Widerstand im direkten Umfeld

Donald Trump vor US-Wahl im Angriffsmodus: „Die Presse ist der Feind der Leute“

  • vonMirko Schmid
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Mit einem Kommentar direkt aus dem Weißen Haus brachte „Anonymous“ Donald Trump einst viel Ärger ein. Jetzt macht sich Trump über den „Maulwurf“ lustig und beleidigt die Presse.

  • Im Jahr 2018 enthüllte ein anonymer „Maulwurf“ aus dem Umfeld von Donald Trump Missstände im Weißen Haus.
  • Jetzt hat sich der Informant und Trump-Kritiker selbst enttarnt - es ist Miles Taylor.
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Update von Donnerstag, 30.10.2020, 11.40 Uhr: Donald Trump macht sich über Miles Taylor lustig. Im Rahmen seines Wahlkampfauftritts in Tampa, Florida, zog der Präsident jetzt über den ehemals anonymen Informanten her, der im Jahr 2018 in einem kritischen Kommentar Missstände in der Regierung angeprangert hatte.

Als der Kommentar in der „Fake New York Times“ veröffentlicht wurde, wurde ihm gesagt, ein hochrangiger Offizieller im Weißen Haus würde hinter dem „Anonymous“ stecken. Stattdessen sei es mit Tayler nur ein „kleines Licht“ gewesen, ein Stabsmitglied, das „nicht einmal im Weißen Haus gearbeitet“ habe. Er kenne ihn nicht, auch wenn er ihm vielleicht einmal begegnet sei.

Trump in Tampa, Florida: Der „Anonymous“ aus seinem Umfeld, Miles Taylor, sei ein kleines Licht - und auf ihn komme einiges zu.

Ja, es gebe ein Foto, das Miles Taylor neben Donald Trump im Weißen Haus zeige. Aber von solchen Fotos gäbe es „tausende“ mit verschiedensten Leuten. Dann zog Trump über die Presse her. „Wir haben Probleme mit der Presse. Die Presse ist der Feind der Leute“, so der US-Präsident, der sich am Dienstag, den 03. November, der Wahl stellen muss.

Anschließend fragte Donald Trump sein Publikum rhetorisch: „Wisst ihr, wo der jetzt arbeitet? Bei CNN! Da drüben!“ Seine dicht gedrängten Anhänger:innen, die meisten ohne Maske, antworteten Trump mit wütenden Sprechchören gegen den Nachrichtensender. Dann setzt der Präsident noch einen drauf: „Und wisst ihr, für wen er noch arbeitet? Für Google! Die sollten ihn feuern, auf ihn wird einiges zukommen.“

Erstmeldung von Donnerstag, 29.10.2020, 14.21 Uhr: USA - Der anonyme hochrangige Beamte der Trump-Administration, der sich im Jahr 2018 mit einem viel beachteten Kommentar (Titel: „Ich bin Teil des Widerstands in der Trump-Administration“) in der New York Times und mit einem Buch über Donald Trump gegen den Präsidenten gestellt und dessen Führung harsch kritisiert hat, ist Miles Taylor. Taylor war Stabschef im Ministerium für nationale Sicherheit der USA unter Ministerin Kirstjen Nielsen.

Der „Maulwurf“ aus dem direkten Umfeld von Donald Trump ist enttarnt.

Miles Taylor, ehemaliger Stabschef im Heimatschutzministerium, outet sich als „Maulwurf“ aus dem Umfeld von Donald Trump

Miles Taylor beschreibt in einem am Mittwoch (28.10.2020) erschienenen Statement ausführlich seine Motivation, Donald Trump öffentlich anzuprangern. Außerdem erklärt Taylor, warum er es vorzog, zunächst anonym zu bleiben. Er habe die Anonymität gewählt, um Trump mit den eigentlichen Vorwürfen zu konfrontieren und dem Präsidenten die Möglichkeit zu entziehen, von den Anschuldigungen abzulenken, indem er den Ankläger verächtlich mache und diesen öffentlich denunziere.

„Es wurde viel darüber gesprochen, dass diese Schriften anonym veröffentlicht wurden. Die Entscheidung war nicht einfach, ich habe damit gerungen, und ich verstehe, warum manche Leute es für fragwürdig halten, unter dem Deckmantel der Anonymität so schwerwiegende Anklagen gegen einen amtierenden Präsidenten zu erheben. Aber meine Argumentation war deutlich und direkt und ich stehe zu ihr“, schreibt Taylor. „Ich wollte, dass die Aufmerksamkeit auf die Argumente selbst gerichtet wird.“

Als „Maulwurf“ im Team Donald Trump wurden unter anderem Melania und Ivanka Trump verdächtigt

Taylor, der seit September 2020 für den Nachrichtensender CNN arbeitet, hatte noch im August gegenüber dem dort angestellten Moderator Anderson Cooper abgestritten, der „Anonymous“ aus dem Umfeld von Donald Trump gewesen zu sein. Die direkte Nachfrage Coopers tat Taylor damals mit der flapsigen Aussage „Ich trage aus zwei Gründen eine Maske: An Halloween und in einer Pandemie“ ab.

