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Interview mit Sean Hannity

Donald Trump lobt Taliban – und sieht Verantwortung für Afghanistan bei „Familie Bush“

  • Daniel Dillmann
    VonDaniel Dillmann
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Donald Trump trifft sich mit Sean Hannity und spricht über den Afghanistan-Krieg - mit unerwartetem Ergebnis.

Washington DC - Es war mal wieder an der Zeit. Sean Hannity empfing in seiner Show seinen Lieblingspolitiker namens Donald Trump zu einer Runde gegenseitiger Lobhudelei, in anderen Situationen auch Interview genannt. Es ist das x-te Interview, das Trump Hannity auf Fox News gegeben hat.

Das Schema dabei bleibt immer gleich. Donald Trump erzählt zunächst, wie überragend er selbst als Präsident der USA war und wie erbärmlich dagegen sein Nachfolger, Joe Biden. Recht zügig ging es diesmal dann aber um das aktuelle Geschehen, vornehmlich Afghanistan, wo die Taliban endgültig die Macht in Kabul übernommen haben und beginnen, eine Regierung nach islamischen Recht aufzubauen.

Donald Trump verteidigt seinen Friedensvertrag mit den Taliban. (Archivbild)

Donald Trump unterzeichnete im Februar 2020 einen Friedensvertrag mit den Taliban

Donald Trump selbst war es, dessen Regierung einst mit den radikalislamischen Taliban einen Friedensvertrag unterzeichnet hatte. Dieses Abkommen wurde am 29. Februar 2020 ratifiziert. Seitdem gilt Trump den Taliban als guter Freund und Verbündeter. Dieses Datum wird von Fachleuten des Politmagazins The Hill deshalb auch als der eigentliche Zeitpunkt gesehen, an dem die Taliban ihren Sieg in Afghanistan errungen hatten. Im Gegenzug hätten die USA nur „vage, nicht durchsetzbare Versprechen“ erhalten.

Das wiederum sieht Donald Trump selbstredend bei Sean Hannity ganz anders. Seit seinem Deal mit den Taliban habe es keine amerikanischen Opfer in Afghanistan mehr gegeben. Das aber ist nicht richtig. Laut der Nachrichtenagentur AP starben allein im Jahr 2020 neun US-Bürger:innen in Afghanistan, vier davon nach der Ratifizierung des Friedensvertrages - mutmaßlich infolge von Verkehrsunfällen. Andere Quellen, konkret die unabhängige Website iCasualties.org, gehen sogar von elf toten US-Bürger:innen in besagtem Zeitraum aus. Im Jahr 2019 waren es 22 laut AP, 24 laut iCasualties.org.

Donald Trump stimmt Joe Biden beim Thema Afghanistan zu

Über seinen Friedensvertrag mit den Taliban wollte Donald Trump aber nicht mehr groß sprechen. Die Republikanische Partei hatte kurz zuvor bereits einen Eintrag gelöscht, in dem genau jenes „historische Friedensabkommen“ gefeiert wurde. Seinerzeit hatte Trump die Gotteskrieger als „sehr zäh, sehr klug und sehr gerissen“ bezeichnet. „Aber es sind 19 Jahre vergangen und sie sind genauso müde zu kämpfen“, so Trump im Rahmen einer Pressekonferenz am 18. September 2020.

Donald Trump ist Stammgast von Sean Hannity bei Fox News. In einem wirren Interview sprechen sie über Afghanistan. (Archivfoto)

Bei seinem Gespräch mit dem Fox-News-Moderator Sean Hannity schmeichelte Donald Trump den Taliban sogar noch mehr. Sie seien „sehr gute Kämpfer“ und „unglaublich gut“. „Dafür muss man ihnen Anerkennung zollen. Sie kämpfen seit tausend Jahren; sie werden weiterkämpfen“, so Trump über die Taliban, die sich 1994 gründeten - also vor 27 Jahren.

Donald Trump greift in Sachen Afghanistan lieber die „Bush-Familie“ an

Doch während Donald Trump kein gutes Haar an Joe Biden ließ, gab er die Schuld für das Chaos in Afghanistan eigentlich jemand anderem. „Ich weiß, die Familie Bush wird nicht glücklich sein, das zu hören, aber ich denke, der größte Fehler in unsere Geschichte war es, überhaupt in den Mittleren Osten zu gehen.“ George H.W. Bush hatte die USA 1990 in den Irak-Krieg geführt. Sein Sohn, George W. Bush, hatte nach dem Anschlag am elften September die US-Armee zunächst in Afghanistan und später ebenfalls im Irak eingesetzt.

Kurz darauf ging Donald Trump sogar noch einen Schritt weiter. Auf die Frage, warum die afghanische Armee kaum Widerstand gegen die Taliban geleistet habe, wiederholte er in kurzer Version, was Joe Biden ein paar Tage zuvor bei seiner Ansprache an die Nation gesagt hatte. „Wir haben sie bestochen, um zu kämpfen“, so Trump zu Hannity. (Daniel Dillmann)

Rubriklistenbild: ©  via www.imago-images.de

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