Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht mit Regierungssprecher Steffen Seibert beim Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht mit Regierungssprecher Steffen Seibert beim Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt.

Integrationsgipfel

Die Integration am Horizont

  • vonFelix Huesmann
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Bei dem Gipfeltreffen im Bundeskanzleramt soll ein Aktionsplan für Integration in der Corona-Krise entwickelt werden.

Im Bundeskanzleramt hat am Montag der nun zwölfte Integrationsgipfel der Bundeskanzlerin stattgefunden. Nach der Diskussion verkündete Angela Merkel, die Teilnehmenden aus Politik, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften, Wirtschaft und Sport würden „angesichts der Pandemie (...) auf noch mehr Integration“ setzen. Menschen mit Migrationshintergrund arbeiteten häufig „in Berufen, die als erstes unter Druck geraten“, und seien deshalb auch eher von Jobverlust betroffen.

Neben Merkel sprach auch Familienministerin Franziska Giffey. Sie betonte die Bedeutung ausländischer Fachkräfte für die deutsche Wirtschaft. Die per Kamera zugeschaltete Integrationsstaatministerin Annette Widmann-Mauz sagte, durch Corona zeige es sich, wie wichtig der Einsatz für Integration ist. „Es sind auch Hunderttausende mit Migrationshintergrund, die unser Land jetzt am Laufen halten.“ Viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte treffe die Pandemie auch deshalb besonders hart, weil Sprach- und Integrationskurse ausgesetzt wurden. Deshalb plane man nun eine „Digitaloffensive der Integration“, so Widmann-Mauz. Nicht nur Sprach- und Integrationskurse sollten digital stattfinden können, auch für „alle Fragen der Beratung zum Leben in Deutschland“ müsse es digitale Lösungen geben.

Stärkung der Kommunen

Besonders Frauen sollen Unterstützung beim Berufseinstieg und der Integration in den Arbeitsmarkt erhalten. Widmann-Mauz sprach in diesem Zusammenhang von „digitaler Streetwork“: Fachleute würden Beratungsangebote gezielt in Facebook- oder Telegramgruppen geflüchteter und eingewanderter Frauen und in deren Muttersprachen machen. Mit dem „Nationalen Aktionsplan Integration“ will die Bundesregierung etwa einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt und eine schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse ermöglichen.

Der Vorsitzende des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats, der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Memet Kilic, erinnerte an die Worte „Wir schaffen das“, mit denen die Bundeskanzlerin die Debatte um die Flüchtlingsaufnahme 2015 geprägt hatte. Vieles sei seitdem geschafft worden, sagte Kilic und dankte Merkel, „Mut gemacht“ zu haben. Mehr Geflüchtete würden heute einer Arbeit nachgehen oder eine Ausbildung machen.

Wichtig sei jedoch auch eine „Teilhabe an der Verfassungskultur des Landes“, betonte Kilic und sprach sich für eine Stärkung kommunaler Integrations- und Migrationsbeiräte aus. Diese würden vor Ort einen „erheblichen Beitrag zur Integration von Geflüchteten“ beitragen, ihr Potenzial werde jedoch bislang nicht voll ausgeschöpft.

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