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Donald Trump schockierte Ukraine-Botschafterin: Er wusste nicht, wo US-Truppen sind

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Von: Nadja Austel

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Diplomatischen Dienst für die USA unter Donald Trump zu leisten, war für Marie Yovanovitch in der Ukraine sicher nicht immer einfach. Ihr Buch enthüllt neue Tiefpunkte.

Washington D.C. – Der ehemalige Präsident der USA* ist für Aussagen bekannt, die mangelndes Taktgefühl in diplomatischen Angelegenheiten erkennen lassen. So etwa im Interview aus 2017 zwischen dem israelischen Autor Barak Ravid und Donald Trump*. Da gab letzterer zum Besten, er denke nicht, dass „Bibi“, wie er Benjamin Netanjahu durchweg nannte, jemals habe Frieden mit Palästina schließen wollen. Zudem lobte er den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas: „Ich fand ihn großartig. (…) Hätte netter nicht sein können.“

Schon früher in seiner Amtszeit habe Donald Trump* gesagt, dass er Netanjahu für ein größeres Hindernis auf dem Weg zum Frieden zwischen Israel* und Palästina halte als den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas. „Ich hatte den Eindruck, dass er eher einen Deal wollte als Netanjahu.“ Polemische Aussagen, die jeden Diplomaten in Schockstarre versetzt haben dürften. 

Donald Trump überrascht immer wieder mit Wissenslücken und interessanten Ideen – auch in Sachen Ukraine.
Donald Trump überrascht immer wieder mit Wissenslücken und interessanten Ideen – auch in Sachen Ukraine. © Meg Kinnard/dpa

Donald Trump: Diplomatie zwischen Ukraine und USA unter erschwerten Bedingungen

Jetzt packt Trumps ehemalige Botschafterin für die Ukraine* aus, wie The Guardian berichtet. In einem Gespräch zwischen Trump und dem früheren Präsidenten der Ukraine, Petro Poroshenko, in 2017 zeigte sich demnach einmal mehr die Diplomatie-Schwäche des Ex-Präsidenten, wie Marie Yovanovitch in ihrem neuen Buch beschreibt. Im Falle der Ukraine trat sie in Form von blankem Unwissen Trumps zutage: „Er schien nicht zu wissen, wo unsere Truppen – seine Truppen – stationiert waren“, so ein Zitat aus dem Buch, das am Dienstag (15.03.2022) in englischer Sprache erscheint („Lessons from the Edge: A Memoir“).

Yovanovitch wurde 2019 überraschend als Botschafterin durch die Trump-Regierung entlassen – ein Kollateralschaden bei Trumps Versuch, in der Ukraine-Affäre Wolodymyr Selenskyj zu Ermittlungen gegen Joe Biden* zu bewegen. Die Autorin beschreibt das Gespräch weiter, Trump habe seinen Berater für nationale Sicherheit gefragt, ob US-Truppen in der ukrainischen Region Donbass stationiert seien, ein Gebiet, das von pro-russischen Separatisten besetzt ist. Alle Beteiligten hätten ein Pokerface gewahrt.

„Eine Bejahung hätte bedeutet, dass die USA in einem aktiven Krieg mit Russland* kämpfen würden“, zitiert The Guardian aus ihrem Buch. Eine mögliche Interpretation dieser Nachfrage sei es, dass Trump sich gar nicht darüber im Klaren war, wer auf der anderen Seite des Kriegs gegen die Ukraine stehe. Sie könne nur erahnen, was die Ukrainer gedacht haben. Yovanovitch beschreibt weiter, dass der ukrainische Präsident Poroshenko Trump „visuelle Hilfen“ zum Sachverhalt gegeben habe, die dieser „sehr mochte“. Er habe dann seine Unterstützung bekundet, so der Bericht von The Guardian.

Marie Yovanovitch an einem Rednerpult. Sie gestikuliert, ihre Hände sind mit der Handfläche nach oben gedreht erhoben, als wolle sie etwas Großes greifen. (Archivbild)
Marie Yovanovitch, ehemalige Botschafterin für die Ukraine unter Donald Trump, enthüllt in ihren Memoiren neue Fehltritte des Ex-Präsidenten. (Archivbild) © Imago/Jeremy Hogan

Donald Trump sah Ukraine als Verlierer – mit Putin hingegen führte er lange Gespräche

Sie schreibt weiter, Trump scheine von der Ukraine das Bild eines „Verlierer“-Landes gehabt zu haben und sei dann von Poroshenko überrascht gewesen. Dieser sei physisch ebenso eindrucksvoll wie Trump selbst und ein Geschäftsmann im Milliarden-Bereich. Poroshenko habe sich im Nachgang gegenüber Reportern mit den Ergebnissen des Gesprächs zufrieden geäußert. Dennoch sei Yovanovitch Trumps Anbiedern an Wladimir Putin* aufgestoßen. In 2018 hatte dieser ein zweistündiges Gespräch unter vier Augen mit Putin abgehalten. Gegenüber den Medien habe man anschließend die Unterstützung der Ukraine gegen die russische Aggression betont.

Nur fünf Jahre später befinden sich die beiden Länder im Krieg. Die Ukrainer kämpfen um die Existenz ihres Landes. Der Westen hält sich mit seinem Eingreifen zurück, um eine Eskalation zu vermeiden. Trump hingegen scheint sich immer noch nicht sicher zu sein, ob US-Truppen nun vor Ort stationiert werden. In einem telefonischen Interview mit Fox News (24.02.2022) korrigierte die Reporterin ihn, nachdem zuvor von Bewegungen russischer Truppen die Rede war: Trump entgegnete, dass Streitkräfte aus den USA in die Ukraine entsendet wurden, davon solle doch besser niemand etwas wissen. Das müsse im Geheimen passieren. Und nicht im Fernsehen. Sie unterbrach ihn: „Nein, das sind die Russen. Unsere Truppen, nein, das wäre wirklich etwas Neues.“ Trump daraufhin: „Oh, ich dachte, Sie sagten, wir schicken Leute hin. (...) Das kommt als Nächstes.“ (na) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDA.

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