+
Daumen rauf: Dilma Roussef nach der Stimmabgabe.

Stichwahl

Dilma Rousseff wird erste Präsidentin Brasiliens

  • schließen

Brasilien hat erstmals eine Frau ins Präsidentenamt gewählt. Die Regierungskandidatin Dilma Rousseff hat in einer Stichwahl den Oppositionskandidaten José Serra geschlagen.

In Brasilien ist die Kandidatin der Arbeiterpartei, Dilma Rousseff, zur neuen Präsidentin gewählt worden. Nach Angaben der Wahlbehörden setzte sich die 62-Jährige am Sonntag in der Stichwahl mit 55,39 Prozent der Stimmen gegen ihren sozialdemokratischen Konkurrenten José Serra durch. Damit tritt sie die Nachfolge des scheidenden Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva an und wird als erste Frau an der Spitze Brasiliens stehen. Rousseff ist Wunschnachfolgerin von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der sein Amt am 1. Januar 2011 abgibt.

Zur Stichwahl waren rund 135 Millionen Brasilianer aufgerufen, nachdem im ersten Wahlgang Anfang Oktober keiner der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Rousseff hatte das Ziel mit 46,9 Prozent deutlich verfehlt, obwohl die Umfragen ihren Sieg im ersten Wahlgang nahe legten. Serra erhielt 32,6 Prozent. Die Grüne Marina Silva bekam unerwartete 19,3 Prozent und verbaute damit Rousseff den Sieg.

Aufstieg aus dem Untergrund

Die 62-jährige Dilma Rousseff schloss sich, nachdem sie eine Klosterschule besucht hatte, als Studentin einer linksextremen Untergrundgruppe an, die damals gegen die Diktatur kämpfte. Sie wurde gefasst, gefoltert und saß zwei Jahre lang im Gefängnis. Später studierte sie Wirtschaftswissenschaft. Vor acht Jahren machte Lula sie zur Energie- und Bergbauministerin, 2005 rückte sie an die Spitze des Präsidialamtes, eine Schlüsselstellung. In der Arbeiter-Partei Lulas ist sie nur wenig verwurzelt, sodass ihre Kandidatur ohne dessen Rückhalt undenkbar gewesen wäre. Eine Krebserkrankung, die 2009 ihre Kandidatur in Frage stellte, sei überwunden, sagt sie.

Sie gilt als entschiedene Technokratin und als willensstarke Managerin, die wie Lula den Staat als Agenten der Wirtschaftsentwicklung einsetzen will. Durch ökologische Sensibilität ist sie ebensowenig aufgefallen wie Lula. Grünen-Kandidatin Marina Silva, die bis 2008 Umweltministerin, trat zurück, weil sie gegen den von Rousseff vertretenen Vorrang des Ökonomischen nicht mehr anzukommen meinte.

Technokratin und Managerin

Die Präsidenten-Wahl ist die erste seit Ende der Militärdiktatur 1986, bei der der gelernte Maschinenschlosser Lula nicht antrat. Dreimal unterlag er, vor acht Jahren glückte ihm der historische Sieg – zum ersten Mal stand ein Arbeiter an der Spitze des Staates. Jetzt wird es die erste Frau sein.

#gallery

Dank der für Brasilien günstigen Weltkonjunktur und einer entschiedenen Sozialpolitik zugunsten der bis dahin Benachteiligten gelten Lulas zwei Mandate als sehr erfolgreich. Was Lula künftig tut, ist ungewiss; theoretisch könnte er 2014 erneut antreten. Die Verfassung verbietet drei Mandate nur, wenn sie aneinander anschließen.

Die politische Karriere des 68-jährigen Serra dürfte mit der Niederlage vorbei sein. Der frühere Bürgermeister von São Paulo hatte im Wahlkampf dem Versprechen seiner Konkurrentin, sie werde Lulas Kurs halten, wenig entgegenzuhalten – auch er versprach am Ende kaum anderes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion