Verband

Ditib will selbst Imame ausbilden

Verband in Sorge über Angriffe auf Moscheen.

Nach der Bombendrohung gegen seine Kölner Zentralmoschee und weiteren islamfeindlichen Straftaten gegen Moscheen in Schleswig und Karlsruhe beobachtet der türkisch-islamische Verband Ditib eine wachsende Beunruhigung in den Moscheegemeinden. Die Mitglieder der Ditib-Gemeinden seien „in höchstem Maße besorgt“ und ihr „Sicherheitsempfinden empfindlich gestört“, sagte der Ditib-Vorstandsvorsitzende Kazim Türkmen am Mittwoch in Köln: „Wir erwarten Solidarität und Beistand.“ Zugleich nannte die Ditib konkrete Pläne für eine Imamausbildung in Deutschland.

Angesichts der Drohungen und Übergriffe bekräftigte Türkmen, Deutschlands größter islamischer Dachverband werde sich „nicht einschüchtern lassen“ und weiterhin einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben leisten. Wegen der Bombendrohung per Email hatte die Polizei die Kölner Zentralmoschee geräumt und durchsucht, aber nichts Verdächtiges gefunden.

In dem Kölner Fall wird ebenso weiter ermittelt wie nach einem Zwischenfall in Karlsruhe, wo Unbekannte in der Nacht zum Dienstag vor einer Moschee eine Ditib-Fahne herabgeholt und angezündet hatten. Am 3. Juli waren in einer Moschee in Schleswig Sachbeschädigungen begangen worden. So wurden Seiten aus dem Koran in die Toilette geworfen.

Ditib gab bekannt, noch 2019 eine eigene Ausbildung von Religionsbeauftragten in Deutschland zu starten, die als Imame, Prediger und Gemeindepädagogen arbeiten können. Voraussetzung sei ein Bachelor-Abschluss in Islamischer Theologie und das erfolgreiche Durchlaufen eines Assessment-Centers, erläuterten Türkmen und die Abteilungsleiterin Bildung, Forschung und Integration, Seyda Can.

Die Ditib komme damit einem steigenden Bedarf an Imamen nach. Eine untergeordnete Rolle spiele die Kritik, dass zu viele Imame aus der Türkei kommen und damit der Einfluss des türkischen Staates in den Ditib-Moscheen zu groß sei, erklärten die Ditib-Vertreter. Langfristig sei aber zu erwarten, dass immer weniger Imame aus der Türkei in Deutschland die Seelsorge in den Gemeinden leisten werden.

Die Ausbildungsstätte in der Gemeinde Dahlem in der Eifel sehe 50 Ausbildungsplätze vor. Ausbildungssprache sei „überwiegend deutsch“. In den 857 Ditib-Moscheegemeinden sind den Angaben nach 1000 Imame tätig. 120 von ihnen seien in Deutschland geboren, dDie Ausbildung zum Religionsbeauftragten absolvierten sie aber in der Türkei. Allerdings meldeten sich inzwischen von den deutschen Universitäten die ersten Absolventen. Auch die neu ausgebildeten Seelsorger und Pädagogen sollen ihr Gehalt von der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara bekommen. (afp/epd/kna/dpa)

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