Das Büro der Nachrichtenagentur AFP in Washington.
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Das Büro der Nachrichtenagentur AFP in Washington.

US-Wahl

Die Rolle der Medien

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
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Wie die Medien den Ausgang der US-Wahl beeinflussen.

Traditionelle Medien wie die „New York Times“ oder CNN haben in den USA viel Macht verloren. Politiker:innen wie Donald Trump müssen keine Umwege mehr nehmen, sondern können per Twitter oder Facebook direkt zu ihren Fans sprechen.

Bei der Verkündung der Wahlergebnisse ist das anders: In den USA gibt es keine Wahlbehörde auf Bundesebene, die die Abstimmung überwacht und Ergebnisse aus den Bundesstaaten meldet. Diese Aufgabe wurde gewissermaßen privatisiert und fällt den Medien zu. Deren Reporterinnen und Reporter tragen die Ergebnisse aus den einzelnen Wahllokalen, Bezirken und Bundesstaaten zusammen und kombinieren sie mit Befragungen von Wählerinnen und Wählern. Auf diese Weise prognostizieren sie, wer in den einzelnen Bundesstaaten das Rennen macht.

Ein Beispiel: Die Nachrichtenagentur AP schickte 4000 Beschäftigte in die Wahllokale. Von dort telefonierten sie die Ergebnisse an die AP-Zentrale, wo noch mal rund 800 Menschen die Zahlen verarbeiteten. Bei deutlichen Unterschieden zu früheren Wahlen oder anderen Auffälligkeiten schlugen Computerprogramme Alarm und die Daten wurden erneut überprüft. Auf diese Weise ermittelte AP nicht nur das Ergebnis der Präsidentschaftswahl, sondern trug auch die Ergebnisse von rund 7000 anderen Abstimmungen zusammen.

Für die Medien geht es dabei auch um Prestige: Wer verkündet den Sieger als erstes? Damit warten sie nicht bis alle Stimmen ausgezählt sind. So verkündete der TV-Sender Fox News noch in der Wahlnacht, dass Joe Biden Arizona gewonnen habe. Zu diesem Zeitpunkt führte er mit etwa 200 000 Stimmen. Allerdings waren rund eine Million Stimmen noch nicht ausgezählt, weshalb sich die anderen Medien am Donnerstagnachmittag deutscher Zeit mit ihren Prognosen für den umkämpften Staat noch zurückhielten.

Donald Trump und seine Republikaner waren entsetzt: Ausgerechnet Fox News, der rechtskonservative Gegenspieler des linksliberalen Senders CNN, schlug Arizona den Demokraten zu. Allerdings hatten bei Fox am Wahlabend nicht die Konservativen das Sagen, sondern der sogenannte Decision Desk. In diesem Ressort sind die Statistiker:innen des Senders zusammengefasst, die wahrscheinliche Wahlausgänge berechnen. Das Ressort gilt als immun gegen die „Trumpifizierung“ des Senders. Chef des Ressorts ist Arnon Mishkin, der nicht bei Fox angestellt ist, sondern als Berater für den Sender arbeitet. Außerdem ist Mishkin Parteimitglied der Demokraten.

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