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Die Medien werden weiblicher

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Von: Bascha Mika

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Medienmacherinnen: Regisseurin Sherry Hormann, Intendantin Patricia Schlesinger udn Moderatorin Sandra Maischberger.
Medienmacherinnen: Regisseurin Sherry Hormann, Intendantin Patricia Schlesinger udn Moderatorin Sandra Maischberger. © imago images/Photopress Müller

Frauen kommen in den Rundfunkanstalten zunehmend in leitende Positionen, der Wandel geht aber schleppend voran. Der Verein Pro Quote Medien belegt das in einer Studie.

Wenn es um die Rechte von Frauen geht, ist der Fortschritt die lahmste aller kriechbehinderten Schnecken. Egal in welchen Bereich man schaut, nirgendwo kommt die Gleichstellung zügig voran – das gilt auch für die Medienlandschaft.

Um so erfreulicher, dass es ab und an doch mal Lichtblicke gibt: Im Rundfunk hat sich der Anteil von Frauen in journalistischen Führungspositionen deutlich gesteigert. Das zeigt die neue Studie des Vereins Pro Quote Medien, der sich vor zehn Jahren gegründet hat, um die Stellung von Frauen im Journalismus zu beleuchten und zu stärken.

Es gibt ihn, den Fortschritt

„Welchen Anteil haben Frauen an der publizistischen Macht in Deutschland?“, so die Fragestellung der aktuellen Untersuchung. Das Ergebnis: Bei den Öffentlich-Rechtlichen Anstalten und bei der Deutschen Welle sieht es damit schon ziemlich gut aus. Da sind im Durchschnitt knapp 45 Prozent der Stellen in Programmverantwortung und Redaktionsleitung weiblich besetzt. Verglichen mit der Pro Quote-Studie aus dem Jahr 2018 ist das immerhin eine Steigerung um sieben Prozent. Untersucht wurden jeweils die obersten vier Hierarchieebenen. Besonders fortschrittlich präsentieren sich zwei Sender, der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und die Deutsche Welle. Beide Anstalten übererfüllen sogar das Soll – die Forderung nach Parität in Führungsverantwortung. Beim RBB sind 57,4 Prozent dieser Stellen weiblich besetzt, bei der Deutschen Welle 50,8 Prozent.

Schlusslichter sind hingegen der Hessische und der Saarländische Rundfunk; beim HR gibt es noch nicht einmal ein Drittel Frauen in der journalistischen Leitung, beim SR nur etwas mehr als ein Drittel.

Der Fokus auf Perspektiven

Dabei ist es für die Teilhabe von Frauen zwar hilfreich, dennoch nicht immer entscheidend, ob die oberste Spitze des Senders weiblich ist. Der RBB wird von einer Intendantin geführt, die Deutsche Welle seit langem von einem Intendanten. Beim HR und SR allerdings waren bis heute immer nur Männer die Chefs.

Weil der private Rundfunk keine Organigramme zur Verfügung stellte, musste sich die Studie in dem Bereich auf öffentlich zugängliche Informationen stützen. Die Ergebnisse sind mehr als ernüchternd. Bei RTL beispielsweise ist die Anzahl weiblicher Führungskräfte weiter gesunken, im programmrelevanten Top-Management sind kaum Frauen.

Auch der Sportbereich ist, egal bei welchem Sender, immer noch ärgerlich männerdominiert. Da haben Frauen kaum Einfluss auf Inhalt und Gestaltung der Berichterstattung, in Leitungspositionen sind sie so gut wie nicht zu finden. Angesichts der vielen antiquierten Traditionen im Sport mag das zwar keine Überraschung sein – macht die Sache allerdings keineswegs besser.

Denn bei der Rolle von Frauen in der Medienbranche geht es ja nicht nur um Gerechtigkeitsfragen, sondern um weitaus mehr. Wo die Wirklichkeitserfahrung zunehmend von Medien geprägt wird, braucht es den weiblichen Blick, braucht es Journalistinnen in allen Bereichen und Positionen. Wie sonst soll ein möglichst vollständiges Bild der Welt vermittelt, die Verhältnisse angemessen beschrieben und ausgedeutet werden?

Frauen machen gegenüber Männern zwar nicht den besseren Journalismus, doch sie haben noch immer andere Horizonte, andere Erfahrungen, die in ihre Arbeit einfließen können. Zudem: „Gleichberechtigung von Frauen zahlt heutzutage auf das Image eines Mediums ein“, stellt der Verein Pro Quote fest. Auch das sollte allen Chef:innen in den Ohren klingen.

Transparenzhinweis: Die Autorin ist Mitglied im Verein Pro Quote Medien

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