1. Startseite
  2. Politik

Die Linke in NRW: „Metoo“-Vorwürfe gegen ranghohes Mitglied

Erstellt:

Von: Karolin Schäfer

Kommentare

Erneut wurden „Metoo“-Vorwürfe in der Linkspartei laut.
Erneut wurden „Metoo“-Vorwürfe in der Linkspartei laut. © Christoph Soeder/dpa

Wiederholt kommen mutmaßliche Sexismus-Vorwürfe in der Linkspartei ans Licht. Gleich zwei Vorstandsmitglieder geben in NRW deshalb ihre Posten auf.

Düsseldorf – Es gibt erneut Sexismus-Vorwürfe innerhalb der Linkspartei – diesmal in Nordrhein-Westfalen. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel zufolge hätten gleich zwei Vorstandsmitglieder der Partei ihre Posten abgegeben. Zuvor hatten sie Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe erhoben.

Der Linken-Parteiführung werfen sie Untätigkeit vor. „Innerhalb des Landesvorstandes kam es vonseiten eines hochrangigen Mitglieds zu Sexismus und Übergriffen. Doch anstatt im Gremium auf Verständnis und den Willen zur Aufklärung wie Veränderung zu treffen, reagierte der Großteil des Landesvorstands mit Täter-Opfer-Umkehr sowie dem Silencing der Betroffenen“, hieß es in einer internen Erklärung, die dem Spiegel vorliegt. Aus diesem Grund wolle man „nicht weiter mit diesem Gremium arbeiten.“

Sexismus-Vorwürfe in der Linkspartei: Offenbar Falschbehauptungen verbreitet

Zudem sollen die Vorstandsmitglieder Falschbehauptungen über die Betroffene verbreitet haben, lautete es in einer weiteren Mail. Man sei froh gewesen, dass das Thema in einer geschlossenen Sitzung angesprochen wurde, habe sich gleichzeitig aber auch einen „reflektierten Umgang mit dieser sensiblen Thematik“ erhofft. Der Mail zufolge soll das aber nicht der Fall gewesen sein. Stattdessen „strotzte“ die Debatte „nur so vor Täter-Opfer-Umkehr“, zitierte der Spiegel die Mail.

Bei der Täter:innen-Opfer-Umkehr (englisch: victim blaming) wird die Schuld für eine Tat nicht bei Täter:innen, sondern beim Opfer gesucht. Das verursacht nicht selten noch mehr Leid beim Opfer.

„Metoo“-Vorwürfe bei den Linken: Gremium soll Beschuldigten in Schutz nehmen

Die Vorstandsmitglieder werfen dem Gremium vor, den mutmaßlichen Täter in Schutz zu nehmen. „Seine Jungs waren natürlich gleich zur Stelle, um ihn zu decken.“ Eine Partei-Kollegin, die Stellung zu dem Vorfall bezog, sei „teils aggressiv, angegangen“ worden. Zudem sei sie „wiederholt als asozial bezeichnet“ worden.

Nach Angaben des Spiegel-Magazins fordertet Vizevorsitzende Ulrike Eifler den Fall unter Verschluss zu halten. Mediale Aufmerksamkeit sollten die Vorwürfe zumindest nicht bekommen. Denn Eifler soll davon ausgegangen sein, dass die Mail der Vorstandsmitglieder „keiner Strömung und erst recht nicht der Presse zugespielt“ werde. Für den Beschuldigten gelte ihr „uneingeschränktes Vertrauen“.

Nach Spiegel-Informationen wiesen die Anwälte des Beschuldigten die Vorwürfe zurück. Es gebe keine „#MeToo-Vorfälle in der nordrhein-westfälischen Linken.“ Eine Kommission aus Expert:innen des Bundes soll den Fall nun prüfen.

Sexismus-Vorwürfe in der Linkspartei: „Sträfliches Verhältnis zu Feminismus“

Erneut würde ein „sträfliches Verhältnis zu Feminismus an den Tag gelegt“, hieß es in der Mail der Zurückgetretenen. Der Fall ist nicht der erste seiner Art, der die Linke in ein düsteres Licht rückt. Bereits in der Vergangenheit wurden mutmaßliche Grenzüberschreitungen in der Linkspartei in Hessen bekannt.

Währenddessen diskutieren User:innen beim Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Hashtag #linkemetoo über die Debatte. „Es geht munter so weiter. Täter-Opfer-Umkehr und Täterschutz, wohin eins auch blickt“, twitterte eine Nutzerin. (kas)

Auch interessant

Kommentare