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Auf vielen Intensivstationen in Rumänien herrscht Notstand. Foto: AFP.
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Auf vielen Intensivstationen in Rumänien herrscht Notstand.

„Die neue Lombardei“

Corona auf dem Balkan: Das Virus wütet verheerend in Serbien, Rumänien und Bulgarien

  • VonThomas Roser
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Auf dem Balkan wütet Corona massiv: In Rumänien sind die Intensivstationen mit Corona-Fällen überlastet. Vor allem Ungeimpfte tragen zur Eskalation in Südosteuropa bei.

Besorgt lassen Rumäniens Würdenträger angesichts der steil steigenden Infektionszahlen die Alarmglocken schrillen. Von einer „Katastrophe“, spricht Präsident Klaus Johannis. Mit der Situation Italiens im Frühjahr 2020 vergleicht Valeriu Gheorghita, der Chef des nationalen Impfstabs, die Lage, die durch die „sehr aggressive Infektionswelle“ kompliziert werde: „Die Kliniken und Notaufnahmen sind völlig überlastet.“

Rumänien sei „die neue Lombardei“, titelt das Webportal „mediafax.ro“. Tatsächlich hat sich die Zahl der Neuinfizierten im Karpatenstaat mit rund 15 000 pro Tag in den letzten drei Wochen verfünffacht. Am Freitag kletterte die tägliche Todeszahl mit 385 auf einen neuen Rekordwert. Freie Betten gibt es in den mit mehr als 1500 Covid-Patienten belegten Intensivstationen der heimischen Kliniken schon lange nicht mehr: Zur Entlastung des vor dem Kollaps stehenden Gesundheitssystems hat die Regierung vergangene Woche beschlossen, alle „nicht dringend nötigen“ Operationen für 30 Tage auszusetzen.

Corona auf dem Balkan: Nach Bulgarien weist Rumänien die niedrigste Impfquote in der EU auf

92 Prozent der Covid-Toten sind Ungeimpfte: Nach Bulgarien weist Rumänien mit 31 Prozent der Bevölkerung die niedrigste Impfquote in der EU auf. Der geringe Immunisierungsgrad und die große Impfskepsis machen auch anderen Balkanstaaten zu schaffen: Die Region der überzeugten Impfgegner gerät in der vierten Infektionswelle noch stärker unter Corona-Druck.

Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz Europas weist schon seit Ende September mit zuletzt 665,1 (Stand: 8. Oktober) der einstige Impfvorreiter Serbien auf. Der Anteil der positiv Getesteten bewegt sich schon seit Wochen bei 30 Prozent. Die offizielle Zahl der Corona-Toten ist auf mehr als 50 pro Tag geklettert. Ähnlich wie im vergangenen Winter werden die Toten auf den Belgrader Friedhöfen mittlerweile wieder in sonntäglichen Sonderschichten begraben.

Corona in Serbien, Rumänien und Bulgarien: Verschärfte Präventivmaßnahmen in der Gastronomie

Lag die Sterbequote der an die Beatmungsgeräte angeschlossenen Patienten vor Jahresfrist in den serbischen Kliniken noch bei 70 Prozent, ist diese wegen der hoch aggressiven Delta-Variante auf mehr als 90 Prozent gestiegen. In einem Zimmer in der Covid-Klinik im Belgrader Vorort Batajnica hätten kürzlich fünf junge, ungeimpfte Patienten im Alter zwischen 21 und 26 Jahren gelegen, berichtet die Direktorin Tanja Adzic Vukicevic dem Webportal „Nova“: „Sie sahen, wie einer nach dem anderen in Plastiksäcken verstaut wurde: Alle sind gestorben.“

Mit verschärften Präventivmaßnahmen in der Gastronomie, der Einführung einer Covid-App und der angekündigten Bestellung von 70 Millionen Speicheltests für die Schulen versucht Rumänien, die aus dem Ruder zu geraten drohende Lage in den Griff zu bekommen. Auffällig tatenlos reagiert hingegen Serbien auf die steigenden Todeszahlen. Es ist nicht nur die starke Gastronomie-Lobby, sondern es sind auch wahltaktische Erwägungen, die Belgrad fast völlig auf Präventivmaßnahmen verzichten lässt: Auch die Stimmen der Impfgegner werden von der regierenden SNS im kommenden Wahljahr benötigt.

Corona-Pandemie spitzt sich auf dem Balkan zu: Serbien spielt „russisch Roulette“ in der Pandemie

Zwar wurde vergangene Woche nach fast einem Monat endlich wieder eine Sitzung von Serbiens Krisenstab anberaumt. Doch mit ihrer Forderung nach einem zehntägigen Versammlungsverbot und der Schließung aller Gastronomiebetriebe um 17 Uhr konnten sich die Epidemiologen des Gremiums gegenüber der Politik nicht durchsetzen. Impfungen seien „die einzige Antwort auf die Pandemie“, so Regierungschefin Ana Brnabic.

Statt einer Verkürzung kündigte die Stadt Belgrad am Wochenende gar die zeitweilige Verlängerung der Öffnungszeiten von Restaurants und Einzelhandel bis Mitternacht an. Der stellvertretende Bürgermeister Goran Vesic (SNS) begründete die Entscheidung mit der großen Zahl ausländischer Besucher, die zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Gründung der Bewegung der blockfreien Staaten erwartet würden: „Wie 1961 wird Belgrad für seine Gäste ein guter Gastgeber sein.“ Von „russisch Roulette“ in der Pandemie spricht hingegen die Zeitung „Danas“: „Die Bürger werden sich selbst überlassen.“ (Thomas Roser)

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