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Tillerson (r.) und Gabriel sprachen auch über Nordkorea.

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Diplomatie auf Abruf

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Gabriel und sein US-Kollege Tillerson beraten über Krisenherde - doch beide sind angeschlagen.

Keine zehn Monate ist es her, dass US-Außenminister Rex Tillerson seinen deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel zum ersten Mal im State Department empfing. Beide Politiker waren gerade ein paar Tage im Amt und fanden schnell einen Draht zueinander. „Wir sind die New Kids“, scherzte der Gast. 

Insofern entbehrt es nicht der Ironie, dass kurz nach der Begrüßung Gabriels bei dessen viertem Besuch am Donnerstag die „New York Times“ meldet, das Weiße Haus habe nun einen konkreten Plan erarbeitet, den als moderat geltenden Tillerson durch den derzeitigen CIA-Direktor Mike Pompeo, einen Hardliner, zu ersetzen. Zwar sind die Gerüchte über eine Ablösung Tillersons nicht neu, doch mit dem Bericht verdichten sich die Anzeichen für einen Personalwechsel stark.

„Wir haben nicht über Eilmeldungen gesprochen“, wehrt Gabriel bohrende Nachfragen von Journalisten ab. In der deutschen Delegation heißt es nachher, Tillerson sei absolut souverän aufgetreten. Doch tatsächlich beraten am Donnerstag ein nur noch geschäftsführender deutscher Außenminister und ein schwer angeschlagener US-Kollege über die Krisen der Welt, und niemand weiß, wer von den beiden in ein paar Wochen noch im Amt sein wird. Der Auftritt der „New Kids“ wirkt eher wie eine Abschiedstournee.

Deutsch-amerikanische Beziehungen seit Trump schwierig

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen, seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten ohnehin in unruhigem Fahrwasser, sind noch deutlich schwieriger geworden. Und es scheint, als seien gleichzeitig die Herausforderungen gewachsen: Das mühsam ausgehandelte Atomabkommen mit dem Iran steht auf der Kippe, und in dem nordkoreanischen Machthaber Kim Kong-Un hat Trump einen ebenbürtigen Partner beim bedenkenlosen Hochschaukeln von Emotionen und Konflikten gefunden. 

Am Mittwoch hat das Regime in Pjöngjang die bislang größte Interkontinentalrakete getestet, die eine Atombombe bis ins amerikanische Festland feuern könnte. Im Falle eines Krieges werde die nordkoreanische Führung „vollkommen zerstört“, warnte Nikki Haley, die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. 

Gabriel bemüht sich in dieser heiklen Lage um Gelassenheit. Er hat den nordkoreanischen Botschafter einbestellt und das Personal der deutschen Botschaft in Pjöngjang um einen weiteren Diplomaten reduziert. In Berlin hält man es für unklug, den Gesprächsfaden ganz abreißen zu lassen. „Es gibt keine Anforderung der USA zur Schließung der Botschaft in Nordkorea“, rückt Gabriel nach dem Gespräch mit Tillerson missverständliche Äußerungen von dessen Sprecherin zurecht. „Aber wir schließen weitere Maßnahmen nicht aus“, betont der deutsche Minister. 

Wie eine Strategie gegen das unberechenbare Regime in Nordkorea aussehen könnte, bleibt offen. Der Schlüssel, darüber ist man sich wohl einig, liegt bei Nordkoreas mächtigem Nachbarn China. „Die Chinesen machen schon eine Menge“, antwortet Tillerson auf eine Reporterfrage: „Aber wir meinen, Sie könnten mehr Öl zurückhalten.“ In der deutschen Delegation heißt es, wichtig sei vor allem, das Vertrauensverhältnis zwischen Washington und Peking zu stärken. Man müsse der asiatischen Großmacht die Angst nehmen, dass die USA ihr über einen Regimewechsel in Nordkorea unmittelbar auf die Pelle rücken wollten. Tatsächlich hatte sich Trump nach seinem Besuch in China sehr freundlich über dessen Präsidenten Xi Jinping geäußert. Doch ist unklar, wie dauerhaft dieser Kurswechsel ist.

Im Iran steuert Trump jedenfalls mit seiner Ankündigung, das Atomabkommen aufzukündigen, auf direktem Konfrontationskurs zu den Europäern. Gabriel wirbt in Washington auch bei Gesprächen im Kongress für eine Beibehaltung des Deals. Gleichzeitig betont er, die amerikanische Kritik an der iranischen Destabilisierungspolitik in der Region sei berechtigt. Hier wollten auch die Europäer den Druck verstärken. Nur solle das eben unabhängig von dem Abkommen geschehen. 

Bei seinem Kollegen scheint Gabriel auf Verständnis zu stoßen. „In weiten Teilen vertreten wir eine gemeinsame Position“, versichert er. Aber was heißt das schon in diesen Zeiten? Wie lange wird Tillerson überhaupt etwas zu sagen haben? Gabriel wehrt die Frage ab: „Wir sehen uns nächste Woche beim Nato-Gipfel schon wieder“, kündigt er an. 

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