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Die Tests werden knapp

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Von: Jakob Maurer, Eva Quadbeck

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Schlangen vor Testzentrum
Die Schlangen vor den PCR-Teststellen sind in vielen Städten oft lang. Daher sollen künftig bestimmte Personengruppen priorisiert werden. © Monika Skolimowska/dpa

Die Infektionszahlen steigen weiter. Bund und Länder bereiten sich auf eine Belastungsprobe vor.

Trotz des Rekords an Corona-Infektionen haben die Verantwortlichen in Bund und Ländern im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag die Erwartungen an das Treffen gedämpft. Voraussichtlich wird es keine weiteren bundesweiten Verschärfungen der Corona-Beschränkungen geben. Auch der Expertenrat wird dem Vernehmen nach im Vorfeld keine Stellungnahme veröffentlichen, wie dies bei den vergangenen beiden Sitzungen der Fall war.

Zu besprechen gibt es angesichts der Omikron-Welle, der offenen Fragen bei der Impfpflicht und der Engpässe bei den PCR-Tests dennoch zahlreiche Themen. Ein zentraler Tagesordnungspunkt der Regierungschefinnen und -chefs wird eine Neuregelung zu den PCR-Tests sein. Geplant ist, dass „zur Aufrechterhaltung eines funktionsfähigen Gesundheits- und Pflegewesens“ vorrangig das Personal im Gesundheitswesen getestet werden soll. Das geht aus einem Referentenentwurf für eine neue Test-Verordnung hervor, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt.

An diesem Samstag wollen die Gesundheitsministerinnen und -minister über die neue Testverordnung beraten. Die Länder müssen die neuen Regeln um- und durchsetzen. In einigen Ländern wird man wahrscheinlich noch über die neue Verordnung hinausgehen und grundsätzlich weniger PCR-Tests anordnen. Zudem soll die Kontaktnachverfolgung von Infizierten auf weniger Bereiche fokussiert werden.

Genesen ohne PCR-Nachweis?

Schon heute kommen die Gesundheitsämter nicht mehr nach, an alle PCR-positiv getesteten Personen Quarantäne-Anordnungen zu verschicken. Es gelingt ihnen erst recht nicht mehr, Kontakte nachzuverfolgen. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat sich bereits für eine Reduzierung der Kontaktnachverfolgung ausgesprochen und dies für die Hauptstadt angekündigt.

Unklar ist, was die neue Strategie für den Genesenenstatus bedeutet. Um diesen nachzuweisen, ist ein PCR-Test zwingende Voraussetzung. Von Tag 28 bis 90 nach dem positiven PCR-Befund gilt man als genesen und erfüllt die 2G- oder 3G-Regel. Bis vor kurzem galt der Status für sechs Monate, wegen Omikron wurde der Zeitraum halbiert.

Und was passiert, wenn nicht mehr alle Zugriff auf einen PCR-Test haben? Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte am Donnerstag im ZDF zur geplanten Priorisierung, man werde positiv Getesteten, die einen PCR „nicht unbedingt“ benötigen, „vom PCR-Test sogar abraten“.

Auf die Frage, ob dann für den Genesenenstatus künftig ein Schnelltest aus dem Testzentrum reicht, hieß es auf Nachfrage aus dem Bundesgesundheitsministerium lediglich, die Beratungen dazu liefen noch. Laut einem Bericht des RBB sieht der Entwurf des Ministeriums für die neue Strategie jedoch genau das vor. Allerdings könnte das RKI dies ablehnen, weil sonst eine neue Definition von „Genesen“ entstünde.

Der Deutschen Hausärzteverband befürwortet derweil die geplante Änderung der Teststrategie. „Ich begrüße es, wenn PCR-Tests künftig nicht mehr zur Bestätigung jedes Antigentests gemacht werden müssen – gerade wenn die Testkapazitäten jetzt zur Neige gehen“, sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt. „Medizinisch ist es nicht sinnvoll, nach einem positiven Antigen-Test und eindeutigen Symptomen auch noch einen PCR-Test machen zu müssen.“

Mit dem Höhepunkt der Omikron-Welle rechnet Karl Lauter unterdessen erst im Februar – der Druck für eine neue Test-Strategie steigt also.

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