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Alina Habba: Donald Trumps Anwältin, die alle anderen fürchten

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Von: Natascha Terjung

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Donald Trump, ehemaliger Präsident der USA, schert bekanntlich eine Menge Anwälte um sich. Eine von ihnen ist jetzt mit viel Kritik aus den eigenen Reihen konfrontiert.

New York – Der ehemalige Präsident der USA, Donald Trump, hat derzeit eigentlich genug mit Prozessen und Ermittlungen zu tun – derzeit wird der Sturm auf das Kapitol untersucht. Nun scheint es Uneinigkeiten innerhalb der Anwalts-Gruppe von Donald Trump zu geben. Dabei geht es vor allem um eine Trump-Anwältin aus New Jersey, Alina Habba (38).

Bis vor kurzem sei Habba noch eher unbekannt gewesen, berichtet das US-amerikanische Portal The Daily Beast. Bevor sie Trumps Anwältin wurde, habe sie 2020 unter anderem im Namen mehrerer Pflegeheime in New Jersey wegen mutmaßlichen Missbrauchs der Patienten geklagt. Sie habe einen Studenten bei Gericht vertreten, der trotz digitalen Unterrichts wegen Corona die vollen Studiengebühren zahlen musste. Jetzt vertritt sie Donald Trump bei brisanten Gerichtsprozessen. Trump belastete sich kürzlich in dem Prozess gegen sein Sicherheitspersonal selbst.

Doch das gefällt laut Informationen von The Daily Beast nicht jedem rechtlichen Beistand von Trump: Viele seiner Anwält:innen, unter anderem Alan Garten, hätten geäußert, dass Alina Habba nicht wisse, was sie tue. Einige hätten zudem davon gesprochen, dass sie entlassen werden müsste. Manche seien der Auffassung, sie könnte dazu beitragen, dass Trump und seine Familie bei Gericht Verluste einstecken müssten. Diese Informationen sollen aus Gesprächen mit ehemaligen und aktuellen Anwält:innen sowie Vertrauten von Donald Trump stammen.

Donald Trumps Anwältin wird kritisiert: Kollegen waren von ihrem Verhalten bei Gericht beschämt

Habbas Entscheidungen und ihr Verhalten im Gerichtssaal sollen ihre Anwaltskollegen regelmäßig in Verlegenheit gebracht haben. Es gebe mehrere Gruppen-Chats, in denen sich über Habba ausgelassen worden sein soll. Als im Januar bereits Kritik an der Anwältin auf dem Nachrichtenportal Axios öffentlich wurden, gab Eric Trump, Donalds Trumps Sohn, eine Erklärung ab: „Alina Habba ist eine unglaublich kompetente Anwältin. Sie hat unser größtes Vertrauen und die nötige Kraft, es mit einigen der politisch korruptesten und unethischen Institutionen dieses Landes aufzunehmen.“

Die Anwältin Alina Habba des Ex-US-Präsidenten Donald Trump bekommt heftige Kritik aus Trump-Kreisen.
Die Anwältin Alina Habba des Ex-US-Präsidenten Donald Trump bekommt heftige Kritik aus Trump-Kreisen. © Brandon Bell/dpa

Doch warum ist Habba trotz der Kritik ihrer Kollegen weiterhin Teil von Trumps Anwalts-Gruppe? The Daily Beast berichtet, es läge am ehemaligen Präsidenten. In seinem privaten Umfeld habe er öfter von ihrem Aussehen geschwärmt und wie sehr sie Trump „liebe“. Zudem sei Habba das Sprachrohr Trumps, wie es auch Rudy Giuliani und Sidney Powell gewesen waren – das habe ein weiterer Anwalt gesagt. Er habe auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Anwältin aus New Jersey dasselbe Schicksal wie Giuliani und Powell ereilen könnte: Beide haben sich in Disziplinarverfahren verantworten müssen.

Das ist Donald Trump: Unternehmer und Politiker

Habba sei nun auch Trumps persönliche Prozessanwältin. Ihr Verhalten im Gerichtssaal ähnele dabei einer komödiantischen Darstellung – ihre Anwaltskollegen erinnere das an einen Fernsehauftritt. „Wer Anwalt sein will, hält sich an die Fakten des Falles. Man hält sich an das Gesetz. Wenn man in einer Nachrichtensendung auftreten will, dann gehört man auch dorthin“, wird einer der Anwält:innen zitiert.

Interner Streit bei Trump-Anwälten: Alina Habba wurde bei Gericht mehrfach gerügt

Habba habe kürzlich bei einem New Yorker Gericht ihr Vorgehen zur Schau gestellt: Sie habe sich dagegen ausgesprochen, Trump vor der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James aussagen zu lassen, indem sie die gesamte Untersuchung als Verleumdung bezeichnet und bissige und absurde Reden gehalten habe. Außerdem sei Habba wiederholt von einem Gerichtsschreiber gerügt worden, weil sie den Richter unterbrochen und über ihn geredet haben soll. Doch nicht nur das: Die 38-Jährige habe einen Gerichtsantrag unterzeichnet, in dem Behauptungen aufgestellt wurden, die am nächsten Tag durch eine öffentliche Erklärung Donald Trumps widerlegt worden seien.

Gerichtsakten besagten, Trump leugne gewusst zu haben, wie sein Markenwert benutzt wurde, um den Wert von Geschäftsimmobilien zu erhöhen. Trump habe aber öffentlich darüber gesprochen, wie er den Wert einiger Immobilien im Jahr 2014 manipuliert habe. Die Anwält:innen von Letitia James‘ Büro haben daraufhin den Richter aufgefordert, Trumps Aussagen als Eingeständnis zu bewerten. Das habe Trump dazu gezwungen, wegen Bankbetruges und Steuerhinterziehung auszusagen.

Donald Trumps Anwältin Alina Habba schadet Trump und seiner Familie bei Gericht, sagen Anwalts-Kollegen über sie.
Donald Trumps Anwältin Alina Habba schadet Trump und seiner Familie bei Gericht, sagen Anwalts-Kollegen über sie. © Evan Vucci/dpa

Donald Trumps Anwältin Alina Habba wettert im US-amerikanischen Fernsehen gegen Rechtssystem

Alina Habba tauchte 2021 laut The Daily Beast zum ersten Mal in der Trump-Szene auf. Als der bekannte New Yorker Anwalt Marc Kasowitz sich von der Vertretung des ehemaligen Präsidenten in mehreren Gerichtsverfahren zurückzog, übernahm sie die Verantwortung. Im November war Habba an Trumps Verteidigung gegen die Journalistin E. Jean Carroll beteiligt, die behauptete, Trump habe sie in den Neunziger Jahren vergewaltigt und dann wegen Verleumdung verklagt, als er sagte, sie habe gelogen. In diesem Fall habe die 38-jährige Anwältin eine neuartigere Strategie verfolgt und behauptet, Trump praktiziere die durch New Yorker Gesetze geschützte Meinungsfreiheit, als er auf einem Podium im Weißen Haus sagte: „Sie ist nicht mein Typ“. Zudem habe er erklärt, Carroll habe lediglich versucht, ein neues Buch verkaufen. 

Habba machte kürzlich vor allem mit Fernsehauftritten bei Fox News und Newsmax auf sich aufmerksam: Sie habe gegen das Rechtssysem gewettert, das nach ihrer Auffassung zum Nachteil für Konservative sei. Dass Anwält:innen von bekannten Menschen im Fernsehen über ihre Fälle sprechen, sei zwar nicht ungewöhnlich. Jedoch würden sie selten die Richter angreifen. Doch Habba scheint das als Taktik zu nutzen. So habe sie zum Beispiel bei einem Auftritt bei Newsmax über den New Yorker Richter Arthur F. Engoron gesagt: „Letztlich ist das das Problem mit dem Staat New York. Donald Trump kann keinen fairen Richter finden, der ihn zu dem anhört, was wirklich vor sich geht.“ (ter)

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