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Die Gesetze, die das serbische Parlament verabschiedet hat, um Familiendramen zu verhindern, zeigen bislang kaum Wirkung.
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Die Gesetze, die das serbische Parlament verabschiedet hat, um Familiendramen zu verhindern, zeigen bislang kaum Wirkung.

Frauenmorde

„Der Femizid geht weiter“ – Gewalt gegen Frauen auf dem Balkan immer schlimmer

  • VonThomas Roser
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Auf dem Balkan nimmt die häusliche Gewalt in der Corona-Pandemie zu. Nach Morden an Frauen gibt es Proteste in Albanien.

Tirana – Ein stilisierter Blutfleck prangte auf den Postern mit dem Antlitz der ermordeten Frau. Hunderte von Albanerinnen, aber auch Albanern zogen vergangene Woche in Fier und Tirana in Gedenken an Sabrina B. durch die Straßen. „Gerechtigkeit für die ermordeten Frauen“, forderten ihre Protestplakate.

Sabrina B. war am zehnten September von ihrem Ex-Mann umgebracht worden. Der 31-jährige Elton M. hatte sich wenige Wochen nach Entlassung aus seiner Haft zu seiner Ex-Frau im Dorf Zhupan unweit der südalbanischen Stadt Fier aufgemacht. Vor ihrem Elternhaus streckte er die 23-Jährige mit einer automatischen Pistole nieder.

Frauenmorde auf dem Balkan: Schutzmaßnahme erwies sich als wertlos

Es war ein Mord mit Ankündigung. Bereits ein Jahr zuvor war der polizeibekannte Gewalttäter mit der Drohung, „alle zu töten“ bewaffnet in das Elternhaus von Sabrina eingedrungen, nachdem die junge Frau die Scheidung eingereicht hatte. Erst nach fünfstündigen Gesprächen konnte die Polizei Elton M. damals bewegen, das Haus seiner Ex-Frau wieder zu verlassen.

Wegen häuslicher Gewalt und illegalem Waffenbesitz war Elton M. danach zwar zu acht Monaten Haft verurteilt worden. Doch selbst aus dem Gefängnis drohte er seiner Ex-Frau mit dem Tod. Nach seiner Entlassung im August erwirkte die um ihr Leben bangende Sabrina ein polizeiliches Kontaktverbot. Aber die Schutzmaßnahme erwies sich als wertlos.

Gewalt gehen Frauen auf dem Balkan: „Der Femizid geht weiter“

Der Tod von Sabrina B. hätte genauso wie andere Frauenmorde verhindert werden können, sagt Ines Leskaj, die Direktorin des Frauen-Netzwerks AWEN in Tirana. Albaniens Justiz versage beim Schutz von Frauen und Mädchen genauso wie das Sozial- und Schulsystem: „Und der Femizid geht weiter.“

Doch zumindest die Zeit des bedrückten Schweigens in den oft noch immer patriarchalisch geprägten Balkanstaaten ist vorbei. In ganz Südosteuropa mehren sich die Proteste gegen Familiengewalt und Frauenmorde.

Denn die Demonstrationen vergangene Woche waren keineswegs das erste öffentliche Aufbegehren gegen Femizide in dem Balkanstaat. „Frauen sind nicht das Eigentum ihrer Männer“, „Hände weg von unseren Rechten“, prangte auf den selbstgemalten Protestbannern der Frauen, die nach der Ermordung der 54-jährigen Liljana B. in Elbasan im Mai empört vor das örtliche Gericht zogen: Die dreifache Mutter war bei der Beantragung ihrer Scheidung im Gerichtsgebäude der zentralalbanischen Stadt vor den Augen ihres jüngsten Sohnes von ihrem Ehemann erschossen worden.

Balkan: Es ist riskant, den gewalttätigen Partner zu verlassen

Auch am UN-Aktionstag gegen Gewalt an Frauen am 25. November und am Internationalen Frauentag am 8. März demonstrierten von Istanbul bis Zagreb in ganz Südosteuropa Frauen gegen die zunehmende Gewalt. „Frauen im Südosten erheben sich“, titelte die Balkan-Agentur BIRN.

Zum Protest haben sie guten Grund. Ob in Bulgarien, Kosovo, Montenegro und vor allem in der Türkei: Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der angezeigten Fälle von häuslicher Gewalt in der ganzen Region stark gestiegen. Den Tätern können Frauen in den eigenen vier Wänden kaum entrinnen.

Alarmierende Zahlen gab es schon vor der Corona-Pandemie: Laut einer von der OSZE 2019 veröffentlichten Studie sind 54 Prozent der Frauen in Kosovo seit ihrem 15. Lebensjahr schon einmal zum Opfer von physischer, sexueller oder psychischer Gewalt ihrer Partner geworden. Frauen, die sich gegen ihre Partner per Scheidung oder Anzeige zu wehren versuchen, setzen sich des verstärkten Femizid-Risikos aus: Viele der auf dem Balkan ermordeten Frauen hatten versucht, ihre gewalttätigen Partner zu verlassen. (Thomas Roser)

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