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Australier:innen stehen für Corona-Tests an. Die Wartenden stehen in einer Schlange, die sich bis ans Ende des Häuserblocks zieht. Alle tragen Masken, einige schauen auf ihre Smartphones.
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Australier:innen stehen in Sydney für Corona-Tests an. Das Tragen von Masken in Innenräumen und andere Einschränkungen werden wegen steigender Inzidenzen wieder eingeführt.

Corona-Pandemie

Corona in Australien: „Die ideale Fallstudie“ für Omikron – Steiler Anstieg der Inzidenzen

  • VonBarbara Barkhausen
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Obwohl rund um Sydney viele gegen Corona geimpft sind, explodieren Omikron-Fälle. Doch Analysen aus den USA machen Hoffnung – auch Christian Drosten nennt die Daten „erfreulich“.

Sydney – Im australischen Bundesstaat New South Wales (NSW), in dem auch die Metropole Sydney liegt, ist Omikron innerhalb weniger Tage zur dominanten Corona-Variante geworden. Von wenigen hundert Neuinfektionen pro Tag explodierten die Zahlen auf über 6000 tägliche Fälle. Doch Daten zeigen, dass die Zahl der Patient:innen mit schweren Verläufen bisher nicht gleichermaßen zunimmt. Auch die Einweisungen in Krankenhäuser sind bisher moderat. Dies sei „erfreulich“, kommentierte auch der deutsche Virologe Christian Drosten vor einigen Tagen auf Twitter. Denn dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass Omikron trotz der höheren Infektiosität weniger gefährlich ist als die bisher dominante Delta-Variante.

Drosten bezieht sich dabei auf die Analysen von Andrew Lilley, einem Wirtschaftswissenschaftler und Doktoranden an der Harvard-Universität in den USA. Dieser veröffentlichte seine Auswertungen der australischen Daten auf Twitter und schrieb: „New South Wales ist die ideale Fallstudie, um den Schweregrad von Omikron zu messen.“ Als Gründe dafür führte er an, dass nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung bisher eine Corona-Infektion und nur wenige Menschen bisher eine Auffrischimpfung hatten. Außerdem waren die Delta-Fälle in der Region bis November stabil, was eine solide Basis für die Quote der Krankenhaus-Aufnahmen schaffte.

Corona in Australien – Daten deuten weniger Krankenhaus-Aufnahmen bei Omikron an

Anfängliche Daten zeigten, dass Omikron die Quote der Krankenhaus-Aufnahmen gegenüber Delta um mehr als die Hälfte reduzierte. Drosten wies in seinem Statement aber bereits darauf hin, dass ein schneller Inzidenzanstieg diesen Effekt wieder zunichte machen könnte. Letzteres zeigte sich dann tatsächlich über die Weihnachtsfeiertage, als mit einem rasanten Anstieg der Neuinfektionen in und um Sydney plötzlich auch die Einweisungen in Krankenhäuser zunahmen.

So verzeichnete der Bundesstaat New South Wales trotz eines 36-prozentigen Rückgangs durchgeführter Tests am Weihnachtstag einen neuen Höchststand von 6394 neuen Corona-Fällen. Am Montag lagen die Fallzahlen ebenfalls bei über 6300. Die Krankenhauseinweisungen stiegen über Weihnachten von 388 auf 458 und am Montag (27.12.2021) auf 520. Die Zahl der Patient:innen auf den Intensivstationen erhöhte sich mit 55 (Stand Montag) dagegen nur leicht.

Australien im Kampf gegen Corona: „Jeder in New South Wales wird Omikron bekommen“

Vonseiten der Gesundheitsbehörde NSW Health hieß es, dass die Mehrheit der Fälle auf der Intensivstation wohl nicht mit Omikron in Zusammenhang stünden. „Es wird angenommen, dass der Großteil der Fälle auf der Intensivstation Delta ist“, sagte eine Sprecherin der Behörde. Der Gesundheitsminister des Bundesstaates, Brad Hazzard, betonte am Wochenende zudem, dass die Mehrheit der Menschen auf der Intensivstation ungeimpft sei. Gleichzeitig warnte er aber vor der hohen Ansteckungsgefahr der neuen Variante: „Unter dem Strich gehen wir davon aus, dass irgendwann jeder in New South Wales Omikron bekommen wird.“

„Wenn wir alle Omikron bekommen, so ist der beste Weg, dem zu begegnen, indem wir eine vollständige Impfung einschließlich unserer Auffrischimpfung haben.“ In dem Bundesstaat sind bisher über 90 Prozent der Bevölkerung ab zwölf Jahren doppelt geimpft.

Corona-Pandemie – Virologe aus Australien berichtet: „Omikron scheint eine mildere Variante zu sein“

Lilley, dessen Analyse keine Peer-Review durchlaufen hat, betonte auch im Interview mit dem Sender Al Jazeera nochmals, dass er „ziemlich zuversichtlich“ sei, dass die Variante milder sei. „Der genaue Prozentsatz ist schwer abzuschätzen, bevor wir mehr Daten über die Zunahme der Fälle erhalten, die Durchbruchinfektionen sind“, sagte Lilley. „Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es weniger virulent ist.“

Auch Ivo Müller, ein Epidemiologe, der am medizinischen Forschungsinstitut Wehi in Melbourne forscht, interpretiert die derzeitige Datenlage ähnlich wie Lilley. „Omikron scheint eine mildere Variante zu sein, doch unklar ist bisher, ob sie halb so schwer ist wie die Delta-Variante oder ob sie beispielsweise zehnmal milder ist“, sagte er in einem Telefoninterview.

Corona in Australien: Virologe sieht Anfang des Pandemie Endes in Sicht – trotz Omikron

Müller verwies zudem auf Analysen aus Südafrika, Dänemark und Großbritannien. Diese deuten ebenfalls darauf hin, dass Omikron zu einem milderen Krankheitsverlauf führt. Insgesamt sei die derzeitige Situation eine „normale Evolution für eine Infektionskrankheit“, sagte der Forscher. „Die Viren werden infektiöser, aber die Erkrankungen weniger schwer.“

Ein hohes Infektionsgeschehen könnte die absoluten Zahlen bei den Krankenhauseinweisungen jedoch trotzdem in die Höhe treiben und das Gesundheitswesen belasten, vor allem wenn auch ein Teil des medizinischen Personals erkranke oder sich isolieren müsse, meinte der Experte. Deswegen seien zumindest einige Restriktionen weiter nötig, bis ein Großteil der Bevölkerung eine Auffrischimpfung erhalten habe.

Trotz des Rückschlags, den die Welt derzeit im Kampf gegen die Pandemie durch die Omikron-Variante erlebt, zeigt sich der Epidemiologe zuversichtlich, dass 2022 „den Anfang des Endes der Pandemie“ bringen werde. Darauf würde nicht nur die mildere Omikron-Variante hindeuten, sondern beispielsweise auch der Immunitätsstand der Bevölkerung, wie Müller sagte. (Barbara Barkhausen)

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