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Dodik: Sieg mit schalem Beigeschmack

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Von: Thomas Roser

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Zweifel bleiben bei Milorad Dodiks Wahlsieg
Zweifel bleiben bei Milorad Dodiks Wahlsieg © afp

Bosniens Serbenführer Dodik bleibt an der Macht. Die Wahlkommission bestätigt ihn trotz Unregelmäßigkeiten

Noch gibt sich die Opposition im bosnischen Teilstaat der Republika Srpska (RS) nicht geschlagen. Sie werde den von der Zentralen Wahlkommission (CIK) nun bestätigten Wahlsieg ihres Rivalen Milorad Dodik (SNSD) bei den Präsidentschaftswahlen am 2. Oktober weder anerkennen noch diesem gratulieren. Die Oppositionskandidatin Jelena Trivic (PDP) spricht verärgert von einer „Missachtung des Wählerwillens“: „Alle Akteure des Wahlprozesses sind sich bewusst, dass die Wahlen gestohlen wurden. Aber sie legalisieren Stimmenraub und Korruption mit der Erklärung, dass mit diesem Wahlsystem faire Wahlen nicht möglich sind.“

Mit Ziehharmonikaklängen und patriotischen Weisen feierte hingegen der selbst erklärte Serbenführer Dodik ausgelassen seinen verspätet bestätigten Auszählerfolg in der Nacht zum Freitag in seiner Hochburg in Pale. „Die Wahlsaga ist vorbei. Wir haben gezeigt, dass die Republika Srpska eine Gesellschaft mit einem hohen demokratischen Standard ist“, freute sich der russophile Putin-Freund.

Tatsächlich haftet an dem nun von der CIK mit 6:1 Stimmen bestätigten Wahlsieg des gewieften Ränkeschmieds ein schaler Beigeschmack. Die zahlreichen Unregelmäßigkeiten am Wahltag und beim Auszählen der Stimmen sowie der Weitergabe der Resultate hatten die Wahlkommission dazu veranlasst, die Neuauszählung der Stimmen anzuordnen. Obwohl die Zweitauszählung irreguläre Wahlverstöße bestätigte wie die Fälschung von Wahlzetteln, die falsche Durchgabe von Wahlergebnissen oder das Verschwinden von Dutzenden Säcken mit ungenutzten Wahlzetteln, sah die Wahlkomission keine ausreichenden Beweise für die von der Opposition beklagte Verfälschung des Wählerwillens.

„Nirgendwo auf der Welt“ gehe ein „Wettkampf ohne Fouls“ über die Bühne, so CIK-Mitglied Vlado Rogic: „Wenn wir überall die Wahlen für ungültig erklären würden, wo irgendein Wähler einen Wahlzettel mitgehen ließ, könnten wir die Wahlen endlos wiederholen. Doch dafür haben wir weder die Zeit noch die finanziellen Mittel.“ Einspruch gegen die Bestätigung von Dodiks umstrittenem Wahlsieg kündigte hingegen PDP-Chef Branislav Borenovic an: „Diese Entscheidung ist das Verschließen der Augen vor Wahlraub. Wenn dies das Modell bleibt, ist der einzige Wahlsieger die Korruption.“

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