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Donald Trump besucht die US-Armee in Afghanistan (Archivfoto)
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Die Regierung von Donald Trump hatte einen vollständigen Abzug offenbar nie beabsichtigt, behauptet der ehemalige Verteidigungsminister Christopher Miller.

Truppenabzug

Tricks des Donald Trump: Abzug der US-Truppen aus Afghanistan nie beabsichtigt

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Donald Trump wollte nie aus Afghanistan raus. Sagt zumindest sein letzter Verteidigungsminister. Alles sei nur ein „Schachzug“ gewesen.

Washington, D.C. – Im Rahmen eines Abkommens mit den Taliban verkündete der damalige US-Präsident Donald Trump im Februar 2020, ab Mai 2021 nach und nach alle Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Gleichzeitig verpflichtete sich die radikal-islamistische Bewegung, die USA und Verbündete vor dem Terrornetzwerk al-Kaida zu schützen.

Doch laut Christopher Miller, letzter Verteidigungsminister unter Donald Trump, war ein solcher Truppenabzug nie beabsichtigt. Miller spricht von einem „Schachzug“, um die wahren Intentionen der US-Regierung zu verdecken.

Donald Trump: Vollständiger Truppenabzug aus Afghanistan angeblich nie beabsichtigt

Mit dem Versprechen des Truppenabzugs wollten Donald Trump und seine Regierung den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani von einem Rücktritt oder einem Machtteilungs-Abkommen mit den Taliban überzeugen, damit auch weiterhin US-Truppen für Terrorismus-Bekämpfung im Land bleiben. Das teilt Christopher Miller dem Nachrichtenportal Defense One mit. Miller sagt, er habe im Nationalen Sicherheitsrat 2019 eine Strategie ausgearbeitet, nach der 800 Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan stationiert bleiben sollten.

Ende 2020, als Miller Verteidigungsminister war, hätten viele Regierungsbeamt:innen erwartet, dass die USA eine neue afghanische Regierung zusammenstellen würden, die in erster Linie aus Vertretern der Taliban besteht. Diese Regierung würde die US-Truppen in Afghanistan dulden, um das afghanische Militär zu unterstützen und Terrorismus zu bekämpfen.

Der Plan sei vor allem an Trumps Niederlage in der Präsidentschaftswahl gescheitert, die Joe Biden für sich entscheiden konnte. Trotz Donald Trumps Versprechen und einem in der Bevölkerung und Politik wachsenden Wunsch, den Krieg zu beenden, ließen dem Demokraten demnach nur zwei Möglichkeiten: Entweder könne Joe Biden Tausende Soldat:innen in einer vergeblichen Mission zurück nach Afghanistan schicken, oder aber den Abzug der Truppen schnell vollziehen.

Afghanistan: Trump-Regierung wollte neue Regierung bilden – mit den Taliban

Donald Trumps Abkommen, alle Truppen zum 1. Mai 2021 abzuziehen, sei nur eine Verhandlungstaktik gewesen, so Miller. „‚Ghani muss mit den Taliban zurechtkommen‘“, lautete die Strategie Millers Angaben zufolge. „Und es wäre keine 50:50-Teilung der Macht zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban gewesen. Das wussten wir. Sondern eher 75:25 (Mehrheit Taliban).

Christopher Miller, ehemaliger Verteidigungsminister der USA. (Archivfoto)

Und dann dreht man das zu einer Übergangsregierung um.“ Das sei die Einschätzung von US-Verhandlungsführer Salmai Khalilsad gewesen. Die Pläne des Truppenabzugs wurden schließlich bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Feburar 2020 vorgestellt. Dabei waren Khalilsad, Präsident Ghani, Millers Vorgänger Mike Esper und Mike Pompeo, Außenminister unter Donald Trump.

In einem Interview mit Fox News am Montag sagte Pompeo, dass die USA von den Taliban verlangt hätten, die Bedingungen des Abkommens einzuhalten, darunter auch eine Teilung der Macht mit der afghanischen Regierung. „Wir taten uns schwer, sie dazu zu bringen, aber stellten klar, dass es eine Voraussetzung für einen vollständigen Abzug ist“, so Pompeo.

