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Für Rechtskandidatin Keiko Fujimori ist die Wahl bereits der dritte Anlauf.
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Für Rechtskandidatin Keiko Fujimori ist die Wahl bereits der dritte Anlauf.

Wahl in Peru

Wahl in Peru: Tochter von Gewaltherrscher Fujimori führt knapp

  • Klaus Ehringfeld
    VonKlaus Ehringfeld
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Bei der Präsidentschaftswahl in Peru führt die Tochter des ehemaligen Diktators Fujimori knapp. Der Linkskandidat Castillo hofft auf die Stimmen der Landbevölkerung.

Lima – Nach der Präsidentenwahl in Peru zittern die Kandidatinnen und Kandidaten bis zur Auszählung der letzten Stimmen um den Wahlsieg. Nach Auswertung von rund 92 Prozent der Voten führte überraschend die Rechtskandidatin Keiko Fujimori mit 50,22 Prozent vor dem linken Landlehrer und Favoriten für die Wahl, Pedro Castillo. Auf ihn entfielen demnach 49,77 Prozent der Stimmen. Im Laufe des Montags gelang es dem Kandidaten der Partei „Peru Libre“ aber, seinen Rückstand immer weiter zu verkürzen, da erst langsam die Ergebnisse aus den ländlichen Regionen des Andenstaates sowie dem Amazonasgebiet eintrafen. Das Endergebnis könnte erst in einigen Tagen vorliegen.

Der Andenstaat ist politisch tief gespalten zwischen rechts und links, arm und reich, Stadt und Land. Und der Aufstieg des bis zum ersten Wahlgang im April kaum bekannten Castillo hängt zusammen mit der tiefen Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem politischen System. Der erklärte Marxist und Gewerkschafter aus der nordwestlichen Provinz Cajamarca wird als der klassische „Outsider“ betrachtet. Die Wahlbeteiligung fiel mit 76,75 Prozent ausgesprochen hoch aus. Dies ist die am härtesten umkämpfte Abstimmung seit vielen Jahren in Peru.

Wahl in Peru: Ein Land tief in der Rezession

Das neue Staatsoberhaupt wird ein Land übernehmen, das tief in der Rezession steckt und global die höchste Covid-19-Todesrate hat: Mit 212 Todesfällen pro 100 000 Einwohner:innen gehört Peru zu den Ländern, die stark unter der Pandemie leiden. Präsident oder Präsidentin müssen künftig also gleichzeitig eine politische, wirtschaftliche und eine Gesundheitskrise managen.

Beide Kandidierenden riefen die Bevölkerung auf, nicht den Sieg vorschnell zu feiern. „Wir müssen die Einheit aller Peruaner und Peruanerinnen erreichen“, forderte Fujimori. „Deswegen rufe ich alle dazu auf, mit Ruhe und Geduld und vor allem friedlich auf das Endergebnis zu warten.“

Peru: Linker Herausforderer will den Reichtum nach der Wahl anders verteilen

Aber es ist zu erwarten, dass sowohl Castillo als auch Fujimori im Falle einer Niederlage eine Neuauszählung der Stimmen beantragen werden. Dafür ist das Ergebnis zu knapp und dafür steht vor allem für die Tochter des früheren Gewaltherrschers Alberto Fujimori zu viel auf dem Spiel. Dies ist bereits der dritte Versuch der 46-jährigen Politikerin, das Präsidentenamt Perus zu erobern. Bei vorherigen Abstimmungen 2011 und 2016 war sie auch in der Stichwahl gescheitert. Vor fünf Jahren verlor die wirtschaftsliberale Politikerin mit 0,24 Prozent der Stimmen gegen Pedro Pablo Kuczynski.

Der Linke Pedro Castillo tut seine staatsbürgerliche Pflicht.

Peru war im politisch chronisch instabilen Lateinamerika in den vergangenen Jahren eines der Länder mit den größten Turbulenzen. Der Andenstaat hatte vier Präsidenten in den vergangenen fünf Jahren. Im November waren es sogar drei verschiedene Staatschefs in weniger als seiner Woche. Sieben der letzten zehn Staatschefs sind entweder verurteilt, oder es laufen Ermittlungen gegen sie. In der Regel geht es bei den Vorwürfen um Korruption. Auch gegen Keiko Fujimori läuft ein Verfahren wegen Bestechlichkeit. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu 30 Jahren Haft. Sollte sie zur Präsidentin gewählt werden, dürften die Ermittlungen eingestellt werden.

Unterschiede zwischen den Herausforderern könnten bei Wahl in Peru kaum größer sein

Castillo kommt politisch vom anderen Ende als Fujimori. Der 51 Jahre alte Dorfschullehrer, der lange sein Image als Vertreter vom Land sehr pflegte, will die Rolle des Staates stärken und sich für die Armen und Entrechteten einsetzen. Er sagt klar, dass er die Reichtümer und die Erträge aus den Bodenschätzen anders und gerechter verteilen will. So will er die Bergbaufirmen verstaatlichen und nach dem Vorbild Boliviens und Venezuelas eine Verfassunggebende Versammlung einberufen, die das Land auf ein neues gesellschaftliches und wirtschaftliches Fundament stellen soll. Bei gesellschaftlichen Fragen ist Castillo hingegen ur-konservativ und trifft sich dort ideologisch mit Fujimori. Er setzt auf „Familienwerte“ und hält nichts von Genderthemen, Abtreibung und Homoehe. Auch die Freigabe von Marihuana findet nicht seine Zustimmung.

Wer auch immer am Ende gewinnt und in den Präsidentenpalast „Casa de Pizarro“ in Lima einzieht, wird nicht das Staatsoberhaupt mit Vision, Anerkennung, Ruhe und Erfahrung in der Politik sein, das der Andenstaat so dringend braucht. Denn die Herausforderungen sind gigantisch. Die Wirtschaft brach im vergangenen Jahr um elf Prozent ein. Die offizielle Arbeitslosenzahl sprang auf fast 14 Prozent. (Klaus Ehringfeld)

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