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„Arbeit macht frei“ prangt am Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers in der Gedenkstätte Sachsenhausen.

„Virtueller Jahrestag“

Digitales Erinnern an die Befreiung von KZ-Häftlingen

Wegen der Corona-Krise bleiben viele Gedenkstätten zwar geschlossen etablieren aber neue Wege des Erinnerns zum Jahrestag der Befreiung der Häftlinge aus den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen.

Mit einem „virtuellen Gedenken“ haben Politiker, Hinterbliebene, Kirchenvertreter und Historiker am Sonntag an den 75. Jahrestag der Befreiung der Häftlingen in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen in Brandenburg erinnert. Dazu wurden auf den Internetseiten der wegen der Corona-Krise geschlossenen Gedenkstätten Videobotschaften gezeigt. Im KZ Bergen-Belsen in Niedersachsen wurde eine kleine Gedenkfeier abgehalten.

Zudem fand zum Gedenken an die Befreiung der brandenburgischen Konzentrationslager in der Berliner Gedenkkirche Maria Regina Martyrum ein christlich-jüdischer Gottesdienst statt. Das Leitmotiv lautete „Ich habe ihr Schreien gehört...“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die ursprünglich ein Grußwort auf der abgesagten Gedenkveranstaltung im KZ Ravensbrück sprechen wollte, nannte es in einer Erklärung „unsere immerwährende Aufgabe, an die unmenschlichen Verbrechen, die die Nationalsozialisten verübt haben, zu erinnern und der Opfer zu gedenken“.

In Zeiten geschlossener Gedenkstätten sei es gerade in diesem Jahr besonders wichtig, neue Wege des Erinnerns zu beschreiten, erklärte Grütters mit Verweis auf ein am Sonntag auf der Internetseite der Gedenkstätte Ravensbrück freigeschaltetes digitales Gedenk- und Informationangebot.

Außenminister Heiko Maas (SPD) erinnerte in einer Videobotschaft daran, dass in Sachsenhausen mehr als 20 000 Menschen ums Leben kamen. „Würde man für jeden von ihnen eine Schweigeminute abhalten, bliebe es zwei Wochen lang still. Aber der Kampf gegen das Vergessen darf nicht still sein“, betonte Maas.

„Wenn Gedenken als Schuldkult diffamiert wird, wenn Opfer zu Tätern umgedeutet werden, im In- oder im Ausland, dann können wir Deutschen das nicht schweigend hinnehmen“, betonte der Außenminister. Dies gebiete „die Verantwortung vor unserer Geschichte“ und „der Respekt vor den Opfern des deutschen Vernichtungswahns“.

An der kleinen Gedenkfeier auf dem Gelände des KZ Bergen-Belsen nahm am Sonntag auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) teil. Auch in Bergen-Belsen wurden die geplante Gedenkfeier mit 5000 Gästen wegen der Infektionsgefahren abgesagt und um rund ein Jahr auf den 18. April 2021 verschoben. (afp)

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