Christopher Miller betont, dass ein vollständiger Truppenabzug nie vorgesehen gewesen sei. Der „Schachzug“ war es, Präsident Ghani davon zu überzeugen, eine Übergangskoalition mit den Taliban einzugehen oder zurückzutreten, wie die Islamisten gefordert hatten. Die Loja Dschirga, eine große traditionelle Versammlung in Afghanistan, hätte diese neue Regierung offiziell bestätigen sollen. Zahlreiche Ämter wären demnach an die Taliban gegangen. US-Truppen wären offiziell zum Zweck der Terrorismus-Bekämpfung im Land geblieben.

Afghanistan: Plan einer gemeinsamen Regierung mit Taliban gescheitert

„Es wäre keine bedingungslose Kapitulation gewesen“, sagt Miller. „Wir hätten Ghani hart gedrängt, einen Deal mit den Taliban einzugehen. Es wäre hässlich gewesen. Es wäre nicht toll gewesen. Aber es gab keinen Plan, einfach abzuziehen.“ Das Vorhaben begründet Miller damit, dass sich die Taliban und ihre Gegner in Afghanistan in einer Pattsituation befunden hätten.

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Die vorgesehenen Verhandlungen hätten die Taliban bei einem Vormarsch zudem bremsen können. Auch eine Evakuierung der US-Botschaft, hätten die Taliban weitergekämpft, wäre geordneter vonstatten gegangen. Dass die Taliban zustimmen würden, US-Truppen in Afghanistan zu dulden, hält ein nicht genannter Regierungsbeamter unter Donald Trump allerdings für „Wunschdenken“, berichtet Defense One.

Bei einem Treffen Christopher Millers mit Aschraf Ghani Ende 2020 fanden die Abzugspläne von Donald Trump Zuspruch, wie der ehemalige Minister berichtet. Miller habe Anfeindungen erwartet, stattdessen habe sich Ghani bei den USA für den Einsatz bedankt. „Ihr habt so viel getan“, wird der Präsident zitiert.

Das habe bei Vizepräsident Amrullah Saleh ganz anders ausgesehen. „Das wird schlecht werden. Wenn das passiert, kehrt al-Kaida zurück“, soll er gesagt haben. Die US-Regierung habe mögliche negative Konsequenzen eines Abzugs nie direkt angesprochen. „Zu sagen ‚Wird eure Armee auseinanderfallen?‘ wäre nicht angemessen gewesen. Aber das haben wir eigentlich alle gedacht“, erzählt Miller.

Nach US-Truppenabzug: Taliban gelangen in Afghanistan an die Macht

Am Samstag (14.08.2021) räumte Christopher Miller ein, dass eine für immer andauernde US-Unterstützung der afghanischen Regierung unmöglich sei. Der rasante Vormarsch der Taliban sei seiner Ansicht nach jedoch zu verhindern gewesen, wenn die Biden-Regierung Prognosen der Militär- und Sicherheitsexperten berücksichtigt hätten, behauptet er.

„Ich hatte immer das Gefühl, dass es ein strategischer Fehler war, den Krieg auszuweiten. Ich dachte, der Krieg sei für Spezialoperationen gedacht, die einen kleinen Fußabdruck hinterlassen“, heißt es vom ehemaligen US-Verteidungsminister, der selbst Militärerfahrung hat. In den Geheimdiensten seien viele Beamt:innen davon ausgegangen, dass es möglich sei, den Krieg in Afghanistan „kleiner“ und „nachhaltiger“ zu führen.

Christopher Miller und der Nationale Sicherheitsrat seien damals zahlreiche Szenarien und Strategien durchgegangen, um einschätzen zu können, wie viel US-Militäreinsatz in Zukunft benötigt werde. Sie seien zum Schluss gekommen, dass 800 Soldat:innen genügen. Mark Milley, US-General, soll Joe Biden im März mitgeteilt haben, dass mindestens 2500 Soldat:innen in Afghanistan benötigt würden. Ansonsten mache man es den Taliban zu einfach, Gebiete zu erobern. Zudem drohe das Land zu einer Brutstätte für extremistische Vereinigungen zu werden. Eine neue Einschätzung soll folgen, so Milley am Mittwoch. (lrg)

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