Mit Miles Taylors „Outing“ endet eines der größten Rätsel der Amtszeit von Präsident Donald Trump. Trump reagierte 2018 höchst verärgert auf die anonym veröffentlichten Vorwürfe und forderte den damaligen Generalstaatsanwalt Jeff Sessions auf, in der Sache zu ermitteln. In der Folge sei es im Weißen Haus zu einer regelrechten Jagd auf den „Anonymous“ gekommen, Jake Tapper und Jeremy Herb sprechen in einem auf der Website von CNN veröffentlichten Artikel von einer Art Gesellschaftsspiel, das sich darum drehte, wer den „Maulwurf“ zuerst enttarnt.

NameMiles Taylor
ParteiRepublikaner
AusbildungMPhil International Relations
BerufPolitik-/Sicherheitsexperte, CNN

CNN stellte im September 2018 eine Liste mit 13 Namen zusammen, welche auf Basis des Schreibstils und der Motivation infrage kämen - darunter Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway, sein Stabschef John Kelly, Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen, Verteidigungsminister James Mattis - die sich alle nicht mehr im Amt befinden. Außerdem Vizepräsident Mike Pence, First Lady Melania Trump und „Javanka“, also das Duo aus Donald Trumps Tochter Ivanka Trump und ihrem Ehemann, Jared Kushner. Alle hätten eine eigene Motivation, dem Präsidenten in seiner Arbeit zu schaden, analysierte CNN-Autor Chris Cillizza. Dass er mit Kirstjen Nielsen nur knapp vorbeitippte, konnte Cillizza zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht wissen.

Taylor über Donald Trump: „Ein Mann ohne Charakter“

Taylor erklärt in dem kürzlich erschienen Statement auch seine Motivation, die Missstände im Weißen Haus öffentlich zu machen. Er sei Republikaner, deswegen habe er zunächst gewollt, dass Donald Trump möglichst erfolgreich arbeitet. Seine Meinung kippte allerdings schnell: „Zu oft in Krisenzeiten hat Donald Trump bewiesen, dass er ein Mann ohne Charakter ist, und seine persönlichen Mängel haben zu Führungsfehlern geführt, die so bedeutend sind, dass sie an verlorenen amerikanischen Leben gemessen werden können.“

Im Programm von CNN sprach Taylor am Mittwochabend (28.10.020) mit Chris Cuomo und griff Donald Trump erneut an. Der Präsident habe „eine Kultur der Einschüchterung geschaffen.“ Gegen Kritiker werde hart vorgegangen, Mitarbeiter würden damit bedroht, dass Trump Befugnisse seines Büros zu nutzen wüsste, um sie zu bestrafen. „Für den Präsidenten der Vereinigten Staaten ist Kritik an ihm tückisch und subversiv“, beschrieb der ehemalige „Maulwurf“ Trumps Amtsführung. 

Kayleigh McEnany, Pressessprecherin von Donald Trump, nennt Taylor einen „Lügner und Feigling“

Der Trump-Kritiker sei zuversichtlich, dass sich noch mehr Mitarbeiter aus dem Kreis der Regierung gegen Donald Trump aussprechen würden, schließlich hätten dies bereits mehrere hochrangige Beamte seit ihrem Ausscheiden aus der Verwaltung auf unterschiedliche Weise getan. Taylor kritisierte weiterhin die Amtsführung des Präsidenten direkt: „Ich habe Trumps Unfähigkeit gesehen, seine Arbeit über zweieinhalb Jahre innerhalb der Verwaltung zu erledigen. Alle haben es gesehen, aber fast alle schwiegen aus Angst vor Repressalien.“ Anstatt sich intern zu Wort zu melden, arbeiteten viele Mitarbeiter im Weißen Haus „fleißig“ daran, Teile von Trumps Agenda zu verhindern, um dessen „schlimmste Neigungen“ in Bahnen zu lenken.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, erklärte im Anschluss an Taylors Selbstenttarnung, dass „dieser niedrigrangige, verärgerte ehemalige Mitarbeiter ein Lügner und ein Feigling“ sei, der die Anonymität gewählt habe statt zu handeln und lieber „leakt als leitet“. Donald Trump selbst behauptete in einem Tweet, er würde Miles Taylor gar nicht kennen. Er habe nie von ihm gehört. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © RICARDO ARDUENGO/afp

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