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Keiko Fujimori tanzt auf einer Wahlkampfveranstaltung.

Peru

Diktatorentochter

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Peru wählt am Sonntag in einer Stichwahl ein neues Staatsoberhaupt. Keiko Fujimori hin, der Tochter des früheren, zu 25 Jahren Haft verurteilten Diktators Alberto Fujimori liegt laut Umfragen vor ihrem Kontrahenten Pedro Pablo Kuczynski.

Schafft sie es diesmal? Kurz vor der Stichwahl in Peru deutet alles auf einen Sieg von Keiko Fujimori hin, der Tochter des früheren, zu 25 Jahren Haft verurteilten Diktators Alberto Fujimori. In den Umfragen liegt sie gut sechs Prozent vor Pedro Pablo Kuczynski, einem liberalen Wirtschaftsexperten, der den Ruf nicht loswird, ein Kandidat der Elite zu sein.

Eigentlich ist die Lage genauso wie 2011. Jetzt wie damals schnitt Keiko im ersten Wahlgang stark ab, und vor dem zweiten rotten sich ihre Gegner zusammen, um sie zu verhindern, genauso wie vor fünf Jahren, als sie knapp dem damals noch als links geltenden Konkurrenten Ollanta Humala unterlag.

Der entscheidende Unterschied diesmal: Es wird am Sonntag wohl nicht reichen für ihre Gegner. Wochenlang herrschte ein Patt zwischen Keiko und PKK, wie der Konkurrent in Peru genannt wird. Aber nun, auf der Zielgeraden, liegt Keiko mit 53 Prozent deutlich vor dem Rivalen, dem 47 Prozent vorhergesagt werden. Dass die Linkskandidatin Veronika Mendoza, die im ersten Wahlgang am 10. April knapp hinter Kuczynski Dritte geworden war, nun die Zähne zusammenbeißt und den Wirtschaftsliberalen unterstützt, ändert wohl nicht mehr viel. Für ihren Anhang ist Keiko ohnehin unwählbar.

Dass Keiko nun die Nase vorne hat, verdankt sie wohl den beiden Fernsehdebatten an den beiden Sonntagen vor der Stichwahl. In der ersten präsentierte sich die 41-Jährige den Zuschauern unter den 22 Millionen Wählern deutlich agiler und aggressiver als ihr 77-jähriger Gegner, der vom Kampfesmut verlassen schien. Selbst als sie ihm vorhielt, dass er sie ja 2011 gegen Humala noch unterstützt habe, wusste er kaum etwas zu erwidern. In der zweiten war Kuczynski zwar deutlich aggressiver, dennoch entstand der Eindruck, dass an Keiko alles abglitt. Auch wenn sie von Leuten umgeben ist, die schon ihrem Vater dienten, schmettert sie die Kritik, sie werde die Erbin der Fujimori-Diktatur sein, mit den Worten ab, nicht ihr Vater, sondern sie kandidiere.

An zwei Elemente der Politik ihres Vaters knüpft Keiko jedoch an. Ihm halten viele zugute, mit dem Terror linksextremer Gruppen fertiggeworden zu sein – Keiko verspricht heute, mit harter Hand gegen das Verbrechen vorzugehen.

Und wie ihrem Vater ist auch Keiko eine gewisse Volkstümlichkeit zu eigen, die ihr die Unterstützung gerade ärmerer Kreise garantiert. Die Fernsehdebatte begann sie mit Grußworten in den Anden-Sprachen Quechua und Aymara.

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