Kritischer Bericht

Donald Trump: US-Präsident lässt sich zu Antisemitismus hinreißen

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Donald Trump bedient häufig antisemitische und rassistische Klischees. Trotzdem will der Präsident die jüdischen Wählerinnen und Wähler Amerikas für sich gewinnen.

  • Bericht sammelt rassistische und antisemitische Kommentare von Donald Trump.
  • Rechtsradikale und Nationalisten unterstützen den US-Präsidenten.
  • Donald Trump News: Hier finden Sie alle wichtigen Infos zum 45. US-Präsidenten.

Washington – Ein großer Bericht der Washington Post sammelt Vorfälle über rassistische und antisemitische Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump. Der fiel bereits in der Vergangenheit mit antisemitischen Erzählmustern und rassistischen Kommentaren auf, zudem wird er von erklärten Rechtsradikalen und Antisemiten unterstützt. Trotzdem versucht der Präsident, die jüdische Wählerschaft in den USA für sich zu gewinnen und nutzt dafür auch seinen außenpolitischen Einfluss.

45. Präsident der Vereinigten Staaten:Donald Trump
Partei:Republikanische Partei
Geboren:14. Juni 1946 (Alter 74 Jahre), Jamaica Hospital Medical Center, New York City, New York, Vereinigte Staaten
Ehepartnerinnen:Melania Trump (verh. 2005), Marla Maples (verh. 1993–1999), Ivana Trump (verh. 1977–1992)
Kinder:Ivanka Trump, Barron Trump, Donald Trump Jr., Tiffany Trump, Eric Trump

Donald Trump: Rassismus und Antisemitismus – Bericht dokumentiert Äußerungen des US-Präsidenten

Für einen ausführlichen Bericht vom 23. September hat die Washington Post mit vielen aktuellen oder ehemaligen Angestellten von Donald Trumps Regierung gesprochen. Darin werden unzählige Kommentare des US-Präsidenten zitiert, die dieser hinter verschlossenen Türen gemacht haben soll. Unter anderem habe Trump gesagt, dass Schwarze Menschen „hauptsächlich selbst Schuld an ihrem Kampf für Gleichberechtigung“ seien. In der Öffentlichkeit gibt Trump stets an, kein Rassist zu sein.

Auch antisemitische Kommentare soll der Präsident getätigt haben. Nach einem Gespräch mit einem jüdischen Abgeordneten soll Donald Trump gesagt haben, dass Juden sich „nur gegenseitig“ unterstützen würden und ihre ethnische Loyalität untereinander über jede andere stellen würden. Auch bei öffentlichen Veranstaltungen äußerte Trump sich schon antisemitisch.

Der widersprüchliche Antisemitismus des US-Präsidenten Donald Trump

Beim Israeli American Council in Hollywood (Florida) im Dezember 2019 präsentierte sich Donald Trump als starker Freund Israels. Doch selbst bei seiner Ansprache dort konnte Trump nicht auf „antisemitische und rassistische Reflexe […] verzichten“ wie Daniel Killy für die Jüdische Allgemeine schrieb. Killy kritisierte vor allem, dass Trump die klassische Erzählung vom Juden, für den nur Geld zähle, wiederholt in seiner Rede benutzte.

Im starken Widerspruch zu Donald Trumps Antisemitismus steht dessen starkes Eintreten für Israel. Beim Israel American Council prahlte der Präsident mit seinen politischen Bemühungen für Israel, darunter waren der Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran, die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem und die Anerkennung der israelischen Souveränität über die Golanhöhen.

Donad Trump besucht die Klagemauer bei einem Besuch in Jerusalem.

Laut Killy gehe es Donald Trump bei den Jüdinnen und Juden Amerikas nur darum, ob sie ihn wählen. „Gute Juden, böse Juden, es kommt einzig darauf an, ob sie ihm nützen“, resümiert Killy. Den amerikanischen Juden, die die demokratische Partei wählen, würde er Illoyalität gegenüber Israel unterstellen. Damit bemüht Trump das Klischee der „doppelten Loyalität“Juden seien gegenüber dem Land, in dem sie leben nicht so loyal wie gegenüber Israel. Trump treibt die Erzählung auf die Spitze, indem er jeden Juden Amerikas als „guten Juden“ zum Wählen der Republikaner zwingen möchte – schließlich setze er sich stark für Israels Belange ein – und das müsse ein „guter“ Jude einfach gutheißen.

Ivanka Trump ist die erste jüdische Präsidententochter im Weißen Haus

Donald Trump ist der erste US-Präsident, mit dessen Familie jüdische Amerikaner in das Weiße Haus einzogen. So wie auch seine ehemalige Konkurrentin Hillary Clinton hat Trump eine Tochter, die einen jüdischen Mann geheiratet hat. Laut USA Today spricht Donald Trump stolz von seiner zum Judentum konvertierten Tochter Ivanka und seinen drei jüdischen Enkelkindern. Ivanka Trump heiratete am 25. Oktober 2009 den amerikanischen Immobilienentwickler, Medienunternehmer und Finanzinvestor Jared Kushner. Vorher konvertierte Sie zum Judentum.

Antisemiten und Rechtsradikale unterstützen Donald Trump

Laut eines Berichts der Jewish Telegraphic Agency identifizieren sich einige von Trumps Unterstützter mit antisemitischen Erzählungen der „Alt-Right“ – einer Bewegung ähnlich der europäischen Neuen Rechten mit starken Überschneidungen zu den Identitären. Als einer der Protagonisten der „Alt-Right“ Bewegung gilt Gavin McInnes, Chef der rechtsradikalen „Proud Boys“. Zudem bekam Donald Trump Unterstützung von dem prominenten Neonazi und Politiker David Duke.

Im Bericht der Washington Post heißt es auch, dass Menschen mit rechtsradikalen und nationalistischen Ansichten eher Donald Trump unterstützen. Dem Präsidenten wird häufig vorgeworfen, sich rassistisch zu äußern, Rassisten zu unterstützen oder rassistische Gewalt nicht angemessen zu verurteilen. Die meisten dieser Vorfälle sind belegt, Trump nutzt auch bei seinen öffentlichen Auftritten rassistische Klischees und Formulierungen. (Von Enno Eidens)

Rubriklistenbild: © MANDEL NGAN/AFP

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