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Eine Lehrerin in Santiago de Chile unterzieht sich einem Test.
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Eine Lehrerin in Santiago de Chile unterzieht sich einem Test.

Lambda auf dem Vormarsch

Corona-Grauen in Lateinamerika: Ignoranten und Populisten laden Schuld auf sich

  • Klaus Ehringfeld
    VonKlaus Ehringfeld
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Die Lambda-Variante des Coronavirus ist noch weitgehend unerforscht. In Lateinamerika sind die Menschen aufgrund der niedrigen Impfquote noch lange nicht ausreichend geschützt.

In Mexiko und Brasilien schießen die Infektionszahlen wieder in die Höhe. In beiden Ländern ist es vor allem die Delta-Variante, an der die Menschen erkranken. Sie ist mit Abstand die häufigste nachgewiesene Mutante des SARS-CoV-2-Virus in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern Lateinamerikas.

Aber eine weitere Mutante, die in mehreren Ländern Lateinamerikas entdeckt wurde, beunruhigt die Gesundheitsbehörden. Betroffen sind vor allem Peru und Chile, weshalb diese Variante auch Anden-Variante genannt wird. Bekannt ist sie als Lambda, offiziell C.37-Variante, und wurde im August 2020 in Peru erstmals nachgewiesen. Inzwischen ist sie dort mit mehr als 90 Prozent die dominierende Mutante. In Chile ist C.37 bereits für jede dritte Neuinfektion verantwortlich. Aus Japan kamen in dieser Woche zudem beunruhigende Nachrichten. Forschende habe eine Studie vorgelegt, wonach Lambda nicht nur ansteckender, sondern auch widerstandsfähiger gegen Antikörper sein könnte als andere Mutanten.

Mutante: Lateinamerika hat die Pandemie nicht im Griff

Behörden in Lateinamerika warnen daher schon vor der dritten Welle. Insgesamt hat die Region die Pandemie nach wie vor nicht im Griff. Auch, weil die Menschen in Lateinamerika hoch defizitären Gesundheitssystemen ausgeliefert sind und zudem wegen wirtschaftlichen Notwendigkeiten kaum zu Hause bleiben und den Aufrufen der Behörden zu Quarantäne Folge leisten können.

Die Lambda-Variante

Vor einigen Tagen hat ein japanisches Team ein Pre-Print veröffentlicht, mit dem Titel „Lambda-Variante weist eine höhere Infektiosität und Immunresistenz auf“. Die Studie ist bisher weder von externen Fachleuten begutachtet worden noch in einem Fachblatt erschienen.

Die WHO verwies auf eine derzeit nicht besonders starke Ausbreitung der Variante: Covid-19-Expertin Maria van Kerkhove sagte am Mittwoch: „Es geht nicht wirklich hoch, selbst in Peru nicht, wo die Variante zuerst entdeckt wurde.“ Nach Angaben aus Peru werde die Lambda-Variante dort von der Gamma-Variante verdrängt.

Die Daten aus Japan würden überinterpretiert, teilte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, in dieser Woche mit. Die Daten zeigten, dass Lambda in Laborversuchen etwas ansteckender sei als das ursprüngliche Virus, aber nicht ansteckender als die Delta-Variante. Ein US-Team hatte Anfang Juli in einem Pre-Print Ergebnisse vorgelegt, die darauf hindeuteten, dass die genutzten Impfstoffe auch vor Lambda schützen.

Über die Anden-Variante ist noch nicht viel bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte Lambda vor zwei Monaten als „Variant of Interest“ (VOI) ein. Bis dahin war C.37 in 29 Staaten weltweit nachgewiesen, davon mit Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Mexiko, Argentinien, Peru und Chile sieben in Lateinamerika. Die Forschenden aus Japan fordern nun, Lambda als besorgniserregende Mutante („variant of concern“) einzustufen. So sei klar, dass C.37 durchaus gefährlich ist und eine höhere Ansteckungsgefahr von ihr ausgehe. Zudem sei nach wie vor unklar, wie resistent sie gegen Impfungen ist.

Mutante in Südamerika: Global betrachtet hängt die Region bei den Impfungen hinterher

Lateinamerikas 660 Millionen Einwohner:innen machen zwar nur acht Prozent der Weltbevölkerung aus, doch in dieser Region konzentrieren sich ein Fünftel aller Corona-Infektionen und ein Drittel aller Todesopfer. Diese erschreckende Quote wird noch dadurch befeuert, dass in der Region nicht einmal 20 Prozent der Menschen komplett geimpft sind, bei regionalen Unterschieden: Während in Zentralamerika manche Staaten weniger als zehn Prozent ihrer Bevölkerung immunisiert haben, sind es in Chile schon rund zwei Drittel. Aber global betrachtet hängt die Region bei den Impfungen weit hinterher.

Zudem zeigt sich am Beispiel Chile, dass das dort breit verimpfte chinesische Vakzin CoronaVac möglicherweise kaum gegen die Anden-Mutante schützt. Laut einer Studie der Universidad de Chile schützt CoronaVac mit einer Dosis lediglich zu drei Prozent vor einer Ansteckung. Auch mit beiden Dosen liegt die Effektivität nur bei 56,5 Prozent.

Mutante: Populisten und marode Gesundheitssysteme in Lateinamerika sind Schuld an hohen Infektionszahlen

Epidemiolog:innen warnen vor einer weiteren Verschlimmerung des Infektionsgeschehens. „Ich fürchte, wir werden in den kommenden Wochen in Lateinamerika eine kritische Situation erleben“, sagt Alfonso Rodríguez-Morales, Experte der Technischen Universität im kolumbianischen Pereira. Helfen würde lediglich eine Immunisierung der Bevölkerungen über eine hohe Impfquote.

Mitursache für das Corona-Grauen in Lateinamerika sind Populisten, Ignoranten und schlicht unfähige Staats- und Regierungschefs sowie marode Gesundheitssysteme. Zudem arbeitet mehr als die Hälfte der Menschen in der Region im informellen Sektor etwa als Schuhputzer:in, Parkplatzeinweiser:in oder Obstverkäufer:in. Dieser Wirtschaftssektor bietet keinerlei sozialen Schutz. Und es zeigt sich in diesen Zeiten, wie unterfinanziert die öffentlichen Gesundheitssysteme sind, die angesichts der großen Anzahl schwerer Infektionsfälle vielerorts vor dem Kollaps stehen – oder bereits kollabiert sind. (Klaus Ehringfeld)

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