seiner Frau Melania Trump präsentiert sich der US-Präsident bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus kurz vor der US-Präsidentschaftswahl wieder als stark und genesen. Wie lange Donald Trump noch infektiös ist, und, ob bereits von einer vollständigen Genesung des US-Präsidenten gesprochen werden kann, darüber wird von Mediziner*innen von der Ferne aus gemutmaßt und ist umstritten, wie auch Medien in Deutschland berichten.

US-Präsident bekam Medikamenten-Cocktail, lobt aber nur ein Medikament als Allheilmittel

Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus wandte sich US-Präsident Donald Trump in einer Videobotschaft auf Twitter an seine Anhänger und amerikanische Bürger*innen. Zunächst scheint Trump, dem in der Vergangenheit vermehrt unterstellt worden ist, Selbstbräuner zu verwenden, in seiner Videobotschaft auch wieder darauf zu setzen, um einen gesünderen Eindruck zu vermitteln, so der Eindruck, der beim Schauen des Videos entstehen kann.

Gleichzeitig lobt Donald Trump euphorisch ein Medikament, das dem US-Präsidenten während seines Aufenthaltes in einem Militärkrankenhaus gegeben worden sein soll. Seine Genesung verdanke Donald Trump nach eigener Aussage vor allem diesem Medikament des Herstellers Regeneron. Trump sei ins Krankenhaus gegangen und habe sich nicht gut gefühlt, dann habe er [Trump] das Medikament von Regeneron genommen und sich wenig später „unglaublich und so viel besser“ gefühlt, so der US-Präsident in dem Video auf seinem Twitter-Kanal.

Donald Trump präsentiert sich nach seiner Entlassung aus dem Walter Reed Medical Center als stark und genesen.

Zunächst ist Donald Trump auch mit einer ganzen Reihe von Medikamenten wie Remdesivir behandelt worden, was er selbst erwähnt und dessen Wirkung gegen das Coronavirus bereits nachgewiesen worden sind. Trump aber behauptet, er verdanke seine Genesung hauptsächlich dem Antikörper-Medikament von Regeneron. US-Immonologe Anthony Fauci teilt diese Einschätzung, wies aber auch darauf hin, dass es auch andere Gründe für Trumps Genesung geben könne.

US-Präsident Donald Trump lobt Medikament: Will Regeneron von Militär verteilen lassen

Aber was ist dran an der Wirksamkeit des Medikamentes, das Trump hier als Allheilmittel gegen das Coronavirus lobt? Es handelt sich dabei um ein Antikörper-Medikament, das Coronaviren künstlich nachahmt und das Immunsystem des Patienten stärken soll. Entwickelt wurde es mit Zellen abgetriebener Föten. Allerdings ist das Medikament noch nicht zugelassen und es gibt nur wenige Studien zu der Wirksamkeit von Antikörper-Medikamenten gegen das Coronavirus. Auch weitere Pharmaunternehmen arbeiten an Medikamenten mit einem ähnlichen Wirkstoff, wie auch das Manager Magazin berichtet. Bisher gibt es nur eine Pressemitteilung des Unternehmens Regeneron zu Studienergebnissen über das Antikörper-Medikament: So hätten sich die Viruslast und Symptome bei Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren und nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, verringert, wie der Hersteller des Medikamentes auf seiner eigenen Website mitteilte.

Donald Trump kündigte in seiner Video-Botschaft an, das Medikament für alle US-Amerikaner*innen zur Verfügung zu stellen. Dafür wolle Trump eine Anweisung an die zuständige Zulassungsbehörde richten, das Medikament schneller zuzulassen, und im Anschluss US-Amerikaner*innen umsonst zur Verfügung zu stellen und vom Militär verteilen zu lassen.

Donald Trump will Medikament schneller zulassen: Ärzte weltweit schlagen Alarm

Dirk Sostman, der am Houston Methodist Hospital eine Studie zu dem Medikament leitet, kritisierte Trumps Plan, wie auch das Manager Magazin berichtet. Es gebe noch keine Basis für einen breiten Einsatz, sagte der Experte. Er sehe eher politische Absichten hinter Trumps Vorhaben. „Trump bekommt Covid, dann heilt amerikanische Technologie, von der Trump-Regierung gefördert, Covid.“, sagte der renommierte Mediziner.

Der Professor rechne mit Druck auf die Behörden für eine schnellere Zulassung des Medikaments. Das Vorhaben Trumps kritisieren auch deutsche Experten: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, hält es für „grob fahrlässig“, wenn die Behörden dem Drängen Trumps nachgeben würden, wie DIE WELT berichtet. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten riskiere man damit die Gesundheit der Patient*innen, sagte der Mediziner außerdem. Trotzdem gab es schon bei der Ebola-Epidemie gute Erfahrungen mit Antikörper-Medikamenten, wie auch das Manager Magazin berichtet. Weitere Kritik hagelt es von Wissenschaftlern aus der Zellenforschung. Die US-Regierung um Donald Trump hatte 2019 die Bundesfinanzierung für den Großteil der Forschungsarbeiten gestoppt, bei denen fetales Gewebe aus Abtreibungen verwendet wird.

Privilegierter US-Präsident verharmlose das Coronavirus und gefährde Menschenleben

Kritiker*innen des US-Präsidenten werfen Donald Trump immer wieder vor, das Coronavirus zu verharmlosen und somit die Gesundheit der US-Amerikaner*innen sowie Menschen weltweit zu gefährden. Als US-Präsident sei Trump zudem in der privilegierten Situation, genug Sicherheitspersonal, Räumlichkeiten und die beste medizinische Versorgung zu haben - Privilegien, die die wenigsten Menschen in den USA besitzen.

Die Aktien der Hersteller der Antikörper-Medikamente schossen derweil in die Höhe. CNN berichtete außerdem, dass der CEO von Regeneron Mitglied in Trumps Golfclub in New York sei. Der Hersteller hat indes einen Eilantrag für eine schnelle Zulassung gestellt. Zudem hätten sich Dutzende freiwillige Probanden für Studien mit dem neuen Medikament gemeldet. (Von Delia Friess)

Rubriklistenbild: © afp / SAUL LOEB

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