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„Er hasst mich“: Das sagen Vertraute und Kontrahenten über Trumps Richter

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Von: Katja Saake

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Ex-Präsident Trump trifft bei der Anklageverlesung in New York auf einen Bekannten. Wer ist Richter Merchan, dem Trump Befangenheit und persönlichen Hass vorwirft?

New York - Am morgigen Dienstag (4. April) wird in den USA Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal wird ein ehemaliger US-Präsident vor Gericht stehen. Um 14.15Uhr (20.15 Uhr MESZ) soll Donald Trump laut US-Medien vor der Staatsanwaltschaft in New York erscheinen. Dort wird die Anklageschrift verlesen und Trump hat die Möglichkeit, auf schuldig oder nicht schuldig zu plädieren. Der Ex-Präsident weist bisher jedoch jegliches Fehlverhalten im Falle einer Schweigegeldzahlung an eine Erotikdarstellerin vor der US-Präsidentschaftswahl 2016 von sich.

Trump-Anklage in den USA erwartet
Protest gegen Trump: „Niemand steht über dem Gesetz“ © Eduardo Munoz Alvarez/dpa

Trump vor Anklage in New York: Richter hasse ihn

Für das Gerichtsverfahren wird Juan Merchan, Richter am Obersten Gerichtshof von New York, zuständig sein. Trump warf ihm vor, ihn zu hassen und von der Staatsanwaltschaft „handverlesen“, also gezielt gegen ihn ausgewählt, worden zu sein: „Der Richter, der meinem Hexenjagd-Fall ‚zugeteilt‘ wurde, einem ‚Fall‘, der NIEMALS zuvor angeklagt wurde, HASST MICH“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.

Trump kündigte an, Einspruch gegen Merchan wegen angeblicher Befangenheit einzulegen. Der ehemalige US-Präsident warf dem Richter auch vor, sich unredlich in einem Gerichtsverfahren wegen Steuerbetrugs verhalten zu haben, das dieser gegen die Trump Organization geführt hatte. Dabei war Trumps langjähriger Finanzchef Allen Weisselberg zu fünf Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte sich vor dem Prozess schuldig bekannt.

„Er hat Allen unter Druck gesetzt, was einem Richter nicht erlaubt ist, und meine Firmen, die nicht [auf schuldig, Anmerkung der Redaktion] ‚plädiert‘ haben, BÖSE behandelt“, so Trump. Merchan verurteilte die Trump Organization zu einer Zahlung von 1,6 Millionen Dolllar, nachdem die Geschworenen in dem Fall ihr Urteil gefällt hatten.

Ex-Präsident Trump trifft auf Bekannten: Klage gegen Vertrauten Steve Bannon

Das war jedoch nicht das einzige Mal, dass Trumps Umfeld mit Richter Merchan in Kontakt gekommen ist: Auch gegen seinen langjährigen Vertrauten, den rechten Ideologen Steve Bannon, leitet Merchan aktuell noch ein Verfahren. Dem ehemaligen Berater Trumps wird die Veruntreuung von Spendengeldern vorgeworfen, die im Zusammenhang mit einer geplanten Grenzmauer nach Mexiko gesammelt worden waren. Die Anklage lautet auf Geldwäsche, Verschwörung und Betrug.

Im Gegensatz zu Trump äußerten sich viele Anwälte, die in Gerichtsverfahren auf Merchan trafen, positiv über die Arbeitsweise des Richters: „Seine Treue zum Gesetz und sein Bestreben, es richtig zu machen, verleihen ihm diese Art von moralischer Absicht, die es zu einer Freude macht, vor ihm zu praktizieren“, sagte Jose Fanjul, ein ehemaliger Manhattaner Staatsanwalt, der New York Times

Klage gegen Ex-Präsident Trump: Richter hart aber fair

Selbst der Anwalt, der Trumps Finanzchef Weisselberg im Prozess vertreten hatte, Nicholas Gravante, sagte CNN: „Richter Merchan war effizient, praktisch und hörte sich aufmerksam an, was ich zu sagen hatte“. Weiter sagte der Anwalt: „Er behandelte mich und meine Kollegen mit größtem Respekt, sowohl vor Gericht als auch hinter verschlossenen Türen.“ Merchan wird in Medienberichten als hart, aber fair beschrieben.

Außerdem sei er dafür bekannt, dass er die Kontrolle über seinen Gerichtssaal behalte, selbst wenn seine Fälle beträchtliche Aufmerksamkeit erregen: Merchan lasse „nicht zu, dass die Staatsanwälte oder die Angeklagten in seinem Gerichtssaal irgendwelche Probleme verursachen. Er lässt keinen Medienzirkus oder irgendeine andere Art von Zirkus zu. Ich glaube nicht, dass ein Donald Trump, der ihn angreift und bedroht, sich im Gerichtssaal gut für ihn macht“, sagte Karen Friedman Agnifilo, die als stellvertretende Bezirksstaatsanwältin in der Staatsanwaltschaft von Manhattan arbeitete und Fälle überwachte, in denen Merchan den Vorsitz führte.

Protest gegen Trump in New York
Demonstration bei einer Verhandlung gegen die Trump Organization. © Gina M. Randazzo /dpa

US-Erfolgsgeschichte: Aufstieg vom Tellerwäscher zum Richter

Wie die New York Times berichtete, wurde Richter Merchan in Bogotá in Kolumbien geboren und kam im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern in die USA. Dort sei er in Jackson Heights in New York City in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, wie die Zeitung unter Berufung auf Personen aus dessen näherem persönlichen Umfeld schreibt. Merchans Vater sei in Kolumbien Militäroffizier gewesen und für den Geheimdienst des Landes tätig gewesen. In New York habe er dann als Nachtspüler im alten Americana Hotel in Manhattan gearbeitet.

Merchans Mutter habe einfache Jobs ausgeführt, wie das Verpacken von Lebensmitteln für Flugmahlzeiten oder die Arbeit in Reißverschluss- und Spielzeugfabriken. Bereits mit neun Jahren soll Merchan - das jüngste von sechs Kindern - angefangen haben, neben der Schule zu arbeiten: Er spülte Geschirr oder lieferte Lebensmittel aus. Er sei dann der erste in seiner Familie gewesen, der studierte - zunächst Betriebswirtschaft am Baruch College in New York und dann Rechtswissenschaften an der Hofstra University School of Law.

1994 habe er dann seine juristische Laufbahn als stellvertretender Bezirksstaatsanwalt in Manhattan begonnen. Er arbeitete am Verwaltungsgericht des Staates New York und am Familiengericht in der Bronx. Seit 2009 leitet Merchan als Richter Verhandlungen am Obersten Gerichtshof von New York. Ein Aufstieg vom Tellerwäscher zum Richter. (kasa/AFP/dpa)

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