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Seit neun Monaten in Haft: Maria Kolesnikowa.
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Seit neun Monaten in Haft: Maria Kolesnikowa.

Belarus

Die Unbeugsame: Maria Kolesnikowa aus Belarus

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Maria Kolesnikowa weigerte sich, Belarus zu verlassen. Jetzt drohen der Bürgerrechtlerin zwölf Jahre Haft.

Belarus - Als ein Journalist Maria Kolesnikowa im September fragte, ob sie bereit sei, ins Gefängnis zu gehen, antwortete sie: „Natürlich werde ich mich nicht freuen, wenn das passiert. Aber wenn nur ein Prozent von dem, was ich tue, helfen kann, dann werde ich es tun.“ Zwei Wochen später wurde die 39-Jährige in Minsk festgenommen. Am nächsten Morgen brachte man sie an die ukrainische Grenze, um sie abzuschieben. Sie wehrte sich, zerfetzte ihren Reisepass, schließlich wurde sie wieder in Gefängnis gebracht.

Seitdem sitzt die Flötistin und Kulturmanagerin in U-Haft. Am Donnerstag (13.05.2021) verkündete die Staatsanwaltschaft die offizielle Anklage gegen sie: Danach hat sie zu Aktionen gegen die nationale Sicherheit aufgerufen, an einer Verschwörung zur verfassungswidrigen Machtübernahme teilgenommen, außerdem eine extremistische Organisation gegründet und angeführt. Ihr drohen zwölf Jahre Gefängnis.

Maria Kolesnikowa: Wie bei Nawalny ist das Exil keine Option

Die freie westliche Welt feiert Alexei Nawalny als Freiheitsheld, weil er im Januar aus Deutschland nach Russland zurückkehrte, obwohl ihm dort Gefängnis drohte. Auch Kolesnikowa hat eine Haftzelle dem Exil vorgezogen. Aber im Gegensatz zu Nawalny wollte Kolesnikowa nie Präsidentin werden. 2017 übernahm sie die Leitung einer Kulturfabrik in Minsk, die der Belgasprombank gehörte. Dabei lernte sie deren Chef Viktor Babariko kennen. Und als Babariko vergangenen Mai verkündete, er wolle bei den Präsidentschaftswahlen antreten, übernahm sie die Leitung seines Wahlkampfstabs.

Babariko und sein Mitbewerber Sergei Tichanowski wurden verhaftet. Kolesnikowa aber tat sich mit seiner Gattin Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo zusammen, der Frau eines weiteren disqualifizierten Anwärters. Das Dreigespann machte Wahlkampf für Swetlana als Präsidentschaftskandidatin, ihre Auftritte brachten Zehntausende auf die Straße. Nach Lukaschenkos strittigem Wahlsieg am 9. August wurden die ersten Proteste brutal niedergeknüppelt, auch Tichanowskaja und Zepkalo verließen Belarus, einzig Kolesnikowa blieb.

Maria Kolesnikowa
Geboren24. April 1982
GeburtsortMinsk, Belarus
AuszeichnungenSacharow-Preis
International Women of Courage Award
Lew-Kopelew-Preis

Maria Kolesnikowa lässt sich nicht einschüchtern

Eine zierliche Frau, die in einem weißen Trägerhemd vor den Fronten der Einsatzpolizei stand, lächelte und ihnen mit gespreizten Fingern eher unpolitische Herzchen zeigte. Hunderttausende skandierten ihren Vornamen. „Sie war sich natürlich bewusst, dass das Regime sie im Visier hatte, ließ sich aber nicht einschüchtern“, sagt Pawel Latuschko, Leiter des Nationalen Antikrisenmanagements der Opposition, der FR. Und sie sei mit ihren Mitstreiterinnen zum Symbol für die dramatischen Ereignisse in Belarus geworden. Auch hinter Gittern steht Maria Kolesnikowa für den friedfertigen Mut der Belarusen, von denen bei den Protesten mehr als 30.000 festgenommen, mehr als 2600 verletzt, mehr als 450 gefoltert und mindestens acht getötet wurden.

Ihre Schwester berichtet, Maria jogge im winzigen Kreis auf dem Gefängnishof, um die Lungen vom Nikotin ihrer Raucherzelle zu befreien. „Das war das schwerste und zugleich glücklichste Jahr meines Lebens“, schrieb sie selbst unlängst auf Facebook. „Ich habe viel mehr gewonnen als verloren: einzigartige Erfahrung, ungeheuren Drive und innere Freiheit.“

Latuschko sagt, die absurden Anklagen gegen Maria Kolesnikowa zeigten, wie groß Lukaschenkos Angst vor allen Bürger:innen sei. (Stefan Scholl)

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