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Rolf Mützenich, 60, baute seine Diplomarbeit zur Dissertation aus.

Debatte über Doktorarbeit

Doktorvater verteidigt SPD-Fraktionschef Mützenich

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Promotionsausschuss der Uni Bremen beschäftigt sich mit Dissertation des Politikwissenschaftlers und Politiker.

Der renommierte Bremer Friedensforscher Dieter Senghaas hat den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, gegen Vorwürfe in Schutz genommen, die wegen dessen Doktorarbeit aufgekommen waren. Laut einem FAZ-Bericht vom Donnerstag hatte Mützenich in seiner Dissertation von 1991 Teile seiner eigenen Diplomarbeit von 1989/90 übernommen, ohne dies ausdrücklich kenntlich zu machen.

Der inzwischen pensionierte Professor Senghaas war damals einer der beiden Gutachter der Diplomarbeit, neben Professor Detlev Albers, der später SPD-Landesvorsitzender wurde und mittlerweile verstorben ist. Senghaas berichtete auf Anfrage der FR, beide Gutachter hätten dem angehenden Politikwissenschaftler damals ausdrücklich empfohlen, die Diplomarbeit zu einer Dissertation zu erweitern. Dieses Vorgehen sei völlig legal gewesen. Senghaas war dann auch der Doktorvater, also der Betreuer des damals 31-jährigen Mützenich.

Der zuständige Promotionsausschuss will sich am 12. März mit dem Vorgang befassen, wie eine Uni-Sprecherin auf Anfrage bestätigte. Es handele sich dabei nicht um ein formales Prüfverfahren, Anlass sei vielmehr die FAZ-Anfrage zu dem Fall. Ein Sprecher des SPD-Politikers bestätigte, dass in der Doktorarbeit tatsächlich nicht auf die Diplomarbeit hingewiesen wurde. „Dazu hatte Herr Mützenich keinen Anlass.“ Denn die Diplomarbeit sei nirgendwo veröffentlicht worden und auch keine fremde Quelle, die natürlich hätte zitiert werden müssen.

Mützenich selbst schrieb in einer Stellungnahme, es handele sich bei der Doktorarbeit um eine Erweiterung, Vertiefung und Aktualisierung „sowie um die Entwicklung eines erweiterten Theorie- und Ordnungsrahmens“. Dass eine Dissertation eine Diplomarbeit fortführe, sei in den Sozialwissenschaften ein durchaus übliches Verfahren. Mützenich weiter: „Das Promotionsverfahren war von Beginn an transparent und entsprach den Vorschlägen und Erwartungen meiner Prüfer.“

Die Doktorarbeit über „Atomwaffenfreie Zonen und internationale Politik“ ist als 382-seitiges Buch erschienen. Die Diplomarbeit, die über 600 Quellen als verwendete Literatur auflistet und mit „sehr gut“ bewertet wurde, trug den Titel „Die Funktion kernwaffenfreier Zonen in der internationalen Politik“. Sie umfasste 307 Seiten, aber in einem anderen Format als die Doktorarbeit.

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