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Mapuche und Verfassungsexpertin: Elisa Loncón (Mitte).
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Mapuche und Verfassungsexpertin: Elisa Loncón (Mitte).

Chile

„Die Mapuche kämpfen für ein gerechteres Chile“

  • Klaus Ehringfeld
    VonKlaus Ehringfeld
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Der Missionar Padre Fernando Díaz über Konflikte mit dem Staat und den Kampf der Indigenen für ihre Rechte.

Padre Díaz, seit einem Monat sind vier Provinzen im Süden Chiles militarisiert. Wie wirkt sich das auf den Konflikt zwischen den Mapuche und dem Staat sowie den Unternehmen aus?

Es ist eine komplizierte Situation, Aber nicht ganz Araukanien ist betroffen, sondern nur Teile. Aber alle Mapuche wissen über den Konflikt Bescheid, und viele sind mit der Gewalt nicht einverstanden, die sich in brennenden LKW, Schießereien und Attentatsversuchen äußert. Es sind auch nicht gewaltsame Gemeinden, sondern gewalttätige Gruppen in den Gemeinden. Insofern ist der pauschale Vorwurf der Regierung, dass die Mapuche gewalttätig seien nicht richtig.

Der Konflikt ist viel älter…

Die Mapuche sehen sich in Chile der andauernden Aggression des Staates gegenüber. Die unterschiedlichen Regierungen haben dies auch nach Rückkehr zur Demokratie nicht geändert. Und dann kamen die Holz- und Bergbaufirmen, welche in die Territorien der Ureinwohner drängen. Aber die aktuellen Attacken der Mapuche sind nichts im Vergleich zur staatlichen, über Jahrzehnte ausgeübten Aggression in Form der Gewalt, Enteignung, des Landraubes und der Erniedrigung.

Und hat die Militarisierung etwas gebracht?

Nein, das Ergebnis der Militarisierung ist nur, dass es mehr Tote gibt. Der Ausnahmezustand sollte die ultrarechten Gruppen und vor allem die LKW-Fahrer und Transportunternehmer beruhigen. Sie haben eine große Lobby und Macht, denn sie können mit einem Streik das Land lahmlegen. Und sie sind oft mit den stärksten und reichsten Gruppen des Landes verbunden. Diese Klientel wollte Präsident Piñera beruhigen. Aber die ständige Negation der Rechte der Mapuche gerät in Chile selbst, aber auch international immer stärker unter Druck. Der Verlängerung des Ausnahmezustands haben die Zentrumsparteien im Parlament jetzt nur aus taktischen Gründen in der Hoffnung zugestimmt, bei der Wahl am Sonntag mehr Stimmen zu bekommen und nicht als Unterstützer angeblicher Terroristen dazustehen.

Wie präsent ist das Thema des Aufstands im Wahlkampf?

Es ist vor allem bei den rechten Kandidaten ein Thema und dient angeblich als Beweis dafür, dass in Chile Sicherheit und Ordnung fehlen. Vor allem der ultrarechte Kandidat Kast will mit repressiven Maßnahmen gegen die Indigenen vorgehen.

Was und wie haben die Präsidentschaftskandidat:innen sich denn sonst zum Thema der Originalvölker geäußert?

Bis auf den favorisierten Kandidaten Boric vom Bündnis Apruebo Digindad hat sich keiner explizit dazu geäußert. Ihnen fehlt das Verständnis dafür, Chile als einen plurinationalen Staat zu begreifen. Boric ist jünger und hinterfragt die kolonialen Strukturen des Staates.

Für was kämpfen denn die Mapuche?

Die Mehrheit, die noch auf dem Land lebt, will vor allem ihre kulturelle Identität bewahren und ihre Territorien zurück. Aber es gibt auch immer mehr Mapuche in den Städten, die sich in die Gesellschaft der Mestizen integrieren und die Rolle als marginalisierte Außenseiter loswerden wollen.

Die Verfassunggebende Versammlung mit der Mapuche-Vorsitzenden Elisa Loncón gibt dem Thema noch mal eine neue Dimension…

Wer hätte gedacht, dass diese jemals von einer Frau und Mapuche angeführt werden könnte? Und es ist sehr wichtig, dass die Mapuche in der Versammlung stark vertreten sind und auch, dass so viele junge Chilenen und Chileninnen sie da rein gewählt haben. Die Mapuche verändern das Land und erobern neue Räume in der Politik und in der Reorganisation Chiles. Wir hoffen sehr, dass die Verfassunggebende Versammlung die Grundlage für eine Transformation des Staates legen kann. Die Mapuche sind heute fundamentale Akteure bei der Konstruktion eines gerechteren Chile.

Interview: Klaus Ehringfeld

Der Steyler-Missionar Fernando Díaz von der Organisation JUPIC unterstützt die Mapuche.

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