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Will sein Land aus der Isolation holen: Abdel Fattah al-Burhan.

Israel

Distanz verkürzt

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Israel darf zukünftig den Luftraum des Sudan durchfliegen, was Reisen nach Südamerika und den Süden Afrikas deutlich reduziert.

Zwischen Israel und dem Sudan – zwei Staaten, die sich jahrzehntelang als Todfeinde gegenüberstanden – bahnt sich eine unerwartete Annäherung an. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu gab am Wochenende in Jerusalem bekannt, dass eine Linienmaschine der israelischen Fluggesellschaft El Al am Samstag zum ersten Mal seit Jahrzehnten sudanesischen Luftraum durchfliegen durfte. Die Maschine befand sich auf ihrem Weg von Tel Aviv nach Südamerika. Durch die Überflugerlaubnis verkürzt sich die Flugzeit israelischer Maschinen nach Südamerika um drei Stunden, auch Flüge in den Süden Afrikas profitieren davon.

Der historische Durchbruch wurde bei einem Treffen zwischen Netanyahu und dem Chef des sudanesischen „Souveränen Rats“, General Abdel Fattah al-Burhan, am 3. Februar im ugandischen Entebbe vorbereitet. Von der zweistündigen Unterredung war zunächst nicht einmal die zivile Regierung des Sudan unterrichtet worden. Bei dem Gespräch soll Netanyahu dem sudanesischen General Unterstützung bei dessen Bemühungen zugesichert haben, Washington zu einer Aufhebung der US-Sanktionen gegen den Sudan zu bewegen. Das afrikanische Land steht seit 23 Jahren auf der US-Liste der den Terrorismus fördernden „Schurkenstaaten“. Seit der Absetzung des Diktators Omar al-Baschir im April und der Etablierung einer Übergangsregierung im August des vergangenen Jahres bemüht sich Khartum, von Washingtons Terrorliste gestrichen zu werden.

Besuch bei Trump avisiert

Sudan und Israel hätten den Beginn einer Kooperation vereinbart, die zur „Normalisierung der Beziehungen“ zwischen den beiden Staaten führen soll, hatte Netanyahu nach dem Treffen in Entebbe auf Twitter mitgeteilt und „History!“ hinzugefügt. In einem Interview mit der in London erscheinenden panarabischen Zeitung „Asharq Al-Awsat“ sagte al-Burhan am Wochenende, eine derartige Normalisierung sei „im Interesse der nationalen und sicherheitspolitischen Interessen“ des Sudan.

Der Chef des elfköpfigen „Souveränen Rats“, der während der dreijährigen Übergangszeit gemeinsam mit der zivilen Regierung die Geschicke des Sudan bestimmt, wurde zu Hause in Khartum für das Treffen mit Netanyahu scharf kritisiert. Die Unterredung habe sowohl den „Zuständigkeitsbereich des ,Souveränen Rates‘“ überschritten wie die „der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ verpflichtete Außenpolitik des Sudan verletzt, hieß es in einer Erklärung der Zivilregierung. Zu Konsequenzen führte der Streit zumindest bislang nicht. Der „Souveräne Rat“ hatte bereits in der vergangenen Woche mit der Ankündigung Aufsehen erregt, dass al-Baschir an den Internationalen Strafgerichtshof in den Haag ausgeliefert werde.

Einig sind sich Sudans Zivilregierung und Militärs, dass Washingtons Sanktionen so schnell wie möglich aufgehoben werden müssen. Sudan ist mit mehr als 60 Milliarden US-Dollar im Ausland verschuldet und dringend auf einen wirtschaftlichen Neustart angewiesen. Ein Ende der US-Sanktionen sei jedoch „ein Prozess und nicht wie das Umlegen eines Schalters“, dämpfte Tibor Nagy, US-Unterstaatssekretär für Afrika, kürzlich die Erwartungen. Immerhin wurde General al-Burhan am Wochenende zu einem Besuch bei Präsident Donald Trump eingeladen: Der Zeitpunkt der Visite müsse noch festgelegt werden, hieß es in Khartum.

Israels Regierung bemüht sich schon seit Jahren, ihre Beziehungen zu afrikanischen Staaten zu stärken. Im Visier Jerusalems stehen vor allem nord- und westafrikanische Länder, die sich wie Senegal, Südsudan oder der Tschad an der Grenze zur arabischen Welt befinden. Israelische Sicherheitsfirmen sind allerdings auch weiter südlich aktiv: In Äquatorialguinea, Kamerun und Uganda halten sie alternde Langzeitherrscher im Amt. Keine Tätigkeit, die sie bei der afrikanischen Bevölkerung beliebt machen würde.

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